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Episodeninhalt

Allein

Titelgrafik zur Episode

Vorherige Episode:
Im Schatten von P'Jem
Nächste Episode:
Verschmelzung
Originaltitel:
"Shuttlepod One"
Regie:
David Livingston
Story:
Rick Berman und Brannon Braga
Drehbuch:
Rick Berman und Brannon Braga
Gaststars:
keine

Erstausstrahlung in Deutschland:
04.07.2003
Erstausstrahlung in den USA:
13.02.2002

Inhalt

Commander Tucker und Lieutenant Reed sind in "Allein" in einem Asteroidenfeld unterwegs, um nach zahlreichen Tests die "Enterprise" zu treffen. Sie sind drei Tage vor dem Zeitplan wieder zurück. Da die Kommunikation und die Sensoren stark beschädigt wurden, haben sie ihre Mission abgebrochen und müssen sprichwörtlich Ausschau halten, ob sie die "Enterprise" sehen.

Tucker kann sich nicht erklären, wieso die Systeme, inklusive dem Warp-Antrieb, ausgefallen sind und möchte die Reparaturen am liebsten selbst durchgeführt haben, ehe er seine Ingenieurscrew darauf ansetzt. Reed nimmt in der Zwischenzeit ein Buch zur Hand, was Charlie Tucker wiederum nicht verstehen kann. Das Gespräch wird jäh unterbrochen, als sie auf einem vorbeitreibenden Asteroiden Trümmer der "Enterprise" entdecken.

Captain Archer wird von Hoshi in seinem Bereitschaftsraum aufgesucht. Sie berichtet ihm, dass Doktor Phlox sich der überlebenden Außerirdischen angenommen hat. Hoshi hat ihre Sprache erlernt und herausgefunden, dass sie sich nicht erklären konnten, wie das Unglück entstanden ist. Archer erkundigt sich bei Mayweather, wann sie bei dem Planeten eintreffen, um die plötzlichen Gäste abzusetzen. Er möchte rechtzeitig wieder bei dem Asteroidenfeld eintreffen, um "Trip" und Reed abzuholen. Zudem möchte er sich den Schaden an der "Enterprise" ansehen, wofür Travis unter Warp gehen soll.

Zusammen mit T'Pol macht sich Archer in einem Shuttle auf, das zerstörte Shuttle-Tor zu untersuchen. Ein riesiger Riss ist zu sehen. Lieutenant Hess, die in "Trip"s Abwesendheit für den Maschinenraum verantwortlich ist, soll sich überdies daran machen, ein neues Tor für die Shuttlerampe herzustellen. Die Sensoren verraten T'Pol, dass mikroskopisch kleine Schwarze Löcher für den Schaden an dem fremden Schiff verantwortlich sein könnten. Archer entgegnet ihr, dass die Existenz dieser Singularitäten nie bewiesen worden sei und die Vulkanier sie gerne als Grund für alles Übel darstellen würden.

Tucker und Reed werden sich indes ihrer Lage langsam bewusst. Sie sind der Meinung, die "Enterprise" wurde zerstört und alle Personen an Bord getötet. Ohne Sensoren oder Kommunikation haben sie keine Möglichkeit, Überlebende auszumachen. Ihr eigenes Notsignal funktioniert nicht und ein tragbares, welches jedem Außenteam in einem speziellen Kit mitgegeben wird, reicht nicht weit genug, um irgendwelche Schiffe auf sie aufmerksam werden zu lassen. Sie besitzen noch Luft für 10 weitere Tage und Tucker weist Reed an, Kurs auf "Echo Drei" zu setzen. Dieser sträubt sich dagegen, er sieht keinen Sinn darin, das Unausweichliche hinaus zu schieben. Sie bräuchten Wochen, vielleicht Monate, bis sie bei der Boje ankommen würden. Erst als Tucker seinen Rang geltend macht, gibt Reed nach und nach einem letzten Flug über die Unglücksstelle treten sie ihre hoffnungslose Reise an.

