Herzlich Willkommen im STVC!

Community-Menü

Brücke Chat Forum TrekBay Wer ist online?


Episodeninhalt

Lieber Doktor

Titelgrafik zur Episode

Vorherige Episode:
Lautloser Feind
Nächste Episode:
Schlafende Hunde
Originaltitel:
"Dear Doctor"
Regie:
James A. Contner
Story:
Drehbuch:
Marie und Andre Jacquemetton
Gaststars:
Kellie Waymire als Elizabeth Cutler

David A. Kimball als Esaak

Chris Rydell als außeridischer Astronaut

Karl Wiedergott als Larr

Alex Nevil als Menk Man

Erstausstrahlung in Deutschland:
13.06.2003
Erstausstrahlung in den USA:
23.01.2002

Inhalt

Doktor Phlox betritt die Krankenstation - es muss Morgen sein, alle Lichter sind noch aus und erst ist der Erste, der den verlassenen Raum öffnet.

Heiter begrüßt er sein halbes Dutzend Tiere, die er in Käfigen und Aquarien hält. Er füttert sie, wobei er mit ihnen redet. Und als sein Zoo-Rundgang beendet ist, genehmigt auch er sich einen Wurm-Snack.

Wenig später erhält er von Fähnrich Sato Besuch - sie überbringt ihm einen Brief, den er von Denobula erhalten hat. Als Hoshi eine Frauenbekanntschaft dahinter vermutet, erklärt er ihr, dass es sich bei der Brieffreundschaft um Doktor Lucas handelt, einem menschlichen Arzt, der auf Denobula stationiert sei und der ihm auch zu seiner vorherigen Stelle auf der Erde verholfen habe. Seither tauschen sie regelmäßig ihre Erfahrungen aus. Nachdem Hoshi gegangen ist, nimmt sich Doktor Phlox etwas Zeit, den Brief anzuhören. Auf Denobula ist Paarungszeit und das Prozedere erscheint Lucas doch bedeutend umständlicher als er es von den Menschen her gewohnt ist.

Im Anschluss beginnt Phlox, seinen eigenen Brief an Doktor Lucas zu verfassen. Er erzählt ihm von seinem routinierten Alltag an Bord der "Enterprise" - das Behandeln von Leichtverletzten im Maschinenraum und auch von seinen Schwierigkeiten beim Knüpfen von Freundschaften. Denn obwohl er eigentlich nicht so lange an Bord bleiben wollte, reizt ihn die Erfahrung, die Menschen bei ihrem ersten Aufbruch ins All zu beobachten doch zu sehr. Allerdings gelingt es ihm bei manchen Menschen immer noch nicht, eine Freundschaft aufzubauen, wie bei Malcolm Reed, der immer zu beschäftigt mit der Arbeit ist, um ihm im Kasino Gesellschaft zu leisten.

Angenehmerweise hat sich die Crew mittlerweile an einen außerirdischen Bordarzt gewöhnt und eben dieser Beruf garantiert es, dass jedes Crewmitglied früher oder später zu ihm kommt.

Ein ungewöhnliches Crewmitglied bringt der Captain persönlich vorbei: Sein Hund Porthos leidet an Magen-Darm-Problemen, nachdem Archer ihm erneut (obwohl Phlox es untersagt hatte) Käse zu fressen gegeben hatte. Eben dieses Zusammenspiel und die Zuneigung, die die Menschen für ihre Haustiere entwickeln können, beeindrucken Phlox am meisten. Auch bei einer Filmaufführung nutzt er die Möglichkeit, die anderen Crewmitglieder zu beobachten und zu studieren. Als er darauf Fähnrich Cutler in ihr Quartier begleitet und sie ihm zum Abschied einen Gute-Nacht-Kuss gibt, ist er allerdings mehr als nur erstaunt und natürlich bestrebt, mehr über ihre Absichten zu erfahren.

Am folgenden Tag begegnet die Crew einem fremden Schiff, das ziellos im Raum treibt. Die Technologie befindet sich im Prä-Warp-Stadium und beide Lebenszeichen sind sehr schwach. Die Crew holt das fremde Schiff an Bord und der Doktor untersucht die beiden Unbekannten. Die beiden Astronauten sind bereits ein Jahr unterwegs. Eine schreckliche Krankheit rafft auf ihrem Planeten Millionen Bewohner dahin - sie waren aufgebrochen, fortgeschrittenere Spezies um Hilfe zu bitten. Sowohl auf die Maelin als auch auf die Ferengi seien sie gestoßen, doch hätten beide ihnen nicht helfen können oder wollen. Er bittet Archer um Hilfe, der nach kurzer Absprache mit T'Pol einwilligt, ihn zu seinem Planeten zurückzubringen und mit dem Doktor auf die Suche nach einem Heilmittel zu gehen.

