Inhalt
Als Seven die Effizienz jedes Crew-Mitglieds überprüft, entdeckt sie, dass drei junge Crew-Mitglieder nicht fähig sind, auf einem akzeptablen Level zu arbeiten. Als Captain Janeway dies mitbekommt, nimmt sie die drei mit auf eine Außenmission des "Delta Flyer"s mit ihr an Bord.
Die Erste aus dem Trio ist Celes, eine Astrometrie-Assistentin, welche ihre Arbeit immer doppelt überprüft, da sie eine hoffnungslose Selbstzweiflerin ist. Der Zweite ist Mortimer Harren, welcher 5 fortgeschrittene Studien in Theoretische Kosmologie absolviert hat und daher seine Zeit lieber damit verbringt, die Entstehung des Universums zu erklären, als sich mit den anderen zu vergnügen. Der Dritte im Bund ist William Telfer, der ein Sicherheitsoffzier und ein Hypochonder ist, welcher die Krankenstation wöchentlich aufsucht und Angst vor Medikamenten hat.
Celes hat die Aufgabe, auf der Mission die Sensoren-Analyse durchzuführen, Harren wird nach Subraumpartikeln Ausschau halten, welche vielleicht neue Informationen über Sternenformationen liefern könnten, während Telfer nach Anzeichen für Leben Ausschau hält.
Auf der Mission gibt es Probleme, als der "Delta Flyer" von einer Wucht getroffen wird, welcher den Antrieb ausschaltet und 90% der Antimaterie neutralisiert. Als Janeway beschließt, auf die Wucht mit einem Photonentorpedo zu feuern, kriecht plötzlich ein fremdes Alien aus dem Hals von Telfer. Als es auf die Konsole kriecht, schießt Harren, entgegen der Befehle von Janeway, auf das fremde Alien und tötet es. Frustriert über Harren, meint Janeway, dass das fremde Wesen lediglich versucht hat, zu kommunizieren.
Janeway beschließt nun, den "Delta Flyer" zu dem Ring eines nahegelegenen Gasriesen zu fliegen, wo sie hofft, den Warpkern reinitialisieren zu können, bis wieder die unbekannte Wucht, die allen Anschein nach ein feindliches Raumschiff ist, auf den "Delta Flyer" zurast.
Janeway befiehlt der Crew, sich zu den Rettungskapseln zu bewegen und den Planeten so schnell wie es geht zu verlassen. Celes jedoch meint, dass die Crew den Captain nicht alleine lassen darf. Aber Harren schnappt sich eine Rettungskapsel und fliegt direkt auf die Wucht zu.
Unterwegs erzählt er dem Captain, dass der "Delta Flyer" mehr Zeit hat zu fliehen, wenn er mit der Kapsel das feindliche Objekt ablenkt. Die Kapsel kann in letzter Sekunde von den Transportern des "Delta Flyer"s abgefangen werden.
Der "Delta Flyer" beginnt nun, auf das unbekannte Objekt zu feuern. Dies verursacht eine Kettenreaktion in dem Ring, was eine riesige Explosion zur Konsequenz hat. Der "Delta Flyer" entkommt nicht rechtzeitig und wird von der Schockwelle mitgerissen.
Verwirrt wacht Janeway auf der Krankenstation auf, wo Chakotay ihr erzählt, dass die "Voyager" ihr Notsignal empfangen hätte und den "Delta Flyer" mit den bewusstlosen Crew-Mitgliedern über einem Gasriesen schwebend aufgefunden hätte.
Kritik
"Der gute Hirte" ist wie "Icheb" ein echtes Highlight der 6. Staffel und fesselt von der ersten Minute an. Die Story unterscheidet sich von den bisherigen dadurch, dass zum ersten Mal seit "Erfahrungswerte" aus der 1. Staffel andere Crew-Mitglieder als die Brückencrew ins Zentrum des Geschehens rutschen.
Diese Crew-Mitglieder sind bei weitem nicht so perfekt wie die Brückencrew, handeln oftmals falsch und haben ihren ganz eigenen Charme, weshalb sie dem Zuschauer zugleich sympathisch sind und dieser vom weiteren Ablauf gefesselt ist.
Die Story um Crew-Mitglieder, welche erst integriert werden müssen, klingt altbacken und fasziniert zu Anfang wenig, jedoch strickten die Autoren daraus ein solch kurzweiliges und vor allem lustiges Abenteuer, dass der Story-Schwachpunkt schnell wieder in Vergessenheit geraten ist.
Wir sehen in dieser Episode zum ersten Mal Deck 15 und überhaupt ist die Perspektive eine ganz andere. Die "Voyager" aus der Sicht anderer Crew-Mitglieder als der Brückencrew zu sehen, ist eine willkommene Abwechslung und verleiht der Episode ein ganz besonderes Flair.
Die Episode verbucht den größten Pluspunkt aus ihrem herrlichen Humor. Dieser besteht vornehmend aus Situationskomik und den Eigenheiten der Charaktere. Besonders der Hypochonder Tefler, welcher selbst in brenzligen Situationen sich selbst nach Krankheiten scannen muss, ist für den einen oder anderen Lacher gut.
