Inhalt
Im Kasino zeigt Charlie Tucker Doktor Phlox und auch T'Pol, die zu ihnen stößt, Zeichnungen, die die 4. Klasse, in der Mr Tuckers Neffe mittlerweile ist, an die "Enterprise" gesandt hat. Zeichnungen über den ersten Kontakt, das Schiff und auch ein nicht ganz wirklichkeitsgetreues Portrait eines Vulkaniers ist dabei. Währenddessen entdeckt die "Enterprise" einen der größten Kometen, die je von einem Menschen entdeckt worden ist, und beschließt, ihn genauer zu untersuchen.
Am Abend trifft Tucker im Kasino nochmals T'Pol, die besorgt scheint. Auch sein Versuch, sie mit einem Stück Torte - seine kleine Schwäche - wieder aufzuheitern, scheitert, immerhin essen Vulkanier so etwas nicht.
Tags darauf entdeckt die Crew, dass der Kern des Kometen aus dem sehr seltenen Material Icilium besteht. Captain Archer beschließt, Travis Mayweather und Malcolm Reed in einer Außenmission auf dem Kometen landen zu lassen, um nach der Substanz zu bohren. Zu dieser Zeit trifft ein vulkanisches Schiff in dem System ein, das die Untersuchung des Kometen jedoch nur aus der Ferne beobachten will. Da dies schon das zweite Mal ist, dass ein vulkanisches Schiff zufällig auf die "Enterprise" trifft, stellt Jonathan Archer T'Pol unter vier Augen die Frage, ob die Vulkanier die "Enterprise" beobachten, ihnen über die Schulter schauen. T'Pol verneint dies jedoch.
Als das Außenteam während der Nachtperiode des Kometen auf dem eisigen Himmelsgestirn eintrifft, findet es ein atemberaubendes Panorama vor: weite Schneelandschaften, kleine pilzähnliche Eiskristalle, Berge, Krater; es erinnert die beiden im Außenteam eher an einen Heimatausflug als an eine Außenmission.
Auf der "Enterprise" entdeckt Commander Tucker unterdessen, dass T'Pol eine verschlüsselte Nachricht an das vulkanische Schiff gesendet hat. Er berichtet Captain Archer davon, der, von dem Vertrauensbruch der Wissenschaftsoffizierin enttäuscht, beschließt, die Nachricht dechiffrieren zu lassen, um herauszufinden, wovon sie handelt.
Anschließend beginnt für Jonathan Archer eine sehr unangenehme Arbeit. Als Antwort auf die übersendeten Nachrichten der Grundschulklasse, antwortet er im Namen der gesamten Crew auf die einhergegangenen Fragen der Kinder. Er spricht dabei zwar nur zu einem schwarzen Bildschirm, aber die ganze Angelegenheit, vor allem die Tatsache, dass er es von der Brücke aus tun muss, ist ihm doch sehr unangenehm. Er bindet dabei auch Charlie Tucker, Hoshi Sato und Doktor Phlox in die vielfältigen Antworten der Kinder ein.
Dem Außenteam gefällt es auf dem Kometen hingegen sehr gut, Travis Mayweather findet sogar die Zeit, einen Schneemann zu bauen, der von Malcolm Reed noch um zwei Augen, einen Mund und eine Nase erweitert wird. Leider bekommt das auch der Captain und vor allem das vulkanische Schiff mit und er weist sie an, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.
Hoshi Sato ist es gelungen, T'Pols Nachricht zu entschlüsseln und Charles Tucker hat sie zwischenzeitlich auch gelesen. Allerdings muss er dem Captain mitteilen, dass es sich dabei nicht um einen Spionagebericht handelt, sondern um einen persönlichen Brief T'Pols, der keines Falls für fremde Augen gedacht war. Um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, erzählt er T'Pol davon, die sich (vulkanisch kühl) dafür ausspricht, den Inhalt wenigstens nicht weiterzuerzählen.
Um die Beziehungen mit dem fremden vulkanischen Schiff zu verbessern, bittet Jonathan Archer T'Pol, ihm bei der Vorbereitung für ein Abendessen zu helfen - er möchte den Captain des Schiffes einladen, sei es nur, um "das Eis zu brechen".
Nachdem Malcolm Reed auf dem Kometen dem Schneemann noch vulkanische Ohren verpasst hat, sind sie bereit, einen Teil der Oberfläche zu sprengen, um leichter an eine Kernprobe heranzukommen.
