Von Alexandra Wenk
Diese zwei großen Mächte des Alpha-Quadranten haben eine lange Geschichte aufzuweisen, die geprägt ist von Misstrauen und Feindschaft. Ihre Prinzipien unterscheiden sich so sehr voneinander, dass dies kein Wunder ist. So schrecken die Romulaner nicht vor extremen Maßnahmen zurück, um ihre Ziele zu erreichen.

Der erste Kontakt zwischen den Romulanern und der Föderation findet im Jahre 2160 statt. Genaues ist darüber (noch) nicht bekannt, man weiß nur, dass dieser Kontakt in einer Katastrophe endete und kurz danach brach ein Krieg zwischen diesen Mächten aus. Da auf beiden Seiten nukleare Waffen eingesetzt wurden, bekamen die Kriegsgegner sich niemals zu Gesicht. Durch diesen Krieg stand die Beziehung dieser Mächte von Anfang an unter keinem guten Stern. Man vereinbarte nach dem Krieg eine neutrale Zone, die als Puffer zwischen den Mächten dienen sollten. Jedes Eindringen in diese Zone gilt als eine Kriegserklärung. Diese Zone sicherte den Mächten einen über 100järigen Frieden.
Mit der Zeit allerdings wurden die Romulaner selbstsicherer und mutiger. 2266 wollen sie wissen, wie kampfbereit die Föderation gegen sie ist. Aus diesem Grund beschließen sie einen "Bird of Prey" durch die neutrale Zone zu schicken. Auch wenn die Romulaner durch ihre Tarnvorrichtung einen Vorteil auf ihrer Seite haben, können sie von der "U.S.S. Enterprise NCC-1701" abgefangen werden. Als Antwort darauf erhalten Captain Kirk und Commander Spock den Auftrag, die romulanische Tarnvorrichtung zu stehlen. Um dies erfolgreich durchführen zu können, soll Spock anscheinend seinen Captain töten, um dann zu den Romulanern überzulaufen. Kirk, der ja noch lebt, wird chirurgisch in einen Romulaner verwandelt und soll - während Spock die romulanische Kommandantin ablenkt - die Tarnvorrichtung stehlen. Es gelingt den Beiden auch ihren Auftrag zu erfüllen, aber leider ist alles vergebens, denn die Föderation handelt Jahre später das Abkommen von Algeron aus, in dem sie sich verpflichtet, keine Tarnvorrichtung einzusetzen oder zu entwickeln.
In den darauffolgenden Jahrzehnten kommt es kaum noch zu offenen Konfrontationen zwischen den Romulanern und der Föderation. Dieser macht die Allianz der Romulaner mit den Klingonen Sorgen, aber zum Glück hält diese Allianz nicht sehr lange. Der nächste größere Zwischenfall ereignet sich 2311, als beim sog. Tormed-Vorfall auf jeder Seite tausende Personen umkommen. Die Romulaner unterzeichnen daraufhin das Abkommen von Algeron. In den nächsten 50 Jahren betreibt das Romulanische Sternenimperium eine Politik der Isolation.
Aber auch durch diese strikte Trennung ist die Anwesenheit der Romulaner immer spürbar. So wird die "Enterprise-C" während eines romulanischen Angriffes auf die klingonische Kolonie bei Narendra III zerstört, als sie versucht, gegen die romulanische Übermacht die Kolonie zu verteidigen. Aber vor der Vernichtung werden einige Offiziere der "Enterprise-C" von den Romulanern als Geiseln genommen und nach Romulus gebracht. Die Föderation weiß von diesen Geiseln jedoch nichts. Auch nimmt 2351 ein romulanisches Forschungsschiff durch ein Wurmloch Kontakt zu dem im Delta-Quadranten verschwundenen Föderationsschiff "Voyager" auf. Dies ist insofern bemerkenswert, da sich die Schiffe in verschiedenen Zeitzonen befinden und das romulanische Schiff 20 Jahre aus der Vergangenheit stammt. Trotzdem erklärt sich der Romulaner dazu bereit, Nachrichten der Crew an ihre Familien in 20 Jahren zu übergeben. Leider stirbt der Romulaner, bevor er seine Mission erfüllen kann, aber es zeigt sich, dass nicht alle Romulaner der Föderation feindlich gegenüberstehen. 2364 treibt eine Reihe von Angriffen auf ihre Kolonien die Romulaner dazu, die Neutrale Zone zu durchqueren, um die Vorfälle zu untersuchen. Obwohl die Föderation nichts mit den Angriffen zu tun hat, nutzen die Romulaner diese Gelegenheit, um die tief sitzende Feindschaft zu erneuern und zu verstärken.