Malcolm Reed macht sich wenig später daran, seinen letzten Willen, Wünsche und Gedanken als Logbuch aufzuzeichnen. Tucker kann seinen Pessimismus nicht verstehen, er versucht weiterhin, die Sensoren wieder funktionstüchtig zu machen. Er will nicht aufgeben und die verbliebenen neun Tage so gut wie möglich nutzen. Auf Reeds Vorschlag bereiten sie eine der Notrationen für sich zu und entdecken dabei eine Flasche Bourbon, die der Captain eigentlich für einen besonderen Anlass aufgehoben hatte.

Wenig später hat Tucker alle Mühe, Schlaf zu finden, da Reed weiterhin Briefe für seine Familie und ehemaligen Freundinnen aufnimmt. Nach einer kurzen Diskussion schält Tucker das Terminal, an dem Reed gearbeitet hat, ab und weist ihn an, ein wenig zu schlafen.

In einem Traum befindet sich Malcolm wieder an Bord der "Enterprise". Der Captain lobt ihn für seine heroische Tat, die ihm und Commander Tucker das Leben gerettet hat. Als der Doktor und Archer die Krankenstation verlassen haben, nähert sich T'Pol Reed und gesteht ihm, dass seine selbstlose Tat sie derart beeindruckt hat, dass sie ihn nie wieder ignorieren werde und sich ihrer Zuneigung ihm gegenüber bewusst wurde. Sie ist gerade dabei, ihn zu küssen, als ihn ein Geräusch aus seinem Schlaf reißt. Tucker gelang es, den Empfänger zu reparieren, so sind sie in der Lage, Mitteilungen zu empfangen, auch wenn sie keine senden können.

Ohne Vorwarnung wird das Shuttle hin und hergerissen, ein Alarm ertönt - das Shuttle verliert Sauerstoff. Sie können das Leck nicht finden, daher flutet Tucker die Kabine mit Kühlmittel - der entstandene Rauch ermöglicht es, die Lecks zu finden. Zwei kleine Löcher sind entstanden, die sie notdürftig mit einem Rest von Tuckers Mahlzeit abdichten können. Der Schaden ist doch beträchtlich, da ein O2-Filter getroffen wurde, bleibt den beiden Luft für weniger als zwei Tage.

Kurz danach lenkt ihr Gespräch auf Tuckers Familienpläne, er hatte sich auf der Akademie in eine Kellnerin verliebt, mit der, wie Reed gestehen muss, auch er eine kurze Beziehung gehabt hat. Sie erkennen, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie dachten.

Tucker macht den Vorschlag, die Umweltkontrollen zu reduzieren, so wäre es im Shuttle zwar eiskalt, dafür könnten sie die Energie dem verbliebenen O2-Filter zukommen lassen und noch einige Stunden gut machen.

Als Reed jedoch beginnt, sich zu rasieren, da er sich darüber Gedanken gemacht hat, wie ihre Körper wohl aussehen würden, wenn sie gefunden werden, kann Tucker nur den Kopf schütteln. Er fragt Reed, ob er sich an den Biologieunterricht erinnere und nach dem, was er gelernt hat, würden Haare und Nägel auch nach dem Tod weiterwachsen - Malcolms Rasur wäre darum völlig nutzlos. Als er versteht, worauf Charlie Tucker hinauswill, hält Malcolm kurz inne und hört dann resigniert auf.

Auf der "Enterprise" berichtet T'Pol dem Captain, dass in der Tat Mikro-Singularitäten für den Zwischenfall mit dem fremden Schiff verantwortlich waren. Drei von ihnen trafen auch die "Enterprise", allerdings, ohne Schaden zu hinterlassen. Sub-Commander T'Pol ist beinahe schon aufgeregt über die sensationelle Entdeckung - die Sorge des Captains gilt jedoch "Trip" und Malcolm. Sollten auch sie auf solche Schwarze Löcher treffen, könnten sie in ernste Schwierigkeiten geraten.