Wenig später ist das Abendessen an Bord der "Enterprise" in vollem Gange - mit der Ausnahme, dass der vulkanische Captain bereits gespeist hat, zu einer Konversation nicht bereit ist und für die Menschen offenkundig nicht viele Sympathien hegt. Captain Archer wird dies nach einiger Zeit zu viel, er bittet den Captain, das Schiff zu verlassen und vor allem, die "Enterprise" nicht weiter auszuspionieren.
Als Charlie Tucker von T'Pol in ihr Quartier gebeten wird, ist er zurecht erstaunt, offenbart sie ihm doch, dass sie eine persönliche Angelegenheit mit ihm besprechen will. Der Doktor hatte ihr geraten, sich einer vertrauten Person zu öffnen, um ihre Schlafprobleme und Nackenschmerzen zu lindern. Da er bereits ihren Brief gelesen hat und sie nicht noch mehr Menschen in ihre persönlichen Angelegenheiten einweihen will, bittet sie eben Commander Tucker um Rat. Sie erzählt ihm, dass sie an sich in einer Woche heiraten solle, da ihr Dienst auf der "Enterprise" davon jedoch betroffen sei, wisse sie nicht, ob sie nach Vulkan zurückkehren und mit ihrem zukünftigen Gemahl eine Familie gründen oder an Bord des Schiffes bleiben soll.
Vulkanische Ehen werden bereits im Kindesalter arrangiert und nach der Hochzeit verbringt das Paar traditionell ein vulkanisches Jahr zusammen. Dies würde jedoch bedeuten, dass sie ihren Dienst quittieren müsse. Charlie Tucker rät ihr daraufhin, ihrem Willen zu folgen, anstatt sich von Traditionen und Kulturen die Zukunft festlegen zu lassen. Da sie jedoch die vulkanische Tradition höher bewertet als ihr persönliches Schicksal, ist ihre Entscheidung so gut wie getroffen.
Bei dem Versuch, zum Shuttle zurückzukehren, verletzt sich Travis Mayweather auf dem Kometen das Bein, was das Außenteam noch mehr unter Druck setzt, da durch die Sprengung die Rotation des Kometen verstärkt wurde und sich die Oberfläche schon beinahe der Sonne zugewendet hat. Extreme Temperaturunterschiede, austretende Gase und ein Schmelzen der Eisoberfläche sind die Folge. Das Team kann sich noch rechtzeitig in das Shuttle retten, als unter ihnen der Boden einstürzt und das Shuttle 80 Meter in die Tiefe gerissen wird.
Die "Enterprise" versucht, mit Captain Archer persönlich am Steuer, mit Hilfe eines Ankerkabels (das wir aus dem Pilotfilm bereits kennen), das Shuttle zu befreien. Dies misslingt jedoch. T'Pol unterbreitet Captain Archer einen Vorschlag: Das vulkanische Schiff verfügt über einen Traktorstrahl, der das Shuttle mühelos bergen könnte. Da der vulkanische Captain davon überzeugt ist, dass die Menschen arrogant und sturköpfig seien, wäre es zudem eine Möglichkeit, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.
Captain Archer springt daraufhin über seinen eigenen Schatten und bittet die Vulkanier um Hilfe. Sie befreien das Shuttle, zeigen sich von den Forschungsergebnissen allerdings unbeeindruckt. Auf Charlie Tuckers Frage nach der Traktorstrahltechnologie antwortet der Vulkanier, dass dies eine Verschlusssache sei und nicht weitergegeben werden dürfte.
T'Pol entscheidet sich, ihre Verlobung aufzulösen und an Bord der "Enterprise" zu bleiben. Am Ende der Episode sitzt sie alleine in ihrem Quartier, vor sich eine Stück Torte.
Kritik
Wer sich vorher den Werbetrailer für diese Episode angeschaut hat, der wird ziemlich sicher vorerst enttäuscht sein. Actiongeladen und mit einer weiteren vulkanischen Verschwörung hinter dem Rücken der Föderation wird dem Zuschauer eine angebliche Story vorgegaukelt, die so nicht stattfindet. Die Autoren haben sich dazu entschieden, aus der eher actionreichen Geschichte eine Charakterepisode zu formen. Da die Grundidee an sich schon frappierend an den Hollywood-Blockbuster "Armageddon" erinnert, war dies sicher keine schlechte Idee.
