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Episodeninhalt

Icheb

Titelgrafik zur Episode

Vorherige Episode:
Asche zu Asche
Nächste Episode:
Der gute Hirte
Originaltitel:
"Child's Play"
Regie:
Mike Vejar
Story:
Paul Brown
Drehbuch:
Raf Green
Gaststars:
Manu Intiraymi als Icheb

Tracey Ellis als Icheb's MotherMark A. Sheppard als Icheb's Father

Scarlett Pomers als Naomi Wildman

Marley McClean als Mezoti

Kurt Wetherill als Azan

Cody Wetherill als Rebi

Eric Ritter als Yivel

Erstausstrahlung in Deutschland:
Erstausstrahlung in den USA:
08.03.2000

Inhalt

Icheb steht vor einem großen Dilemma, als die "Voyager"-Crew seine Eltern vorfindet, welche ihn selbstverständlich zurückverlangen. Auch Seven will den Borg-Jungen nicht so recht gehen lassen, zumal dieser sich in der Zwischenzeit als ein großes Genie herausgestellt hat.

Icheb zögert anfangs, denn seine von Borg völlig zerstörte Heimat wäre kein guter Ort für die Entfaltung seiner Fähigkeiten und den Ausbau seiner Interessen für Astronomie.

Janeway bittet daher seine Eltern darum, für eine kleine Zeit auf der "Voyager" zu verweilen, damit beide Seiten sich näher kommen können. Die Eltern von Icheb sind diesem Angebot nicht abgeneigt und schaffen es schließlich, Icheb umzustimmen, dem besonders nach einer Aufenthalt unter dem klaren Sternenhimmel klar wird, dass die Heimat etwas sehr wichtiges ist und er im Grunde sich freuen sollte, zuhause zu sein, zumal die "Voyager"-Crew alles dran setzt, nach Hause zurückzukehren.

Beim Gepäckpacken fragt Seven Ichebs Vater, unter welchen Umständen Icheb assimiliert worden war, worauf dieser antwortet, dass er sich in der Nähe einer neuen technologischen Errungenschaft aufgehalten hatte, kurz bevor die Borg kamen und die Technologie samt Icheb assimilierten.

Icheb lebt sich sofort ein, spielt mit seinen Brüdern und vergnügt sich prächtig. Hinter dieser Fassade lauern seine Eltern, die sich als wahre Bösewichte entpuppen, welche Icheb als Köder dazu benutzen wollen, die Borg anzugreifen.

Seven entdeckt in der Astronomie, dass die Geschichte von Ichebs Assimilation, welche dessen Vater ihr offenbarte, nicht mit ihrer Entdeckung übereinstimmt. Sie stellt fest, dass Icheb sich in einem Shuttle befand, als dieses von den Borg entdeckt wurde.

Seven redet mit Janeway und bittet sie, zurück zum Heimatplaneten von Icheb zu fliegen, um nach dem Rechten zu sehen. Janeway zögert erst, wird jedoch umgestimmt.

Beim Heimatplaneten von Icheb angekommen, stellt die Crew die Eltern zur Rede, welche in der Zwischenzeit Icheb bewusstlos machten und auf ein Shuttle brachten.

Die Crew findet heraus, dass Icheb genmanipuliert ist und nur den Zweck erfüllen soll, ein Borgschiff, welches auf Angriffskurs ist, mit einem tödlichen Virus zu infizieren. Dies ist ihnen schon einmal in "Kollektiv" gelungen, weshalb es für die Eltern ein Geschenk ist, Icheb noch einmal lebend wiederzusehen.

Daraufhin ist Janeway empört und plant eine Rettungsaktion für Icheb, der mit dem Shuttle sich immer näher dem Transwarpkanal nähert, aus dem ein Borgschiff auftauchen wird. Im letzten Augenblick kann er auf die "Voyager" gebeamt werden und nach einer klugen Strategie kann die Crew das Borg-Schiff außer Gefecht setzen und setzt ihre Reise zum Alpha-Quadranten fort.

Kritik

"Icheb" ist eine wunderbare Episode und ein echtes Highlight der 6. Staffel, welches nach zwei schwachen Episoden auch dringend von Nöten ist. Die Episode stellt den beliebten Borg-Jungen in den Mittelpunkt, setzt den "Borg Children"-Arc aus "Kollektiv" fort, klärt offene Fragen und wartet, wie soviele Episoden der 6. Staffel zuvor, mit großartigen Charaktermomenten auf.