Wieder nimmt Malcolm einige Briefe für seine Hinterbliebenen auf. Die Temperatur ist im Shuttle unter 0 Grad gefallen - die Fenster und Konsolen sind schon leicht beschlagen. Als Reed einen weiteren Brief anfängt, unterbricht Tucker ihn harsch. Charlie denkt an Hoshi und Travis, er wusste nicht mal ihr genaues Alter. Es sei ebenso wichtig, dass man sich an sie erinnert - doch auf Reeds Vorschlag, ebenfalls Briefe aufzunehmen, entgegnet Tucker, dass er es den Angehörigen lieber persönlich sagen möchte. Aufgebracht über "Trip"s Optimismus, macht Reed ihm klar, dass er lediglich ihr Schicksal erkannt und akzeptiert hat. Tucker sieht den Moment gekommen, die Flasche Bourbon zu öffnen und bietet Reed ein Glas an. Widerwillig nimmt er an.

Tucker funktioniert einen Ausrüstungsgegenstand zur Kerze um, auf Reeds Frage hin, wofür die Kerze gut sei, gesteht er, dass sie Tuckers Meinung nach zur Atmosphäre passen würde. Die paar Minuten, die sie dadurch früher sterben würden, würde er riskieren. Und nach allem, was Reed gesagt hatte, war Tucker der Meinung, dass es für ihn nicht schnell genug gehen könne.

Reed ist enttäuscht und überrascht über die Art und Weise, wie Tucker ihn sieht. Er erklärt, dass er auf diesem Schiff alle Personen verloren hatte, für die er je was empfunden hatte. Er konnte zu seiner Familie und seinen anderen Freundinnen nie eine echte Beziehung aufbauen. Doch mit der "Enterprise"-Crew war es anders. Gerade, als er sich bei ihr wohlfühlte, wurde sie ihm genommen. Nach diesem "Geständnis" löscht "Trip" die Kerze wieder - ein paar Minuten mehr hört sich nun besser an als vorhin.

Wenig später sitzen sie, angetrunken und in Decken gehüllt, nebeneinander. Reed fragt Tucker, was er denn von T'Pol hält - Charlie glaubt erst, er habe sich verhört, aber Malcolm sieht sie ebenso als Frau als auch als Vulkanierin. Und überdies findet er sie ausgesprochen attraktiv. Ungläubig stoßen sie auf die Wissenschaftsoffizierin an, als durch den Empfänger eine Nachricht von Hoshi eintrifft. Die Freude hält sich allerdings in Grenzen, als Hoshi in ihrer Meldung erklärt, dass sie weitere zwei Tage benötigen werden, um zum Shuttle zu kommen.

Tucker und Reed haben jedoch Luft für weniger als eineinhalb Tage übrig und keine Möglichkeit, die "Enterprise" zu kontaktieren. Da T'Pol das Shuttle jedoch mit den Sensoren erkennen müsste, macht Malcolm den Vorschlag, den Antrieb abzustoßen und zur Explosion zu bringen. Dies dürfte die Aufmerksamkeit der "Enterprise" auf sie lenken. "Trip" ist Anfangs dagegen, immerhin ist er Ingenieur, wieso sollte er seine eigene Arbeit vernichten? Da sie jedoch keine Alternative haben, willigt er ein.

Nachdem sie den Plan durchgeführt und den Antrieb zur Explosion gebracht haben, treiben sie im All. Die Temperatur im Shuttle ist weiter gefallen, Tucker kann kaum mehr seine Beine bewegen. Sie haben noch atembare Luft für 10 Stunden, daher kommt Charlie auf die Idee, dass eine Person immerhin 20 Stunden Luft übrig hätte. Daher möchte er sich in die Luftschleuse des Shuttles begeben und hinaus ins All blasen lassen. Malcolm will das nicht zulassen und nimmt sogar einen Phaser, um Tucker zu zwingen, wieder herunter zu kommen. Es würde keinen Helden benötigen, um so etwas zu tun.

Als Tucker erkennt, dass Malcolm ihn nicht aufgeben will, entscheiden sie, an die Chance zu glauben, dass die "Enterprise" die Explosion gesehen und ihre Geschwindigkeit erhöht hat.