Mit dem Actionhit könnte es eine "Star Trek"-Episode schon aufgrund des Budgets nicht aufnehmen. Allerdings haben sich die Macher bei der Gestaltung der Kometenoberfläche und den vielen Specialeffects zum Ende der Folge hin sichtlich Mühe gegeben und eine beinahe kinoreife Vorstellung geliefert.
Mit dem Rest können die meisten Kinofilme hingegen gar nicht mithalten. Auf eine recht subtile Art werden dem Zuschauer die Charaktere von T'Pol und Charlie Tucker näher gebracht, auch Travis Mayweather und Malcolm Reed bekommen mehr zu tun als in den Episoden zuvor. Nur Doktor Phlox und Hoshi Sato wirken beinahe schon wie bloße Nebendarsteller, die jedoch beide eine sehr spezielle Szene haben, bei der sie voll zur Geltung kommen. Scott Bakula darf in der Rolle des Jonathan Archer unterdessen wieder zeigen, was in ihm steckt, auch wenn er nicht der Hauptcharakter von "Das Eis bricht" ist.
Eine Schulklasse der Erde sendet der "Enterprise" selbstgemalte Bilder und mit dabei eine Liste voller Fragen. Diese Idee "süß" oder "putzig" zu nennen wäre sicher falsch, sie ist jedoch zweifelsohne ein weiterer Beweis dafür, dass "Enterprise", mehr als irgendeine andere "Star Trek"-Serie, näher an unserer Zeit liegt.
Dem Zuschauer kommt dies irgendwie vertraut vor, er hat vielleicht dieselben Fragen an die Macher der Serie gehabt und er baut von der ersten Sekunde an ein ganz anderes Verhältnis zu der Episode auf, als es bei "Voyager", "Deep Space Nine" oder "Das nächste Jahrhundert" aufgrund der Sterilität und der eher zukunftsorientierten Geschichten sein könnte. Auch diese Serien haben hervorragende Episoden gehabt, ohne Zweifel, aber eine solche Vertrautheit und ein solcher Charme kam dort meist sehr selten und vor allem so gut wie nie in so kurzer Zeit (immerhin ist dies erst die achte "Enterprise"-Episode) auf.
Auch wenn Charlie Tuckers Schwäche für Süßes stark an Deanna Troi aus "Das nächste Jahrhundert" erinnert, es macht ihn, mehr noch als zuvor, zu einem der sympathischsten Charaktere der gesamten Serie. Er wirkt natürlich, als könnte er ebenso aus unserer Zeit stammen, anstatt ein waschechtes "Kind" des 22. Jahrhunderts zu sein.
Sicher, auf einem Kometen zu landen und bis zu dessen Kern zu bohren, kennen wir aus einschlägigen Kinofilmen, aber schon Travis Mayweather's Bemerkung, als sie auf den Kometen zusteuern, dass sie wohl nicht nur zum ersten Mal einen Kometen betreten würden, sondern dass sie überhaupt die ersten Menschen wären, die je einen Kometen betreten hätten, scheint ebenso natürlich wie überfällig. Auch ihr Verhalten, auf dem Kometen einen Schneemann zu bauen und diesen zuerst mit Augen, Nase und Mund, später sogar mit vulkanischen Ohren zu versehen, ist vielleicht nicht gerade authentisch oder realistisch, aber doch charmant und lässt das Geschehen wärmer und vertrauter wirken, als man es sich vorstellen könnte.
Die zweite Handlung, T'Pols Brief, den Charlie Tucker zu lesen bekommt, beginnt recht klischeehaft, endet dann jedoch völlig anders, als man es erwarten würde. Es war ein persönlicher Brief, T'Pol sollte heiraten und würde die "Enterprise" verlassen.
Vielleicht war es offensichtlich, dass sie die Crew nicht jetzt schon verlassen würde - immerhin sind die meisten Zuschauer (vor allem männliche) von ihr sehr angetan - doch war der Verlauf eines jeden Gespräches zwischen Tucker und T'Pol unvorhersehbar und neuartig. In fast schon beiläufigen Sätzen erfährt der Zuschauer mehr über die vulkanische Kultur, über Traditionen und Bräuche, über die sich andere ST-Serien ausgeschwiegen haben. Auch Charles Tuckers Haltung gegenüber diesen Traditionen ist verständlich, er handelt, wie der Zuschauer es ebenfalls tun würde.
