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Episodeninhalt

Die Muse

Titelgrafik zur Episode

Vorherige Episode:
Lebe flott und in Frieden
Nächste Episode:
Voller Wut
Originaltitel:
The Muse
Regie:
Mike Vejar
Story:
Joe Menosky
Drehbuch:
Gaststars:
Joseph Will als Kelis

Kellie Waymire als Lanya

Tony Amendola als Chorus #3

Jack Axelrod als Chorus #1

Michael Houston King als Jero

Kathleen Garrett als Tanis

Stoney Westmoreland als Warlord

John Schuck als Chorus #2

Erstausstrahlung in Deutschland:
Erstausstrahlung in den USA:
26.04.2000

Inhalt

Während B'Elanna und Kim mit dem "Delta Flyer" auf einem Planeten abstürzen, kann sich Kim mit einer Rettungskapsel retten. B'Elanna jedoch wird verletzt von Kelis, einem Bewohner des Planeten, dessen Entwicklung dem des Mittalters auf der Erde entspricht, aufgefunden und behandelt.

Es stellt sich heraus, dass Kelis ein Schauspieler und Dichter ist, der B'Elanna auf dem Planeten behalten will, um sich selbst von ihr für das nächste Theaterstück, welches den Frieden zwischen dem Kriegsherrn, seinem Clan und dem verfeindeten Clan bringen soll, inspirieren zu lassen. Er denkt ferner, dass B'Elanna eine "Ewige" ist, die über höhere Kräfte verfügt.

Er erzählt, dass der Kriegsherr von Kelis' Clan beleidigt wurde, und denkt daher, dass sein Bühnenstück den Ärger beider Parteien, welcher zum Krieg führen wird, beseitigen könnte.

Kelis versorgt B'Elanna mit allen Dingen, die sie braucht, während B'Elanna Kelis Geschichten über die "Voyager" erzählt.

Zwei Wochen sind vergangen, in denen B'Elanna und Kelis ununterbrochen für das Stück, welches von der "Voyager" handelt, geprobt haben. Jedoch fehlt ihnen noch immer ein Ende für die Show. Sie entwickeln dabei eine so gute Beziehung zueinander, dass die Schauspielerin Layna, welche B'Elanna darstellen soll, eifersüchtig wird. So droht sie ihr damit, dass sie dem Kriegsherrn erzählen wird, dass sie eine "Ewige" ist, wenn sie nicht sofort verschwindet.

Kim, welcher mit der Rettungskapsel ebenfalls auf dem Planeten abgestürzt war, findet B'Elanna und sie schaffen es gemeinsam, der "Voyager" eine Nachricht zu schicken. Währenddessen warten der Kriegsherr ungeduldig auf die Vorführung des Bühnenstücks. Kelis muss die Show ohne B'Elanna beginnen. Während die beiden auf eine Nachricht von der "Voyager" warten, ersinnt sich B'Elanna, als ein Bote ihr eine Nachricht von Kelis übergibt, und kehrt zurück. Harry kehrt auf die "Voyager" zurück und veranlasst die Crew noch ein wenig zu warten. B'Elanna kommt mit dem fehlenden Ende, bei dem sie sich von Kelis verabschiedet.

Jedoch geht Layna zum Kriegsherrn und erzählt ihm alles. Aber Kelis entgegnet, dass dies ein Teil der Show wäre und Layna nur die eifersüchtige Freundin spielt. Der Kriegsherr glaubt ihm und die Show wird ein großer Erfolg - der Kriegsherr wird zum Nachdenken angeregt und ein Krieg findet zwischen den Parteien nicht statt. Anschließend beamt sich B'Elanna zurück auf die "Voyager".

Kritik

Es ist immer wieder erstaunlich, wie kurzweilig "Voyager" ist. Vielleicht liegt es daran, dass die einzelnen Episoden einfach brillant geworden sind. Mehr als das ist die dieswöchige Episode "Die Muse". Denn diese ist nicht nur eine innovative Episode, sondern ist ein Referenzbeispiel dafür, wie man eine brisante Thematik geschickt verpacken kann, ohne mit dem Zeigefinger drohend zu werden. "Die Muse" bietet somit TV-Unterhaltung, deren Niveau das Non-Plus-Ultra darstellt. Den Autoren ist ein Glanzstück gelungen, dessen Inhalt, mit viel Wahrheiten und Seitenhieben gefüllt, und mit herrlicher Selbstironie und aberwitzigen Momenten angereichert, den Zuschauer vom Beginn bis zum Ende fesseln sowie amüsieren kann.