Nach weiteren Untersuchungen an den Fremden, die vom Planeten Valakis stammen, gesellt sich Doktor Phlox ins Kasino, wo er sich beim Essen mit Hoshi Sato in denobulanischer Sprache unterhält. Er trainiert sie bereits längere Zeit und obwohl sie immer wieder ein paar Wörter nachsehen muss, spricht sie die komplizierte Sprache beinahe fließend. Er vertraut ihr auch an, dass er viel Zeit mit Fähnrich Cutler verbringt und der Meinung ist, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlt.

Als die "Enterprise" bei Valakis eintrifft und Archer mit Sato, T'Pol und Phlox auf den Planeten geht, sehen sie, dass die Krankenhäuser völlig überfüllt sind. Jeder dritte Valakianer leidet an der Krankheit. Sie treffen dort aber auch auf eine andere humanoide Spezies: die Menk. Sie leben ebenfalls auf dem Planeten, sprechen eine andere Sprache und aufgrund ihrer geringeren Intelligenz werden sie von den Valakianern für Arbeiten eingestellt: Im Gegenzug erhalten sie Hilfe, Verpflegung und Schutz.

Bei den folgenden Untersuchungen, die Phlox an den Erkrankten vornimmt, gewinnt er immer mehr den Eindruck, dass die Krankheit seine Möglichkeiten und die der "Enterprise" übersteigt. Er bittet Fähnrich Cutler, ihm zu helfen. Da er über ihre Zuneigung zu ihm sehr verwundert ist, sucht er den Rat der einzigen Person, die seiner Meinung nach Erfahrungen mit solchen Beziehungen haben könnte: T'Pol.

Bei einer Zahnbehandlung, deren Notwendigkeit die Vulkanierin anzweifelt, fragt er sie, welche Erfahrungen sie mit Beziehungen verschiedener Spezies gemacht habe. Sie entgegnet ihm, dass die Menschen meist am "Fremdartigen" und "Unbekannten" interessiert seien und Fähnrich Cutlers Zuneigung am ehesten auf ihre Neugier zurückzuführen sei.

Als er zu einer Besprechung mit dem Captain gerufen wird, wird Doktor Phlox gefragt, welche Fortschritte er denn gemacht habe. In der Tat entgegnet ihm Phlox, dass diese Epidemie von keinem Virus verursacht wurde, sondern genetischer Natur sei. Seit Jahrtausenden verschlechtere sich der Zustand der Valakianer, doch in den letzten Generationen habe sich die Krankheit stärker entwickelt. Phlox hat ein Mittel entwickelt, um die Symptome zu lindern, allerdings ist es bei einer solch fortgeschrittenen Mutation schwer, den Prozess wieder umzukehren. Und bei dem derzeitigen Stand der Infektion würden die Valakianer in weniger als zwei Jahrhunderten ausgestorben sein. Eine Möglichkeit auf Heilung der Valakianer sieht Phlox bei den Menk, die er auf Anraten des Captains genauer untersucht.

Zusammen mit Hoshi und Cutler begibt sich der Doktor auf die Oberfläche in eines der Lager, in denen die Menk außerhalb der Stadt leben. Er untersucht sie und entdeckt dabei, dass die Menk langsam die Sprache der Menschen erlernen und sehr wohl außergewöhnlich intelligent sind. In einem Gespräch zwischen Phlox und Cutler wird deutlich, dass Cutler die Menk als Unterdrückte sieht und es nicht versteht, wie man dies einfach als "andere Sitten" akzeptieren kann. Im Gegenzug erklärt ihr Phlox, dass er mit drei Frauen verheiratet sei, von denen jede drei Männer habe. Es sei Brauch auf seinem Planeten und ebenso müsse sie akzeptieren, dass die Gesellschaft auf Valakis so angeordnet ist, wie sie es ist. Zudem spricht er sie auf ihre Zuneigung ihm gegenüber an und zu seiner Überraschung ist sie sehr an seiner Freundschaft interessiert und möchte sich auf mehr nicht festlegen.