Auf der Krankenstation erwacht Malcolm - die "Enterprise" hat sie gefunden. Beide sind außer Lebensgefahr, Tucker jedoch immer noch ohne Bewusstsein.

Als Doktor Phlox und der Captain gegangen sind, erfüllt sich Reeds Vision von T'Pol leider nicht. Nachdem die Lichter gelöscht sind, wünscht Tucker seinem gewonnenen Freund einen guten Schlaf. Vielleicht darf auch er ihn in Zukunft "Trip" nennen, wie es seine anderen Freunde bereits tun.

Kritik

In jeder "Star Trek"-Serie gab es bestimmte Episoden, in denen bestimmte Darsteller ihr ganzes Können unter Beweis stellen durften - und wenn Dominic Keating in einem Interview sagt, dass dies mit seine beste Arbeit sei, dann darf er das mit Fug und Recht behaupten.

Die Darsteller in "Allein" sind schlichtweg atemberaubend. Der impulsive und offene Charlie Tucker ist ein angemessener Gegenpol zum ansonsten reservierten Malcolm Reed. Dass diese Mischung in einer so aussichtslosen Situation genug Zündstoff für Reibereien bieten würde, war klar.

Unklar war indes, ob es der Episode gelänge, mit zwei Hauptcharakteren, die sich nicht groß bewegen konnten, 45 Minuten so zu füllen, dass der Zuschauer das Interesse nicht verliert. Eines vorweg: Trotz des eingeschränkten Handlungsspielraums der Charaktere ist die Episode extrem kurzweilig. Langeweile kommt nie auf und wer sich auf die Darsteller einlässt, wird auch nicht enttäuscht werden.

Mit der Eröffnungsszene wird der Zuschauer inmitten eines gegebenen Szenarios geworfen, was für "Star Trek"-Verhältnisse eher ungewöhnlich ist. Vieles ist bereits geschehen und der Zuschauer muss sich die vergangenen Ereignisse durch die geführten Gespräche selbst erschließen. Für diejenigen, die von der ersten Minute an dabei waren, ist das nicht weiter schlimm - Aufmerksamkeit vorausgesetzt - wer allerdings erst nach den ersten 10 Minuten einschaltet, wird arge Probleme haben, dem Geschehen zu folgen. Das soll keine Kritik sein, vielmehr eine Anerkennung des gestiegenen Anspruchs der Serie. "Star Trek" hat sich bisher immer an ein reiferes Publikum gerichtet, das durchaus in der Lage war, mitzudenken, ja, die Serien haben dazu sogar aufgefordert. "Enterprise" tut dies auch und geht dazu noch einen Schritt weiter: zwei Personen in einem Shuttle auf sich allein gestellt. Sie machen über dreiviertel der Szenen in der Episode aus und müssen allein durch ihre Darbietung und die geführten Dialoge den Zuschauer fesseln.

Dabei verfolgt die Episode einen anderen Ansatz, als man anfangs erwarten würde. Dass die "Enterprise" nicht dauerhaft zerstört sein kann, war jedem Zuschauer klar. Die Frage war nur: Werden sie es mit einer temporalen Anomalie lösen? Oder einem anderen technischen Trick? Die Antwort auf diese Frage wurde schon sehr früh gegeben, nach dem Vorspann, in der Szene, in welcher Hoshi sich mit Archer unterhält und den Zwischenfall der Fremden durchspricht. Manch ein Zuschauer mag nun denken, dass dadurch die Spannung aus dem Szenario genommen wurde, da man als Zuseher bereits weiß, was geschehen ist. Allerdings verstärkt es das Gefühl der Hoffnungslosigkeit der beiden "Gestrandeten" und die Tatsache, dass alles, was sie tun, völlig umsonst ist. Ihre Trauer und wie sie sich in ihr Schicksal ergeben, scheint umso tragischer und sinnloser.