Immer wieder kommt es in den darauffolgenden Jahren zu Konflikten zwischen den beiden Mächten. 2366 entsteht eine äußerst prikäre Situation zwischen den Mächten, als ein romulanisches Schiff auf Galorndon Core zerstört wird. Noch im gleichen Jahr schießt ein romulanisches Schiff auf die "Enterprise-D", als beide Schiffe versuchen, das Raumschiff "Gomtuu" zu erreichen. Auch haben beiden Mächte schon einmal versucht, die Technik der sagenumwobenen Iconianer für sich zu beanspruchen. Zu einer weiteren Krise kommt es, als beide Seiten nach der "U.S.S. Pegasus" suchen. Die Sternenflotte ist bemüht, als erste das Schiff zu finden, da es mit einer (verbotenen) experimentellen Tarnvorrichtung ausgerüstet war. Dies ist ein eindeutiger Verstoß gegen den Vertrag von Algeron und deshalb bekommt Captain Picard den Auftrag, das Schiff auf jeden Fall vor den Romulanern zu finden. Die "Enterprise-D" trifft noch des öfteren auf die Romulaner. So wird das Schiff auch einmal von einem romulanischen Schiff um Hilfe gebeten, aber nur in der Absicht, die "Enterprise-D" zerstören zu können.
Bei den sehr seltenen diplomatischen Treffen ist das Misstrauen ganz besonders zu spüren. Jede Seite befürchtet, dass die andere etwas über sie wissen könnte, dass sie eigentlich nicht wissen dürfte, denn beide Seiten haben ihre Spione. So ist die vulkanische Botschafterin T'Pel in Wirklichkeit eine Spionin der Romulaner und heißt Sub-Commander Selok. Die ahnungslose "Enterprise-D"-Crew hilft der Botschafterin sogar noch, zu ihren Verhandlungen mit den Romulanern zu kommen und ermöglicht 'T'Pel so ihre Rückkehr nach Romulus. Im Gegenzug hat "Sektion 31" ihre eigenen Spione im romulanischen Reich. So ist der Chef des Tal'Shiars in Wirklichkeit ein heimlicher Befürworter der Föderation. Durch geschickte Schachzüge gelingt es der Sektion sogar, ihn in den romulanischen Senat zu bringen.
Es gibt aber auch Romulaner, die zur Föderation übergelaufen sind. So wechselt Admiral Alidar Jarok 2366 auf die Seite der Föderation, als er herausfindet, dass angeblich Angriffspläne gegen die Föderation gemacht werden. Es stellt sich jedoch später heraus, dass der Admiral reingelegt wurde, da man seine Loyalität testen wollte. Als Jarok klar wird, dass er nur eine Figur in einem Spiel war und nie wieder in sein altes Leben zurückkehren kann, begeht er Selbstmord. Stefan DeSeve kehrt drei Jahre nach diesem tragischen Ereignis in die Föderation zurück. Einst war er zu den Romulanern übergelaufen, aber nun bringt er wichtige Informationen für die Föderation mit. Er berichtet nämlich, dass der Vize-Prokonsul M'ret und seine zwei Helfer flüchten wollen. Dies ist für das Romulanische Sternenimperium ein sehr harter Schlag.
Die Romulaner betrieben intensive Propaganda gegen die Föderation. So wird sie dem romulanischen Volk als eine schwache Macht dargestellt. Die oberen Militärs wissen es aber besser, denn ein offener Konflikt würde auf beiden Seiten zu erheblichen Verlusten führen. Die beiden Mächte sind in den Bereichen der Technik und der Waffen auf der gleichen Entwicklungsstufe. Auch wenn einige romulanischen Schiffe doppelt so groß sind wie ein Schiff der "Galaxy"-Klasse. Daher verlassen sich die Romulaner eher auf kleine, trickreiche Schachzüge. Dazu ist es natürlich notwendig, dass sie die Aktivitäten der Föderation genau beobachten.