Im Krankenhaus trifft Captain Archer auf den Astronauten, den sie aus dem fremden Schiff geborgen hatten. Er erklärt Jonathan, dass sein Volk die Warp-Technologie benötigt, um selbst auf die Suche nach Hilfe gehen zu können, sollte Doktor Phlox ihnen kein Heilmittel herstellen können. Ohne eine konkrete Antwort verlässt er den Valakianer und begibt sich zu dem restlichen Außenteam, um auf die "Enterprise" zurückzukehren.

Dort unterhält er sich mit T'Pol, um die schwere Entscheidung zu besprechen, die ihm nun auferlegt wurde. Sie ist verständlicherweise dagegen, den Fremden die Warp-Technologie zu überlassen. Nicht nur, dass sie den Umgang mit Anti-Materie erst in einem langen Prozess erlernen müssten, auch bei eventuellen Problemen müssten die Menschen sie unterstützen. Auf Archers Frage, ob die Menschen nicht eine Weile auf dem Planeten bleiben könnten, um ihnen zu helfen, entgegnet T'Pol, dass die Vulkanier von über 90 Jahren auf die Erde kamen, um zu helfen - und heute seien sie immer noch dort. Und zum ersten Mal versteht Archer, wie sich die Vulkanier gefühlt haben müssen, als sie auf die Erde kamen.

Nach zahlreichen Untersuchungen, die Doktor Phlox an den Proben der Menk und der Valakianer vorgenommen hat, begibt er sich ins Kasino - es ist Nacht, doch er ist nicht allein: Captain Archer sitzt allein vor dem Panorama, das Valakia und die Schwärze des Alls zeigt. Nachdenklich beginnen sie ein Gespräch, in dem Phlox Archer offenbart, dass er sich in einem ethischen Dilemma befindet. Die Menk besitzen das Potential, die dominante Spezies auf dem Planeten zu werden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Valakianer nicht mehr existieren. Würden sie ihnen ein Heilmittel geben, würden sie in einen evolutionären Prozess eingreifen, der die Menk zur Untertänigkeit verdammen könnte. Das könnte in Tausend Jahren sein oder viel später. Archer möchte es sich nicht anmaßen, zu entscheiden, welche Spezies überleben darf und welche nicht. Sein einziges Interesse momentan gelte den Valakianern und dem Heilmittel und vor allem, ob es Phlox gelingen würde, eines zu entwickeln. Daraufhin entgegnet ihm Phlox, dass er bereits eines gefunden habe.

Tags darauf möchte Captain Archer auf den Planeten zurückkehren und begibt sich zuerst auf die Krankenstation, wo ihm Phlox rät, seine Entscheidung nochmals zu überdenken. Die ganze Nacht habe Archer überlegt und möglicherweise würde die Föderation eines Tages mit einer Richtlinie für solche Situationen aufkommen, einer Direktive, wie die Föderation vorgehen darf, was erlaubt ist und was nicht - da diese Direktive noch nicht existiere, müsse er nun entgegen all seinem Glauben handeln.

Auf dem Planeten angekommen, überreicht Archer dem Arzt der Fremden Medikamente, die die Symptome der Krankheit lindern und genaue Anleitungen, mehr von dem Medikament herzustellen; ein Heilmittel hat er für die Valakianer nicht. Auf ihre Frage hin, ob sie von der "Enterprise" die Warp-Technologie erhalten können, muss Archer scheren Herzens ablehnen.

Auf der "Enterprise" beendet Phlox seinen Brief an Doktor Lukas, wobei er sagt, dass er Jonathan Archer beinahe die falsche Entscheidung zugetraut hätte und dabei wäre er nicht besser gewesen als die Vulkanier, die die Menschen Jahrzehnte lang auf der Erde gehalten hätten. Er übergibt den Brief an Hoshi, die verspricht, ihn am nächsten Morgen abzuschicken.

Etwas verlassen ruft er Fähnrich Cutler, um sich mit ihr im Kasino zu treffen - ein Freund wäre genau das richtige, was er im Moment bräuchte. Sie sagt ihm zu und nachdem er seinen Tieren eine gute Nacht gewünscht hat, verlässt Phlox die Krankenstation im Dunkeln, so wie er sie vor einigen Tagen vorgefunden hat.