Das Zentralthema in dieser Episode ist die Genmanipulation. Diese wurde geschickt in eine sehr gute Story verpackt, gewissenhaft hinterfragt und unparteiisch dargestellt.

Die Episode zeigt ein Volk, welches völlig von den Borg zerstört, sein Alltagsleben wieder in Angriff nehmen muss - ein Volk, welches dazu verdammt ist, ständig Rückschritte hinzunehmen und bei dem es nur eine Frage der Zeit ist, bis eine neue technologische Errungenschaft zerstört wird. Es ist auch ein Volk, das ständig zusehen muss, wie eigene Leute, einer nach dem anderen, assimiliert wird. In der Verzweiflung macht es sich seine sehr fortschrittliche Gentechnologie zum Nutzen und genmanipuliert die eigenen Kinder so, dass diese unbeabsichtigt die Borg mit einem Virus infizieren und in den meisten Fällen das eigene Leben hergeben müssen - geboren um zu töten.

Die Episode zeigt ein Volk, welches vor Greultaten also nicht zurückschreckt, verurteilt dieses aber nicht, sondern fordert den Zuschauer zum Verständnis, nicht zur Toleranz, auf. Einmal mehr gibt es ein Thema, über das der Zuschauer auch Wochen nach der Ausstrahlung nachdenken kann und zu keiner befriedigen Lösung kommt.

Hat ein Volk das Recht dazu, seine eigenen Interessen vor die des Individuums zu stellen? Diese Frage ist in diesem Falle gar nicht oder sehr schwer zu beantworten. Auf der einen Seite ist es sicherlich vertretbar, zumal dieses Volk am Rande der Existenzgrenze lebt und alles dran setzen will, zu überleben, doch als Individuum tröstet einen diese Tatsache herzlich wenig, sollte es das Opfer sein.

Icheb stellt eine sehr interessante These auf, nämlich, dass er geboren ist, um sich seinem vorbestimmten Schicksal zu fügen. Hat er dann das Recht, dieses Schicksal mit Füßen zu treten? Auch in diesem Falle ist eine Beantwortung nur schwer möglich. Denn er kann ja für sein Schicksal nichts dafür, das andere Menschen, auch wenn diese seine Eltern sind, ihm aufzwingen. Allein das Aufzwingen verstößt gegen die Rechte des Individuums. Auf der anderen Seite aber ist sein Schicksal von großem Nutzen für sein Volk, weshalb wir wieder bei der ersten Frage landen.

Das Interessante an dieser Episode ist, dass man beide Parteien vertreten kann, so grausig die Tat seitens der Eltern auch scheint.

Es ist den Autoren hoch anzurechnen, dass diese aus den Eltern nicht gleich zu Anfang klar erkennbare Bösewichte gemacht haben, denn so sieht der Zuschauer, dass diese Menschen nicht anders sind als wir, dass die Verzweiflung sie dazu gebracht hat, so zu handeln. Der Zuschauer entwickelt also zugleich Verständnis für die Eltern, womit das Ziel der Autoren erreicht wäre.

Um auf Ichebs Dilemma zurückzukommen, so wurde dieses ebenfalls sehr gut und mitreißend dargestellt. Sevens Behauptung, Icheb würde sich selbst Vorwürfe machen, weil die Täter seine Eltern sind, ist goldrichtig. Zu Eltern baut das Kind nun einmal eine enge Beziehung auf, die mit keiner vergleichbar ist. Die Eltern sind (sollten meistens) Vorbilder für die Kinder, wir alle werden also mehr oder weniger von unseren Eltern geprägt, denen wir den Status als Vorbild und Schutz, ob wir wollen oder nicht, nie ganz aberkennen können. Daher ist es für Icheb nicht ganz verständlich, warum seine Eltern ihm so etwas antun, weshalb er die Schuld nicht bei seinen Eltern, sondern bei sich sucht. Dies ist in unserer Gesellschaft nicht anders, wer würde schon seine eigenen Eltern als Mörder verdächtigen.

Hier geht es also um ein Eltern-Kind-Drama, welches durch seine Nähe uns sofort vertraut vorkommt und der Zuschauer ohne Umschweifungen in die Episode hineingezogen wird. Hier sind Menschen, welche Genmanipulationen durchführen und dabei verheerende Konsequenzen nachziehen, nicht etwa verrückte Wissenschaftler, sondern einzig und allein die eigenen Eltern, weshalb die Story durch diese Nähe so abschreckend wirkt. "Star Trek" weiß eben Geschichten zu erzählen, die trotz der Kompaktheit viel tiefsinniger wirken als so manche Hollywood-Knaller.