Janeways Charakterentwicklung ist bereits abgeschlossen, in dieser Episode wurde diese nochmals verdeutlicht. Der Vergleich mit dem guten Hirten, welcher die Herde zurücklässt, um einzelne weggelaufene Schafe zu suchen, ist sehr gelungen und bestätigt Janeways Position. Janeway ist längst kein normaler Captain mehr, sondern eher eine Mutter, die jedes ihrer Kinder um jeden Preis beschützt.
Besonders gelungen sind die Gespräche in der Episode, die sehr unterhaltend dargestellt wurden. Herausragend in dieser Hinsicht ist der Dialog zwischen Janeway und Harren. Dieser weckt sowohl Mitleid als auch Sympathie in dem Zuschauer. Seide Reden sind von erstaunlicher Präzision und sehr realitätsbezogen. Er sieht die Dinge viel zu ernst und ist viel zu sehr in seiner Gedankenwelt versunken, als dass er die Realität richtig einschätzen kann. Zwar kann er Formeln auswendig, jedoch richtig anwenden kann er diese offenbar nicht, weil die Grundlage für sein Wissen, die Realität, fehlt. Er ist Theoretiker und wie bei jedem Theoretiker, entspricht viele der Aussagen nie der Praxis.
Er fühlt sich in seiner Gedankenwelt sicher, hier ist seine Umgebung überschaubar und manipulierbar wie eine Formel, doch sobald er diese verlässt, verliert er die Kontrolle und er wird verwundbar. Es ist eine Realitätsflucht, die ihn kennzeichnet, nicht die schlichte Arroganz, nicht mit anderen Menschen in Kontakt treten zu wollen.
Das Interessante an dieser Episode ist, dass die Autoren nicht einfach ein Gespräch anführen, in dem die Crewmitglieder durch den Captain zum Nachdenken angeregt werden, sondern andersherum. Janeway merkt durch das Gespräch, dass dieser Crew auf konventioneller Art und Weise nicht zu helfen ist und dass diese nicht einfach arbeitsfaul sind, sondern durchaus Beweggründe haben. Sie sieht ein, dass nicht alle Menschen von ihr zu durchschauen sind, dass dieses Trio sich über dessen Zustand vorher Gedanken gemacht hat und sich dann aufgab, als dieses sich nicht mehr zu helfen wusste. Die Menschen aus dem Trio brauchen also keine Predigten, sie kennen sich besser, als jeder Außenstehender imstande wäre, zu beurteilen.
Ein Beispiel hierfür ist Celes, sie ist sehr selbstunsicher. Janeway rät ihr, diese Einstellung abzulegen, doch sie weiß es besser. Sie hat bereits vieles versucht, doch trotzdem sieht sie in den Sensoranalysen ein Monster mit scharfen Zähnen, das sie nur verschlingen will. Janeways Reden zeigen also keine Wirkung und dies ist ebenfalls etwas Neues. Wir sehen Charaktere, die mit dem Captain diskutieren und dabei immer nachvollziehbare Argumente aufzählen, welche die des Captains verdrängen. Der Captain zieht also den Kürzeren, ihr Status als die Menschenkennerin und Allwissende überhaupt wird in Frage gestellt und dies trägt zum Reiz der Episode erheblich bei.
Klischees, die bei einer Episode wie dieser zu erwarten wären, werden von den Autoren geschickt vermieden, weshalb dadurch der frische Flair dieser Episode bewahrt bleibt.
Mag der Schluss noch so sehr voraussehbar sein, in dieser Episode interessiert dem Zuschauer in erster Linie die Entwicklung und Interaktion zwischen den einzelnen Charakteren, welche trotz der Kurzweile tiefgründig beleuchtet wurden.
"Der gute Hirte" bietet erstaunlich viele und superbe Specialeffetcs und verteidigt den Ruf der Serie, die Show mit der aufwändigsten Umsetzung zu sein. Die hervorragenden Zoom-Sequenzen sowie die Außen-Effekte können beeindrucken und sind für eine TV-Serie ungewöhnlich gut. Gute Specialeffects sind bei "Voyager" zwar keine Seltenheit, aber "Der gute Hirte" setzt hier noch eins drauf.
Auch die Gaststars waren allesamt großartig. Sie spielten glaubwürdig ihre Rollen und sind maßgeblich an dem Erfolg der Episode beteiligt.
Fazit
Durch "Der gute Hirte" weht ein frischer Wind, dessen Ursache die neue Perspektive ist, aus der die Story geschrieben wurde. Sympathische und fesselnde Charaktere im Einklang mit einer lockeren Atmosphäre und einer temporeichen Umsetzung werden abgerundet mit brillanten Specialeffects.
Note: 1
Artikel geschrieben von Shen Li (sl); aktualisiert am 23.08.2004 [14657 Aufrufe; 0 Kommentare]