Kritik

Meine Kritiken der letzten "Enterprise"-Episoden wurden von den Fans, welche die Folgen bereits gesehen haben, mit geteilten Meinungen aufgenommen. Viele waren der Meinung, die Kritik sei zu positiv und würde den Folgen nicht kritisch genug gegenüberstehen. Dies wird auch bei "Lieber Doktor" manchen Lesern so vorkommen. Allerdings möchte ich die Episoden als das sehen, was sie sind: Eine inhaltlich starke Folge ohne Action oder einen weiten Spannungsbogen kann man schon von der Machart und der Veranlagung her nicht mit einer tempo- und actionreichen Episode wie "Der kalte Krieg" vergleichen.

"Lieber Doktor" ist nicht sehr spannend - aber auch nie langweilig. Die Episode fesselt mit einer sehr intelligenten Geschichte, die den Zuschauer auffordert, mitzudenken. Das Dilemma, in dem sich der Captain befindet, wird spürbar und der mutige Schluss hebt die Episode über alle Vergleiche mit ähnlich angelegten Folgen aus anderen "Star Trek"-Serien hinweg: Eine ruhige, ernsthafte Episode wird nicht mit einem gehetzten und überflüssigen Action-Finale zerstört, nein, sie klingt bedenklich aus - mit einem Gefühl der Unsicherheit, ob die getroffene Entscheidung die richtige war.

Bereits bei der Eröffnungsszene wird deutlich, wer im Mittelpunkt der Episode stehen wird: Doktor Phlox, der etwas einsame Denobulaner, der mit seiner Offenherzigkeit viele Sympathien für sich gewinnen konnte. Umso erstaunlicher, dass er die Hauptfigur in einer sehr ernsten Episode ist und er in einen Gewissenskonflikt gerät, bei dem viele andere Ärzte auch anders gehandelt hätten.

Von seinen kleinen Haustieren, die er sich auf der Krankenstation hält, war bisher nicht viel zu sehen und obwohl er diesmal wohl alle gefüttert hat, bekommt der Zuschauer immer noch nichts zu Gesicht, um das Aussehen der seltsamen Tiere erahnen zu können. Zum Schmunzeln ist die Szene alle Mal, vor allem, als sich der Doktor den Snack selbst gönnt, dürften die meisten amüsiert aufgeschaut haben.

Während des Rests der Episode immer wieder Teile seines Briefes an Doktor Lucas einzustreuen, ist kein neues Stilmittel, verrät jedoch viel über die Gedankenwelt des Schreibers und ist aus eben diesem Grund ein intelligenter Einfall, dem Zuschauer mehr über den Charakter zu erzählen. Es wird viel über die Hintergründe von Phlox und seiner Spezies deutlich: die umständlichen Paarungsriten, sein hauptsächlich routinierter Alltag und seine enger werdende Beziehung mit Fähnrich Cutler, die bereits in "Geistergeschichten" einen Auftritt hatte. Auch dass es ihm schwer fällt, Freundschaften zu knüpfen, obwohl er sich sichtlich Mühe gibt, macht den etwas korpulenten Arzt sehr sympathisch. Immerhin ist er der erste Arzt auf einem Sternenflottenschiff und dann auch noch ein Außerirdischer.

Denobulaner mögen es nicht, berührt zu werden - was für einen Arzt eher eine hinderliche Eigenschaft ist. Sie benötigen sehr wenig Schlaf, dafür fallen sie für 6 Tage im Jahr in eine Art Winterschlaf.

Auch, dass sie früher selbst über eine Art Kino verfügten, dies jedoch eingestellt wurde, als die Denobulaner merkten, dass das richtige Leben interessanter sei - all das sind Informationen, die zum Gesamtbild des etwas seltsamen Arztes beitragen.

Die Szene mit Archers Hund trägt wieder deutlich zur Kontinuität bei - nicht nur, dass der kleine Pelzträger viele Sympathien weckt, auch Archers Beziehung zu ihm wird dadurch deutlicher. Der Captain füttert seinem Hund Käse? Welcher Zuschauer muss da nicht schmunzeln oder lachen?

Die Kinovorführung ist ein weiterer Beweis für die Verbundenheit zu unserer Zeit: Bei den anderen "Star Trek"-Serien meist gemieden, zeigt es doch, dass die Freizeit nicht mit einem Holodeckbesuch ausgefüllt werden kann - und solche gesellschaftlichen Zusammenkünfte schweißen auch die Crew zusammen.