Die "Star Trek"-Geschichten aus der Perspektive eines Theaterstücks nachzuspielen, bietet viel neues und durch die Distanz zur Realität wirken die Geschichten viel aussagekräftiger und faszinierender, da der Zuschauer hierbei viel mehr zum Nachdenken und Phantasieren angeregt wird.

Die Story versetzt den Zuschauer von Anfang an ins Zentrum des Geschehens. Die theatralische Umgebung und Darstellung in Verbindung mit den modernen "Voyager"-Geschichten schaffen einen Kontrast, der anfangs dem Zuschauer merkwürdig und unpassend scheint, ihm jedoch zum Ende hin immer mehr einsehen lässt, wie zeitlos Theater sein kann und auf welche einfühlsame Art und Weise dieses Geschichten wiedergeben in der Lage ist, ohne mit überteuerten Effekten aufwarten zu müssen.

Besonders der Schluss ist beeindruckend. Hier wird auf großartige Art und Weise die Message vermittelt, wie sinnlos der Krieg ist - dass wir einsehen werden, dass am Ende des Krieges, wenn alle getötet werden, nur der Hass das Einzigste ist, was übrig bleibt. Diese Nachricht wirkt durch die theatralische Darstellung nie klischeehaft, sondern eben deshalb berührend. Die Geschichte ist in diesem Augenblick völlig auf die beiden darstellenden Personen fokussiert, von denen die eine die "Borg-Königin" und die andere "Captain Janeway" ist. "Janeway" tötet die Königin nicht, sondern teilt ihr stattdessen ihre Ansicht vom Krieg mit, um diese (und den Zuschauer) zum Nachdenken zu bewegen. Hier sprechen ausgefeilte Worte, die, bezogen auf die Thematik, den Zuschauer mehr mitreißen als tausende Bilder, welche er täglich im Fernsehen zu sehen bekommt.

In dieser Episode wird es deutlich, wie großartig Theater sein kann. Denn hier stehen, anders als in den Kinofilmen, die Charaktere im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt. Dialoge und Sterilität im neutralen Sinne beherrschen das Stück. Diese Elemente sorgen nun dafür, dass die Aufmerksamkeit des Zuschauers sich voll und ganz dem Dargestellten auf der Bühe widmet und eine Identifikation mit den Charakteren von der ersten Minute an stattfindet. Rasante Kamerafahrten und atemberaubende Bilder, wie sie in Kinofilmen en masse vorkommen, würden nur unnötig ablenken.

Beim Theater allerdings sind es die Worte, die dem Zuschauer im Gedächtnis haften. Diese, welche mit einer spezifischen Darstellung versehen werden, werden der vollen Aufmerksamkeit des Zuschauers ausgesetzt und sind immer etwas besonderes, nicht wie Bilder und Filmdialoge, die an dem Zuschauer schnell vorbeirauschen und vieles davon gar nicht zur Kenntnis genommen werden. Deshalb erreicht die theatralische Darstellung mit ihrer einzigartigen und zum Publikum gerichteten Darstellung den Zuschauer viel schneller. Die Nähe und Direktheit des Schauspiels geht viel mehr unter die Haut.

Um dies zu verdeutlichen, benutzten die Autoren ein brillantes Kunststück: Sie stellten die Filmszenen den theatralischen Darstellungen gegenüber. Weil die Filmszenen die Realität widerspiegeln, sind diese nichts besonderes und verewigen sich nicht in unserem Gedächtnis. Die theatralischen Szenen aber zeigen die Realität aus einer anderen Perspektive, hinterfragt diese und verpackt diese geschickt in Worte und Gestik. Dies regt den Zuschauer zum Nachdenken, womit die theatralischen Szenen die sind, welche eher im Gedächtnis verweilen. Dadurch auch entstehen zwei Versionen von "Die Muse": Eine "normale" und eine theatralische. Damit bietet die Episode erhebliche Abwechslung und vereint das Beste dieser beiden Genres. Die Story wird durch die Filmszenen verständlich gemacht und fortentwickelt und mit theatralischen Szenen manifestiert. Dies ist ein einzigartiges und ein mehr als gelungenes Experiment in "Star Trek".