Behutsam wird auf die brisante Thematik eingegangen, Stufe für Stufe wird diese anaylisiert und Argumente aufgezählt. Genmanipulierte Pflanzen, die das Überleben eines Volkes sichern, stehen sich genmanipulierten Kindern gegenüber, die ebenfalls das Überleben eines Volkes sichern. Eine Schlussbewertung wird ausgelassen, um dem Zuschauer genügend Freiraum zum Nachdenken zu geben.

"Voyager" wird deshalb oft fälscherweise als oberflächlich hingestempelt, weil das Ende einer Episode, wie das von "Icheb", oft auf eine gewisse Art und Weise unbefriedigend ist, weil hier die finale Bewertung offen bleibt und der Zuschauer geschickt dazu bewegt wird, nachzudenken. Viele Zuschauer interpretieren diese Unbefriedigendheit leider anders und kommen zum Schluss, dass "Voyager" die schlechteste Serie aller Zeiten ist.

Dabei ist genau dieses Element das, was "Voyager" auszeichnet. Hier wird nicht etwa einfach ein Bösewicht ausgesucht und diesem alles mögliche zugeschoben, hier werden überzeugende Argumente gesucht, die sich an der Waage halten, um so dem Zuschauer sowohl die eine, als auch die andere Seite zu demonstrieren, damit er genügend Informationen bekommt, um sich seine eigene Meinung zu bilden.

Das ist intelligente Unterhaltung vom Feinsten, das ist "Star Trek" und insbesondere "Voyager".

Der Schauspieler Manu Intiraymi ist sehr talentiert, er spielt hervorragend Icheb, der nur auf der Oberfläche verschlossen wirkt. Die Darstellung in dieser Folge, in der er nicht nur Enttäuschung zum Ausdruck bringt, sondern eine ganze Palette an Emotionen zum Ausdruck bringen muss, erledigt er mit Bravour. Als Beispiel seien die Szenen erwähnt, in denen er zum ersten Male seine Eltern sieht und dabei so aufgeregt und zugleich angstvoll ist, dass er gleich wieder zur "Voyager" zurückkehren möchte, oder die wunderbare Szene unter dem Sternenhimmel, wo er sich seiner Heimat ersinnt.

Die Eltern wurden auch sehr gut dargestellt. Beide Gastdarsteller schaffen es, sowohl fürsorgliche, als auch verzweifelte Eltern darzustellen. Der Vater von Icheb, gespielt von Mark A. Sheppard, bekommt zum ersten Mal eine Sprecherrolle, nachdem dieser in "Deep Space Nine" jahrelang den stummen Morn spielen musste.

Seven hat in dieser Episode ebenfalls eine tragende Rolle. Sie hat eine enge Beziehung zu Icheb entwickelt und möchte ihn nicht gehen lassen. Sie musste schon einmal durchmachen, was es heißt, wenn Eltern ihre Prioritäten über die ihrer Kinder stellen, und möchte sichergehen, dass Ichebs Eltern verantwortungsbewusst sind und für ihn sorgen können. Brillant ist die Szene, wo sie Ichebs Eltern aufeinander und rücksichtslos Fragen über Ichebs Umgebung und seine Vorsorge stellt.

Sehr richtig ist die Behauptung von Janeway, sie würde Ichebs Eltern mit ihren eigenen vergleichen, was sie indirekt zugibt. Dies zeigt, wie fürsorglich sie sich um Icheb kümmert und dass sie ihm jede Gefahr, die von verantwortungslosen Eltern ausgehen, ersparen möchte.

Die Special-Effects dieser Episode sind einmal mehr hervorragend und wissen zu begeistern.

Fazit

"Icheb" ist eine hervorragende Fortsetzung zu "Kollektiv" und überzeugt mit mitreißenden Charaktermomenten. Besonders gelungen ist die Story, die uns eindrucksvoll und intelligent nicht nur die Verzweiflung eines Volkes zum Ausdruck bringt, sondern uns auch zum Nachdenken anregt. Eine auf der ganzen Linie gelungene Episode.

Note: 1+

Artikel geschrieben von Shen Li (sl); aktualisiert am 23.08.2004 [14770 Aufrufe; 0 Kommentare]


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