Als am nächsten Tag das fremde Schiff gefunden wird, geht die Geschichte in eine etwas andere Richtung: Auch beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Fremden wird die junge Technologie bei "Enterprise" wieder deutlich, erst nach mehreren Versuchen gelingt es, den universalen Übersetzer auf die Sprache der Fremden einzustellen. Die "Enterprise" wird zu Hilfe gerufen und da Captain Archer darum bemüht ist, anderen zu helfen, eilt er auch den Valakianern zu Hilfe.

Phlox' Essen mit Hoshi bringt dem Zuschauer beide Charaktere etwas näher: Hoshi, die sich vom stillen Mauerblümchen zur gern gesehenen Freundin gewandelt hat und der ansonsten offene Arzt, der in Liebesdingen einen Rat einholen muss. Die Szene mit Untertiteln zu gestalten, ist dagegen wieder ein sehr mutiger Einfall, vor allem, die Untertitel zwei Minuten lang einzublenden, war sehr ungewöhnlich und verlieh der Szene ihren besonderen Humor.

Interessant ist ebenfalls, dass eine neue Sprache für die Serie entwickelt wurde. Insgesamt bekommt der Zuschauer drei Fremdsprachen zu hören, wobei sich diejenige der Menk und der Valakianer verständlicherweise ähnlich anhört.

Die Situation auf dem Planeten mit der Epidemie zusätzlich noch zu verschärfen mit dem anscheinend unterdrückten Volk, den Menk, war ebenfalls ein guter Einfall, der die Problematik auf Dauer in ein ganz anderes Licht rückt. Einem Volk zu helfen, das an einer Krankheit leidet, ist eine Sache - wenn dieses Volk von der Natur zum Untergang verurteilt ist, damit ein anderes sich weiterentwickeln kann, was dann?

Captain Archer wird in eine Situation gebracht, die er so nie hätte erahnen können. Und auch Phlox muss sich zu mehreren Entscheidungen durchringen: Sollte er es Archer sagen? Muss er die Entscheidung, die Archer trifft, mitverantworten?

Einerseits besitzt er die moralische Verpflichtung, anderen zu helfen, andererseits muss er als Wissenschaftler auch einsehen, dass er die Geschicke eines Volkes nicht beeinflussen kann, ohne ein anderes gleichermaßen zu beeinflussen.

Der Zuschauer soll sich dieselbe Frage stellen, die wohl jeder für sich beantworten muss. Wer würde entscheiden, welche Spezies überleben darf? Nach welchen Gesichtspunkten würde man urteilen? Sollte man der Natur ihren Lauf lassen und wegsehen?

Um das Geschehen nicht so ernst zu gestalten, werden Szenen wie T'Pols Zahnuntersuchung eingestreut, die anscheinend nichts mit dem Rest der Episode zu tun haben. Aber hier wird auf ein anderes Problem von Phlox eingegangen: seine Beziehung zu Elizabeth Cutler. T'Pol lebt schon lange unter Menschen und rät Phlox zur Vorsicht. Ihre pragmatische Sicht der Dinge verwundert den Denobulaner. Obwohl sie doch beide "allein" auf der "Enterprise" sind und sich deshalb besonders gut verstehen müssten, sind sie doch sehr verschieden. Und vielleicht fragen sie sich gerade deshalb häufiger um Rat.

Als wäre die Situation für Archer und Phlox nicht schon kompliziert genug, fragen die Fremden auch nach dem Warp-Antrieb. Die Erste Direktive existiert noch nicht und es liegt an Archer, hier ein Exempel zu statuieren. Was, wenn bei der Verarbeitung der Anti-Materie ein Fehler unterläuft und ein Unglück geschieht? Oder sollten die Menschen gar auf Valakia bleiben und den Einwohnern helfen?

Die Vulkanier standen vor derselben Frage und zum ersten Mal versteht Archer, wie es ihnen ergangen sein muss. Er steht nur auf der anderen Seite des Spiegels und sieht sich und die Vergangenheit seines Volkes gänzlich anders als vor dieser Mission. Es scheint fast, als habe er sich mit seinem Vorhaben, den anderen zu helfen, übernommen.

