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Das Geld im 24. Jahrhundert

Von Peter Kollmann

"Die Wirtschaft der Zukunft funktioniert ein bisschen anders. Sehen Sie - im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld ... Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten, um uns selbst zu verbessern - und den Rest der Menschheit." So Picard in "Der erste Kontakt".

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Dem scheinbar im Widerspruch steht ein gewisser Barkeeper auf DS9, der sein ganzes Leben damit verbringt, in Gold gepresstes Latinum anzuhäufen. Im folgenden möchte ich versuchen, diesen Widerspruch aufzuklären.

Das Wirtschaftssystem, das Picard beschrieben hat, existiert natürlich tatsächlich. Allerdings erst seit dem 23. Jahrhundert, wie wir in der Voyager Episode "Das Ungewisse Dunkel" erfahren. Dies erklärt auch, warum Cyrano Jones in "Kennen Sie Tribbles" um Föderationsdukaten feilscht. Alle Ungereimtheiten, die in dieses Jahrhundert fallen, lassen sich dadurch ausräumen, dass es eine Übergangsphase zwischen der klassischen Marktwirtschaft und diesem neuen System gegeben hat.

"Heute", wie damals, gibt es drei verschiedene Ebenen, auf denen Handel getrieben wird: die unterste Ebene ist der Handel auf den einzelnen Planeten der Föderation. Das Wirtschaftssystem gehört zu den internen Angelegenheiten eines Volkes, weswegen die Föderation sich dort nicht einmischt. Sobald der Planet jedoch mit der höheren Ebene Handel treibt, nämlich der Föderation als Ganzes, greift das neue System, auf das ich unten weiter eingehen werde. Auf der dritten Ebene steht der Handel zwischen der Föderation und anderen Völkern. Auch darauf werde ich später eingehen.

Nun zu der Wirtschaft der Föderation im Detail.

Eine Gesellschaft, die über ein so hohes technisches Niveau wie die Föderation verfügt, hat wegen zunehmender Automatisierung logischerweise viele Arbeitslose. Man braucht heute eben niemanden mehr, der täglich die gleiche Schraube anzieht - das erledigt der Replikator. Und man braucht auch niemanden mehr, der mit Papier und Bleistift Zahlen addiert - das macht der Computer. Der Vorteil daran ist, dass der Mensch nur noch das arbeiten muss, was auch wirklich arbeiten will und es gibt immer noch genug Arbeiten, die den menschlichen Verstand und nicht etwa Computer-Algorithmen erfordern.

Die Maschine übernimmt in der Regel nur die Arbeiten, für die sich sowieso niemand finden würde. Und das wäre auch gut so, wenn nur die Leute, welche die oben genannten Jobs in früheren Zeiten ausgeübt hätten, nicht zu Arbeitslosen würden.

Hohe Arbeitslosigkeit ist natürlich nicht nur für den Staat schlecht, denn der muss jetzt große Mengen an Arbeitslosengeld aufbringen, auch für den Einzelnen wird der Druck immer größer, möglichst schnell möglichst viel Geld an sich zu raffen, um nicht nur jetzt leben zu können, sondern auch für die Zukunft vorzusorgen.

Die Menschen und auch die anderen Völker der Föderation sind inzwischen erwachsen geworden. Sie sind verantwortungsbewusst und denken nicht nur an ihren eigenen Vorteil, sondern auch an die Gesellschaft! Nur allein deswegen war es möglich, das Geld abzuschaffen - und das ist es auch, was die Föderation tat. Bei uns ist so etwas noch nicht möglich. (Und es ist fraglich, ob wir das jemals schaffen werden...)

Jeder, sei es nun ein Einzelner oder eine Fabrik, bekommt alles, was er oder sie benötigt, umsonst. Im Gegenzug dazu liefert die Fabrik ihre Produkte und der Einzelne seine Arbeitskraft ebenfalls völlig umsonst. Und das ist eben der Punkt, an dem wir heutzutage scheitern würden. In der Zukunft wird einfach nur das bestellt, was auch wirklich benötigt wird. Es gibt dafür keine besonderen Richtlinien, wie viel das nun genau ist. Jeder ist verantwortungsbewusst genug, das für sich selber zu entscheiden und das ist auch gut so.