Sicher erinnert das Szenario frappierend an "Apollo 13" oder "Cast Away", doch so eine Geschichte in 45 Minuten zu erzählen, ist eine Herausforderung, die die Produzenten gut gemeistert haben.

Leider nicht sehr gut, denn Kleinigkeiten verhindern eine absolute Bestnote: Die Traumsequenz mit T'Pol ist zwar eine nette Idee, wie die meisten Traumszenen aber zu lang und an sich völlig überflüssig. Die Tatsache, dass Malcolm Reed an Frauen interessiert ist, wurde bereits durch seine Briefe, die er diktiert, deutlich. Es scheint, als haben die Autoren das überhaupt nur eingebaut, um den Charakter endgültig auf eine Seite des Geschlechts festzulegen. Anders hätte der Zuschauer wirklich einen falschen Eindruck bekommen können: Bis auf eine ehemals angesprochene Bekanntschaft hatte man Lieutenant Reed niemals allein in weiblicher Begleitung gesehen und seine reservierte, zugeknöpfte Erscheinung hätte durchaus Raum für Spekulationen bieten können. Seine Frauenbekanntschaften zwei Mal und dann noch die Phantasien von T'Pol zu erwähnen, waren dann allerdings etwas zu viel.

Diese Schwächen werden allerdings durch die vielen hervorragenden Ideen in der Episode wieder aufgewogen. In "Allein" bekam der Zuschauer ein sehr plastisches Gefühl vermittelt, wie eng und beklemmend die Shuttles zu den Zeiten von Captain Archer und seiner Crew sein müssen: Reed und Tucker können nicht einmal aufrecht stehen. Auch der Einfall, die Lecks mit Hilfe des Nitrogen-Nebels zu entdecken, war ausgezeichnet. Hier wurde eine sehr praktische Lösung für ein praktisches Problem gefunden. Es wurden keine Tricorder oder ähnliche Instrumente benutzt. Ein erneutes Zeichen dafür, dass die Charaktere viel eher wie wir heutigen Menschen denken und nicht die kompliziertesten Lösungen für die einfachsten Probleme suchen, wie es beispielsweise bei "Das nächste Jahrhundert" oder "Deep Space Nine" der Fall ist.

Ebenfalls toll anzusehen ist, wie beide erkennen, dass sie in dieselbe Frau verliebt waren. Das verbindet sie einerseits, doch dafür, dass sie sich bisher nicht recht gekannt haben, ist diese Erkenntnis aber zu viel und wirkt beinahe wieder entfremdend. Nach der Episode würden sie sicherlich anders zu ihrer gemeinsamen Bekanntschaft stehen und sich dadurch eher verbunden fühlen.

Was viele ausländischen "Star Trek"-Fans dagegen vor den Kopf stoßen wird, sind die an sich witzigen Kommentare am Anfang der Episode. Als Malcolm Reed erklärt, die Vulkanier wären den Menschen freundlicher gegenüber gestanden, hätte sie ein Europäer statt einem Amerikaner empfangen, ist das noch amüsant. Tuckers Antwort, dass immerhin die Amerikaner den Warpflug erfunden hatten, zerstört den Moment beinahe. Zwar erklärt er nicht eindeutig, dass es allein den Amerikanern zu verdanken ist, aber immerhin ist Cochrane aus Montana gekommen. Wer das wiederum auf die heutige Zeit überträgt, wird sehen, wieviel des Erfolges der Erkundung des Weltraums die Amerikaner sich zuschreiben. Damit geben die Autoren den Kritikern Nahrung, die bereits zuvor bemängelten, wie sehr die Menschen im Mittelpunkt von "Enterprise" stünden und nicht die allgemeine "Star Trek"-Philosophie, dass alle Wesen aller Rassen und aller Planeten gleich berechtigt seien.

Dass Archer T'Pol wenig später bei ihrer Entdeckung der mikroskopischen Schwarzen Löchern keinen Glauben schenkt, ist erneut ein Indiz dafür. Die Vulkanier können gar nicht Recht haben, immerhin sind sie keine Menschen. Dass er später seinen Fehler eingestehen muss, macht seine Haltung halbwegs wieder wett, eine Entschuldigung gegenüber seinem Wissenschaftsoffizier hätte aber sicher nicht geschadet.

