Von Alexandra Wenk
Ich denke, dass viele von Ihnen das oberste Gesetz der Föderation, die sog. Erste Direktive kennen. Ich werde mich in dem heutigen Artikel damit auseinandersetzen und Ihnen anhand von Beispielen die Auswirkungen der Nichtbefolgung der Direktive zeigen.

In der Vereinten Föderation der Planeten gibt es ein strenges System aus Vorschriften und Richtlinien. Diese Vorschriften dienen unter anderem dazu, den Frieden innerhalb der Föderation zu wahren. Die wichtigste unter ihnen ist die Allgemeine Sternenflottenorder Nr.1, besser bekannt unter dem Namen 'Die Erste Direktive'.
Am meisten betrifft diese Regel die Captains und die Mannschaften der Forschungsschiffe der Sternenflotte. Da diese Schiffe neue Regionen erforschen, ist es sehr wichtig, dass sie die Erste Direktive befolgen. Die Direktive verbietet die Einmischung oder auch die Kontaktaufnahme mit einer Kultur, die noch nicht den Warpantrieb erfunden hat. Wenn eine Gesellschaft in der Lage ist mit Warpgeschwindigkeit fliegen zu können, ist sie nach der Meinung der Föderationsrichtlinien bereit für einen Erstkontakt, da sie dann auch den Weltraum erforschen kann und damit zwangsläufig erfährt, dass es andere Lebewesen gibt. Erst nach einem erfolgten Erstkontakt kann man in die Föderation aufgenommen werden.
Die Effizienz der Direktive als Schutz für die 'unterentwickelten' Kulturen darf nicht unterschätzt werden, auch wenn es im Laufe der Jahrhunderte auch schon mal die eine oder andere Übertretung gab. Aber die Direktive bleibt nach wie vor der Wegweiser, an dem sich die Captains zu halten haben und die sie in ihre Entscheidungen einbeziehen müssen. Aber warum wurde die erste Direktive überhaupt erschaffen und gilt als so wichtig?
Dies geschah aufgrund von Einmischungen in Prä-Warp-Kulturen, die weitreichende Folgen hatten. Die U.S.S. Horizon besuchte im 22. Jahrhundert den Planeten Sigma Iotia II und bewirkte durch Unachtsamkeit nicht wieder gutzumachende Schäden in der Entwicklung des Planeten. Dies geschah, weil die Crew das Buch "Chicago Gangsterbanden der Zwanziger" auf dem Planeten vergaß. Die Bewohner standen an der Schwelle zur Industrialisierung und wurden als sehr einfallsreich beschrieben. Als die U.S.S. Enterprise unter dem Kommando von Captain Kirk den Planeten 100 Jahre später wieder besuchte, fanden sie eine völlig veränderte Gesellschaft vor. Denn die Bewohner hatten ihre Gesellschaft an das Buch angepasst und somit ihrer Evolution eine ganz andere Richtung gegeben.
Dieses Beispiel erklärt auch, warum die Föderation so sehr auf die Einhaltung dieser Direktive erpicht ist, auch wenn es sie Raumschiffe und Crews kostet. Aber auch existieren Beispiele, in denen die Erste Direktive gebrochen wurde in dem Glauben, dass man durch eine weitere Einmischung die natürliche Ordnung einer Gesellschaft wiederherstellen könnte.
Ein Beispiel hierfür ist die Einmischung von Captain Kirk auf dem Planeten Tyree, als er dem Hügelvolk Steinschossgewehre besorgt, da die Klingonen ein Nachbardorf mit eben diesen Waffen ausgestattet haben und Kirk durch seine Gabe hofft, das Gleichgewicht der Kräfte wiederherzustellen. Sein Eingreifen in die Entwicklung des Planeten begründet er dadurch, dass er die Situation mit den irdischen Dschungelkriegen des 20. Jahrhunderts vergleicht, in den auch zwei Großmächte gegeneinander kämpften und keine von Beiden aufgeben wollte.