Jolene Blalock (T'Pol) leistet hier übrigens eine hervorragende schauspielerische Arbeit, sie drückt mittels einer Geste, einer Haltung oder ihrer Sprechweise mehr aus, als es viele Schauspieler anderer Serien vermögen. Schon ein kurzes Zögern ihrer Antwort verleiht einem Gespräch entgegen dem gewohnten vulkanischen Verhalten eine ganz andere Note. Zum ersten Mal lenkt die Geschichte von einer Beziehung zwischen Captain Archer und T'Pol ab und führt ein mögliches zukünftiges Paar, Tucker und T'Pol, sehr behutsam und nicht übereilt ein. Schon auf Grund der Gegensätzlichkeiten der beiden Figuren wird der zukünftige Verlauf dieser Beziehung wahrscheinlich sehr interessant und amüsant sein.
Mit am witzigsten ist in der Episode jedoch Captain Archers Antwort auf die verschiedenen Fragen der Schüler. Er klärt, ob eine Liebesbeziehung an Bord der "Enterprise" möglich ist, da viele Crewmitglieder ihre Quartiere teilen, ist das sicher schwierig; oder wohin der Toilettenabfluss verschwindet. Diese Frage wird von Charlie Tucker beantwortet, dessen Erklärung hierfür so ziemlich jeden "Star Trek"-Fan interessieren dürfte - mehr sei hier jedoch nicht verraten. Auch Hoshi Sato darf sich zu Wort melden und erklären, dass der universale Übersetzer auch an Bord der "Enterprise" existiert. Zwar funktioniert er nicht perfekt und auch nicht immer, aber eben aus diesem Grund ist sie an Bord. Doktor Phlox klärt die Kinder dann noch über verschiedene Sporen an Bord der "Enterprise" und im Weltraum auf.
Es ist an sich schon beachtlich, dass in einer so kurzen Episode jeder Charakter seine eigene persönliche Szene bekommt. Zwar haben Archer, Tucker und T'Pol am meisten zu tun, aber auch Travis Mayweather und Malcolm Reed kommen auf dem Planeten voll zur Geltung. Sogar Hoshi Sato darf sich nach ihrem Nischenleben in den letzten Episoden wieder zu Wort melden. Über Doktor Phlox' Spezies erfährt der Zuschauer zwar nichts neues, dafür sieht man den talentierten Schauspieler wieder in Aktion, was bisher in beinahe jeder Folge, wenn meist auch nur für kurze Zeit, der Fall war.
Das an sich actionreiche Finale wird absichtlich nicht mit flotten Schnitten und einer hektischen verwackelten Kamera überfrachtet, auch hier steht Captain Archers Entscheidung, die Vulkanier um Hilfe zu bitten und dabei über den eigenen Schatten zu springen, im Vordergrund. Die Autoren verstehen es, auch in storylastigen Folgen die verschiedensten Charaktere weiterzuentwickeln und dem Zuschauer die "Enterprise" und das Leben auf dem Schiff näher zu bringen. Dabei wird eine für Star Trek ungewöhnliche Geschichte "entklischeeisiert" und mit vielen neuen und guten Ideen aufgewertet. Auch nach so vielen "Star Trek"-Episoden überraschen die Macher von "Enterprise" die Zuschauer immer noch.
Der wissenschaftliche Aspekt des Kometen ist dabei ebenso nebensächlich, wie die verschiedenen vulkanischen Speisen, die während des Dinners serviert werden. Die Charaktere stehen im Vordergrund und die Schauspieler werden gefordert. So sollte es weiterhin bleiben.
Fazit
"Das Eis bricht" ist eine sehr gute Charakterepisode, die viele Charaktere - manche mehr, manche weniger - weiterentwickelt. Vielleicht eine Episode ohne große Höhepunkte, dafür mit einer konstanten Spannung, sehr guten Darstellern, guten Trickeffekten und einer interessanten und intelligenten Geschichte. Eines der Highlights der bisher sehr guten Staffel.
Note: 1-
Inhalt von Alexander Dennebaum (ad), Kritik von Jens Adrian (ja); aktualisiert am 25.08.2004 [12618 Aufrufe; 0 Kommentare]