Der eine kommt mit zwei Pullovern gut zurecht, der andere braucht zehn davon. OK. Tatsächlich funktioniert dieses System in der Föderation wunderbar und es gibt nur sehr wenige "Parasiten", die es missbrauchen. Spätestens sobald diese Leute jedoch anfangen, sich einen Palast aus dem Boden zu stampfen, wird man auf den Betreffenden aufmerksam und man verweigert einfach den Bau bzw. kürzt überhaupt seine Bestellungen.

In einer Gesellschaft, in der jeder theoretisch alles haben kann, fällt auch die Angeberei und das Prahlen mit dem eigenen Wohlstand weg und damit die Verschwendung von Ressourcen. Leute, die in unserer Zeit eben das getan hätten, werden in Zukunft das System nicht missbrauchen, da es ihnen keinen Vorteil verschaffen würde.

Nun zurück zur Arbeitslosigkeit. Wenn es kein Geld gibt, muss auch nicht jeder krampfhaft nach einem Job suchen, der möglichst viel Geld verspricht. In der Föderation ist so der Satz "Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung" nicht nur ein Satz in der Verfassung, sondern das Prinzip der Gesellschaft überhaupt geworden. Wenn z.B. ein Maler früher seine Bilder nicht verkauft hätte, weil er sie behalten möchte oder weil sich einfach niemand für sie interessiert, hätte er sich bei uns nach einem andern Job umsehen müssen, der ihm vielleicht gar keine Erfüllung bereitet. Aber er braucht ja Geld.

"Heute" malt er einfach weiter seine Bilder und ist dabei glücklich. Einer weniger, der einen Job sucht. Ob man nun Maler werden will oder Präsident der Föderation, man kann alles tun, ohne sich Sorgen um Geld machen zu müssen. Geld ist auch gar kein Anreiz mehr, denn was nützt einem Geld, wenn man selbst nichts dazulernt, keine neuen Erfahrungen sammelt? Wenn man sich zu Tode schuftet und keine Freizeit mehr hat? Wenn man viel Geld hat, aber nichts leistet?

Ja, die Leistung ist auch ein Leitprinzip in der Föderation. Man versucht auch, durch seine nun in der Perfektion möglichen Entfaltung, produktiv zu wirken und so etwas für die Gesellschaft als Ganzes beizutragen. Der Maler und der Präsident haben dabei vollkommen unterschiedliche Methoden, aber sie beide verfolgen dieses Ziel. Wie aber passt das Latinum in diese Welt?

Das Latinum findet nur auf der dritten Ebene Anwendung, dem Handel mit Welten außerhalb der Föderation. Die Föderation achtet nicht nur wegen der Obersten Direktive darauf, wen sie aufnimmt, sondern auch, um sich vor Wesen zu schützen, die nicht in das oben beschriebene System passen. Und die Ferengi würden das ganz gewiss nicht. Deswegen verwendet man beim Handel mit dem "Ausland" wieder Währungen. Die Föderation ist sehr wohlhabend und kann daher einen Teil ihrer Produkte verkaufen, um Geld in verschiedenen Währungen hereinzubekommen. Auf dieses Geld hat dann jeder Zugriff.

Für Geld gilt nichts anderes als für die anderen Produkte auch: Jeder kann soviel haben, wie er braucht, um mit "Ausländern" zu handeln. Im Gegenzug dazu schickt man auch alles Geld oder generell jeden Gewinn, den man selber nicht benötigt, zurück zur Föderation. Dieses Wirtschaftsmodell ist natürlich Sciencefiction, die Idee eines Träumers. Dies ist wohl auch der Grund, warum es in den zahllosen Episoden und Filmen nur angedeutet, aber nie richtig erklärt wurde.

Aber Träume braucht die Welt und wie "Star Trek" der Traum nach einer besseren Welt ist, so trägt die Tatsache, dass es dort kein Geld mehr gibt, dazu bei, diese Welt noch ein wenig verlockender zu machen.

Artikel geschrieben von Peter Kollmann (pk); aktualisiert am 25.10.2004 [11464 Aufrufe; 0 Kommentare]


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