Dr. McCoy hat Vorbehalte gegen dieses Verhalten seinen Captains, da er befürchtet, dass auf dem Planeten ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte. Ein weiteres Problem ist in dieser Situation auch, dass man Völker, die nicht der Föderation angehören, nicht zwingen kann, die Erste Direktive zu befolgen. So mischen sich die Klingonen gerne in die Entwicklung nicht so fortschrittlicher Welten ein und plündern sie auch. Deshalb ist Kirk der Meinung, dass er das Recht hat, sich einzumischen.
Kirk ist einer der Captains, der sich des öfteren mal über die Order Nr.1 hinwegsetzt. Aber er tut dies nur, wenn er der Meinung ist, dass die Einmischung der Föderation nicht schlimmer sei als der momentane Zustand der Gesellschaft. So vernichtet er auf Gamma Trianguli VI den Maschinengott Vaal, der seine Untertanen unterdrückt (zumindest aus der Sicht von Kirk). Auf Ekos zerstört er ein Regime, das den Nazis nachempfunden wurde und durch den Föderations-Soziologe (ein solcher Mensch sollte es eigentlich besser wissen) John Gill unabsichtlich aufgebaut wurde.
Auch wenn die Direktive vorschreibt, dass man mit einer Prä-Warp-Zivilisation keinen Kontakt aufnehmen darf, ist es dennoch erlaubt, diese Kultur auszuspionieren, da sie vom wissenschaftlichen Interesse ist. Speziell zu diesem Zweck gibt es in der Sternenflotte zwei Verfahrensweisen der Beobachtung. In einer sehr dicht bevölkerten Umgebung ist die beste Methode der Beobachtung, wenn sich Sternenflottenangehörige sich verkleiden und sich sogar chirurgisch verändern lassen. So begibt sich beispielsweise Commander Riker auf die Welt Malcor III um zu untersuchen, ob die Malcorianer für einen Erstkontakt bereit seien. Als er aber während eines Aufstandes verletzt und in ein Krankenhaus gebracht wird, kommt seine wahre Identität an die Oberfläche. Dies zeigt, dass auch die unaufdringlichste Methode nicht sicher genug ist.
Ein anderes Beispiel ist Nikolai Roshenko, der Adoptivbruder von Worf, der sich chirugisch verändern lässt um das Volk der Boraalaner studieren zu können. Der Planet wird von plasmonischen Reaktionen betroffen, die sein Ende sein werden. Unter diesen besonderen Umständen missachtet Nikolai die Erste Direktive, als er zum Schutz der Bewohner einen Energieschild um ein Dorf errichtet. Picard weigert sich den Dorfbewohnern noch länger zu helfen, aber Nikolai bringt die Dorfbewohner heimlich auf das Holodeck der Enterprise.
Einer der Bewohner gelangt unabsichtlich aus dem Holodeck und nimmt sich das Leben, als er erkennt, das er sich auf einem Raumschiff befindet. Die restlichen Bewohner können auf eine neue Welt gebracht werden.
Die andere Möglichkeit der "Spionage" ist etwas komplizierter. Hierbei wird eine holographisch getarnte Einrichtung auf dem Planeten installiert. So geschieht es auch im Jahre 2366 auf Mintaka III. Als ein holographischer Generator versagt, bemerken die Mintakaner die Station. Die Lage spitzt sich zu, als sie Captain Picard für ihren Behüter, eine ihrer mythologischen Figuren, halten. Daher muss Picard sie über die wahre Lage der Dinge in Kenntnis setzen. Damit wissen die Mintakaner, dass es außer ihnen noch andere Lebewesen im Universum gibt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Erkenntnis ihre Evolution nachhaltig beeinflussen wird.
Es gibt natürlich noch mehr Verstöße gegen die Erste Direktive, die auch die (schädlichen) Auswirkungen einer Einmischung zeigen, aber ich möchte es bei diesen Beispielen belassen.
Zum Schluss noch kurz die Erwähnung der Folgen bzw. Filme, die sich vor kurzem mit dieser Problematik befassten. Da wäre zu einem "ST - Der Aufstand" und die "Voyager"-Folge "Es geschah in einem Augenblick".
Artikel geschrieben von Alexandra Wenk (aw); aktualisiert am 25.10.2004 [11216 Aufrufe; 0 Kommentare]