Für den Zuschauer allerdings ebenso interessant ist die Frage, wie in unserer Zeit mit der Problematik umgegangen werden soll?

Allzu leicht wird in Entwicklungsland und Industriestaat unterteilt - sollten die fortgeschritteneren Wirtschaftsländer den weniger weit entwickelten denn auf diese Weise helfen? Das Thema ist aktuell wie nie und versetzt den Zuschauer in die Lage, die Dinge wie manche Politiker zu sehen.

Darf man eingreifen? Soll und muss man eingreifen? Darf man Menschen mit Fortschritt überrennen und ihnen alle Technologie anbieten? Sollte man bleiben und ihnen helfen oder werden sie dann von einem abhängig?

Was auf den ersten Blick wie eine einfache Frage aussieht, entpuppt sich für die Figuren der Episode und den Zuschauer im Angesicht des täglichen Weltgeschehens als ein äußerst schwieriges Dilemma.

Ein Dilemma, das auch heute von vielen Leuten gelöst werden muss.

Eine weitere Problematik, auf die die Episode eingeht, wird bei dem Gespräch zwischen Phlox und Cutler deutlich: Was auf den ersten Blick aussieht wie eine unterdrückte Rasse, muss nicht gleich eine Versklavung sein. Die Gesellschaft hat sich auf diesem Planeten so entwickelt, es wäre falsch, Fremden die eigenen Ideale aufzuzwingen - andere Länder/Planeten, andere Sitten.

Angesichts der Nachwirkung des 11. September 2001 hat diese Thematik sicher einen bitteren Nachgeschmack, doch soll sicher nicht auf die offensichtliche Unterdrückung anderer hingewiesen werden, als vielmehr auf die Tatsache, dass jede Kultur ihre Unterschiede besitzt und gerade diese die Kultur zu etwas Einzigartigem machen.

Archers letztendliche Entscheidung ist wohl die mutigste, die bisher in dieser Beziehung in "Star Trek" zu sehen war. Andere Captains aus den Serien hätten sehr wahrscheinlich anders gehandelt. Der Captain lässt der Natur ihren Lauf, er gibt den Valakianern die Möglichkeit, sich selbst zu helfen, kann jedoch nicht entscheiden, welche Spezies überleben soll.

Was auf den ersten Blick grausam und kaltherzig klingt, ist wohl die einzig richtige Entscheidung - wer darf wählen, welche Rasse überleben darf? Derjenige, der die Macht dazu hat?

Die Befürchtung, die Episode würde ein actiongeladenes Finale bekommen, in dem sich die Valakianer gegen die Entscheidung wehren und die "Enterprise" fliehen muss, erfüllte sich glücklicherweise nicht. Und eben das hebt die Episode über ähnlich veranlagte hinaus.

Die Folge mit dem Abschluss des Briefes enden zu lassen, fügt sich nahtlos in das Konzept der Episode ein: "Doctor's Day" wäre ebenfalls ein passender Titel gewesen. Denn obwohl die Episode ähnlich aufhört, wie sie begonnen hat, sieht der Zuschauer den Doktor nun auf jeden Fall in einem ganz anderen Licht als vorher.

Fazit

"Lieber Doktor" ist inhaltlich wie schauspielerisch eine der stärksten Folgen bisher. Das Dilemma, in dem sich der Doktor, die Crew und vor allem der Captain befinden, wird sehr deutlich und der mutige Schluss hebt die Episode auch über viele "Voyager"- und "Deep Space Nine"-Folgen dieser Art.

Um das Geschehen etwas "heller" zu gestalten, dienen Szenen mit T'Pol und ihrem Zahnproblem oder die Nebenhandlung mit Fähnrich Cutler, die jedoch auch eine weitere Problematik verdeutlicht. Auf den ersten Blick mögen diese Handlungen fehl platziert wirken, doch sie gehören ebenso zum Alltag eines Arztes an Bord der "Enterprise" wie der Rest.

Als das, was die Episode ist - eine inhaltlich hervorragende, schauspielerisch fordernde Folge, die den Zuschauer zum Mitdenken auffordert und ein sehr komplexes und schwieriges Thema besitzt - ist sie nicht besser zu machen, daher:

Note: 1

Inhalt von Alexander Dennebaum (ad), Kritik von Jens Adrian (ja); aktualisiert am 07.04.2005 [12618 Aufrufe; 0 Kommentare]


Copyright