So gelingt es einer kleinen Gruppe von Romulanern, beinahe den Prototyp der "Prometheus"-Klasse, die "U.S.S. Prometheus NX-59650", zu stehlen. Nur der Doktor der "Voyager" kann das Schlimmste verhindern und das Schiff mit Hilfe des MHNs der "Prometheus" zurückerobern. Als die Romulaner versuchen, das Haus Duras im klingonischen Bürgerkrieg zu unterstützen, kann Geordi LaForge dies verhindern, indem er ein durch ein Tachion-Deflektor-Gitter getarntes Schiff wieder sichtbar macht. Da die Romulaner es nicht ungesehen schaffen können, in den Raum der Klingonen zu kommen, blasen sie die Aktion ab.
Der bisher aber hinterlistigste Versuch der Romulaner ist 2368 die geplante Invasion von Vulkan, die sicherlich zu einem Krieg geführt hätte. Diese List kann aber mit Hilfe von Captain Picard, Data und Botschafter Spock aufgedeckt werden. Als die Romulaner erkennen, dass ihre Pläne durchschaut worden sind, schrecken sie nicht davor zurück, ihre eigenen Schiffe mit ihrer Invasionsarmee zu zerstören, damit die Föderation nichts gegen sie in der Hand hat. Tausende romulanische Soldaten finden hierbei den Tod.
Die Romulaner kommen auch schnell dahinter, was für eine Bedrohung das Dominion für den Alpha-Quadranten darstellt. Im Angesicht dieser Bedrohung beginnen sie sogar noch einmal ihren Standpunkt gegenüber der Föderation zu überdenken. Sie erlauben der Sternenflotte sogar auf der "U.S.S. Defiant" eine Tarnvorrichtung anzubringen, wenn sie im Gegenzug mit Informationen über das Dominion versorgt werden. 2373 schicken sie eine Flotte zum Bajoranischen Wurmloch, als eine Invasion des Dominions befürchtet wird. Dies stellt sich jedoch als Falle heraus, mit der versucht werden sollte, große Teile der Flotten des Alpha-Quadranten zu zerstören. Kurzzeitig haben die Romulaner sogar einen Nichtangriffspakt mit dem Dominion, da sie ihr Reich nicht in einem Krieg zerstören wollen. Sie schlagen sich aber auf die Seite der Föderation und der Klingonen, als einer ihrer Senatoren scheinbar vom Dominion getötet wurde.
In Wirklichkeit sind sie allerdings auf eine List von Captain Sisko und dem Cardassianer Garak hereingefallen. Die Romulaner beschließen nach ihrem Beitritt zur Allianz, dass sie eine ständige romulanische Vertreterin auf DS9 brauchen. Kurz darauf bezieht Senatorin Cretak ihr Quartier auf der Station. Die Allianz steht aber auf wackeligen Beinen, auch wenn die Mehrheit des Romulanischen Beständigen Rates diese unterstützt, gibt es auch mächtige Gegenstimmen. Die Spannung zwischen Verbündeten wird verstärkt, als die Romulaner Waffen auf dem bajoranischen Mond Derna deponieren und es der Föderation nur unter großen Mühen gelingt, ihren Verbündeten in die Schranken zu verweisen. Die Romulaner sind an allen wichtigen Vorgängen während des Dominion-Krieges beteiligt. So helfen sie bei der Verteidigung des essentiell wichtigen Chin'toka-Systems mit und auch bei der Invasion von "Cardassia-Prime" 2375 stehen sie an der Seite der Klingonen und der Föderation.
Durch die Bedrohung des Dominions ist etwas möglich geworden, was man nicht geglaubt hätte. Die Romulaner haben gemeinsam mit der Föderation und den Klingonen gekämpft. Wie lange dieses neue Gefühl der Verbundenheit anhält, mag keiner genau sagen, aber als sicher gilt, dass mit dieser Allianz eine neue Zeit im Alpha-Quadranten angebrochen ist. Manche Optimisten mögen es vielleicht als Chance zu einem neuen gegenseitigen Verständnis sehen. Aber dies kann nur die Zeit zeigen.
Artikel geschrieben von Alexandra Wenk (aw); aktualisiert am 25.10.2004 [11900 Aufrufe; 0 Kommentare]