Sehr interessant war zu sehen, wie die beiden Charaktere angesichts ihres nahenden Endes reagieren. Während Malcolm Reed sich öffnet und in seiner Trauer beinahe versinkt, bleibt der sonst so offene und impulsive Charlie Tucker reserviert. Kein Wort der Bestürzung, keine Melancholie. Einzig die Wut auf seine Unfähigkeit, dem Geschehen entgegen zu wirken, ist zu erkennen.

Dies entwickelt beide Charaktere weiter, wobei vor allem Lieutenant Reeds Entwicklung erstaunlich ist. Da seine Person bisher nicht viel Emotionen in der Serie zeigen durfte, war die Gefahr groß, dass seine Glaubwürdigkeit unter dem Druck leiden könnte, ja, dass er einfach zu viel von sich zeigt. Dank der tollen Darbietung war dies nicht der Fall. Malcolm Reed scheint weiterhin reserviert, wenn auch für den Zuschauer nicht mehr so sehr, wie vor der Folge.

Charlie Tuckers Haltung ist für den Zuschauer dabei eher unverständlich. Es kümmert ihn am meisten, dass er seinen Schlaf bekommt, nachdem seine Freunde gestorben sind? Ein kurzer Dialog, dass er das Geschehene einfach nicht akzeptieren kann, hätte seine Haltung sicherlich verständlicher und sympathischer gemacht.

Dass die Schauspieler bis an ihre Grenzen geführt wurden, ist überdies buchstäblich sichtbar: Der sichtbare Atem in der eiskalten Shuttle-Kapsel, der Reif, und das Eis, das sich auf den Instrumenten niederlegt. Es wirkt natürlich und glaubhaft. Auch, dass Charlie Tucker mit seinen Fäusten auf seine Beine klopfen muss, um sie wieder etwas bewegen zu können, verstärkt den Eindruck.

Zu der bedrückenden Atmosphäre trägt sicherlich auch die angenehm zurückhaltende Musik bei, deren leise Klaviereinspielungen perfekt mit den Darstellern harmonieren.

Es scheint, als wäre "Allein" das Opfer einer allgemeinen Krankheit im Filmbusiness geworden. Anstatt das Drehbuch, das von den Erschaffern der Serie, Rick Berman und Brannon Braga stammt, nochmals überarbeiten und Korrektur lesen zu lassen, wurde es sofort an das Produktionsteam weiter gegeben. Womöglich hätte ein Lektor die Schwachstellen entdeckt und die Mängel beseitigen können. So steht eine überraschungsfreie Episode, die einige offensichtliche Fehler und Ungereimtheiten besitzt den grandiosen Darstellern gegenüber. Diese sind zwar am Drehbuch nicht schuld, ohne es hängt ihre Darbietung aber zusehends in der Luft.

Fazit

"Allein" ist ohne Zweifel eine "Apollo 13"-Geschichte, die so bei "Star Trek" noch nicht zu sehen war. Getragen von den hervorragenden Darstellern ist sie sicherlich eine imposante und auf Grund ihrer Ruhe sehr dramatische Episode. Wer allerdings das Vorbild bereits gesehen hat, wird keine Überraschungen erleben. Es gibt alle bekannten und zu erwartenden Szenen, alle Dialoge, alle Höhen und Tiefen. Wäre das Drehbuch nochmals überarbeitet worden, wäre hier sicherlich eine "1+" drin gewesen. Das Potential hatte die Episode zweifellos.

So darf man sich auf die Schauspieler und ihre Geschichte einlassen, ohne großartig darüber nachzudenken - vor allem kann man sehen, wie sie sich gegenseitig zu Hochleistungen anspornen.

Note: 2+

Inhalt von Alexander Dennebaum (ad), Kritik von Jens Adrian (ja); aktualisiert am 07.04.2005 [12407 Aufrufe; 0 Kommentare]


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