Jedoch bietet das Theater einen gravierenden Nachteil: Es ist auf Dauer sehr eintönig und kann daher furchtbar langweilig werden. Deshalb kann es immer nur eine Ergänzung zum Film sein, diesen jedoch nicht völlig ersetzen.

Was die theatralischen Szenen noch ein wenig kurzweiliger macht, sind die gelungenen Witzeinlagen. "Janeway", die sich nach "Chakotay" sehnt und ihn küsst oder Tom, der nach dem Verschollen von B'Elanna, zärtliche Trost bei Seven findet, sorgen für den einen oder anderen Lacher. Diese Szenen parodieren auf vergangene "Voyager"-Gerüchte und stellen diese aus einer anderen Perspektive dar, die darstellen soll, wie unsinnig es gewesen wäre, sollten sich diese Gerüchte bewahrheitet haben. Eine "Janeway", die ihren Ersten Offizier küsst, ist absurd und der ehemalige Frauenheld Tom, der sogar vor einer Ex-Borg nicht zurückschreckt, ist lachhaft. Janeway und Chakotay, um diese beiden gab es eine Menge von Gerüchten, sogar Wünschen seitens Fans nach einer Beziehung. Hier stellten die Autoren endgültig klar, wie dies die Saga ins Lächerliche gezogen hätte.

Man hat hier das Gefühl, die Autoren wollen sich endlich einmal zur Sprache melden und den Fans indirekt mitteilen, wie ihr Business aussieht. Der Schauspieler, der Schwierigkeiten hat, "Tuvok" darzustellen oder die Schauspielerin mit ihren Darstellungsproblemen mit "Seven" sollen verdeutlichen, wie schwer es ist, nicht-menschliche Rollen zu spielen und dass die entsprechenden SchauspielerInnen mit Respekt zu behandeln sind.

Auch teilten Sie dem Zuschauer mit, dass das Schreiben und Umsetzen von Drehbüchern ebenfalls keine einfache Sache ist. Sie zerbrechen sich hin und wieder den Kopf über bestimmte Szenen oder suchen verzweifelt nach einem Weg, die Messages einer Episode zu verdeutlichen. Dabei stellt das Publikum, allen voran, der Kriegsherr, die Zuschauer der Serie dar, die Woche für Woche eine neue Geschichte verlangen. Dabei wissen viele Fans nicht, wie aufwändig und kompliziert das Schreiben eines Drehbuchs ist. Der Dichter in "Die Muse" versucht mit seinem Stück den Kriegsherrn zum Nachdenken zu bewegen, er versucht, mit seinem Stück die Meinung der Menschen zu beeinflussen, genau das streben die "Voyager"-Autoren auch an. Dieses ist ihnen nicht nur in "Die Muse" gelungen.

Die Autoren möchten in "Die Muse" uns also verdeutlichen, wie ihre Arbeit aussieht. Dies taten sie auf eine geniale Art und Weise, die zu keinem Zeitpunkt im Widerspruch zu der Story steht.

Ebenfalls herrlich witzig ist der schnarchende Tuvok, allerdings ist seine übertriebene Besorgnis um B'Elanna nicht nachvollziehbar, zumal er zu ihr keine enge Beziehung hat, jedenfalls keine sichtbare enge Beziehung.

Besonders herausragend in "Die Muse", und das mag was heißen, ist die Darstellungsqualität. Diese ist von allen Seiten beeindruckend und sorgt für den reiblungslosen Ablauf und das fehlerfreie Funktionieren der außergewöhnlichen Story.

Fazit

Ausgefeilte Dialoge und brillante Darstellung werden in "Die Muse" mit einer genialen Story abgerundet, die das Beste aus dem Film und dem Theater vereint.

Note: 1+

Artikel geschrieben von Shen Li (sl); aktualisiert am 18.08.2004 [14258 Aufrufe; 0 Kommentare]


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