Es gibt nur wenige Serien, die den Begriff TV neu definierten. Eine dieser Serien war "Star Trek: Das nächste Jahrhundert", welche vor rund einem Jahrzehnt einen Phantastik-Boom im Fernsehen auslöste. Mit dem Cliffhanger "In den Händen der Borg" fand die Serie und das Fernsehen ihren vorläufigen Höhepunkt, der vom renommierten Kritiker Thomas Höhl unter die Lupe genommen wird.
Der renommierte deutsche "Star Trek"-Kritiker Thomas Höhl, bekannt geworden vor allem durch seine Artikel in "SpaceView" und seine "Babylon 5"-Verrisse, hat es sich seit Monaten zur Aufgabe gemacht, alle Episoden der legendären "Das nächste Jahrhundert"-Serie zu renzensieren.
Nun hatte er Zeit finden können, eine Kritik zu dem absoluten "Star Trek"-Klassiker "In den Händen der Borg" und der Fortsetzung "Angriffsziel Erde" zu verfassen.
Bei beiden Episoden bleibt dem "Star Trek"-Kenner der assimilierte Picard in Erinnerung, der von den Borg Locutus getauft, für die Borg sprechen soll, welche die gesamte Menschheit in ihr Kollektiv eingliedern wollen.
Thomas Höhl, bekannt durch seinen sehr analytischen und tiefgründigen Schreibstil, ist sich dem Wert dieser beiden Episoden bewusst und führt mit einer Beschreibung von diesem den Leser in die Renzension ein: ""In den Händen der Borg" ist und bleibt eines der großen Highlights, nicht nur von "Star Trek" sondern des Fernsehens allgemein. Als Zweiteiler ist diese Borgdoppelfolge ein eindrucksvoller TV-Film, der selbst bei wiederholtem Ansehen immer wieder fesselt und durch seine Eleganz, seinen spannenden Aufbau und seine stimmige Atmosphäre überzeugt. Heute ist das Fernsehen in Sachen Horror viel gewagter als 1990, dennoch gelingt es dieser Episode auch heute noch mit den sehr subtilen und zeitlosen Stilmitteln, glaubwürdig eine beklemmende Untergangsstimmung aufzubauen. "In dne Händen der Borg" wird daher auch in Zukunft jeder Modernisierung stand halten können."[...]""Best of Both Worlds" zeigte im Jahr 1990, welche Höhen die Science Fiction im Fernsehen erreichen kann. Die Serie hatte sich damit innerhalb von drei Jahren von einem sehr unbeholfenen "Spin Off" zu einem selbstbewussten und qualitativ hochwertigen Meilenstein in der Fernsehgeschichte entwickelt. Die Serie war auf ihrem Höhepunkt angelangt. Die Autoren hatten die Figuren im Griff, und sie wussten, wie man neue und bedrohliche Elemente ins "Star Trek"-Universum einführen konnte, ohne das Prinzip Roddenberrys zu verändern. "Best of Both Worlds" zeigte, was mit einem Fernsehbudget möglich ist. Ein Jahr später brach in den USA ein regelrechter SF-Boom im Fernsehen aus, von dem Phantastik-Fans noch heute profitieren. Doch obwohl die Raumschlachten immer bombastischer und die Kriege immer gigantischer wurden, wurde die atmosphärische Dichte von "Best of Both Worlds" weder in "Star Trek" noch in einer der anderen SF-Serien je wieder erreicht."Vor allem ist Höhl begeistert vom Picard-Schauspieler Patrick Stewart, dessen Schauspielkunst in diesem Doppelteiler er als "meisterhaft" bezeichnet. Auch zeigt er sich sehr hingerissen von der Tragik der Figur angesichts der scheinbar auswegslosen Lage:"Picards persönliche Konfrontation mit den Borg ist auch seine beste Szene in der ganzen Serie. Es ist ein eindrucksvoller, aber tragischer Kampf eines Individuums gegen ein erbarmungsloses Gedankenkollektiv. Picard spricht in dieser Szene für die Menschheit, er verteidigt Werte wie Selbstbestimmung und Freiheit, und er tut es mit aller Entschlossenheit. Es fällt auf, dass er dabei schließlich von "wir" spricht. Er geht ihm weniger um sich selbst als um die Menschheit, die er vertritt. Obwohl Picard kraftvoll und entschlossen wirkt, ist ihm seine Angst und Hoffnungslosigkeit anzumerken. Die Szene ist einfach aufgebaut. Man sieht nur Picard, der im Inneren des Borgwürfels einer leeren Halle gegenübersteht. Dennoch ist sie an Dramatik und Spannung kaum zu überbieten."Interessant ist, dass eine sogenannte Cliffhanger-Geschichte für die damalige Zeit noch Neuland war und "Star Trek" mitverantwortlich dafür war, Cliffhangers zu etablieren. Unter einem Cliffhanger versteht man ein Staffelfinale, welches beim Höhepunkt der Geschichte offen endet, die erst in der Premiere der nachfolgenden Staffel aufgelöst wird. ""In den Händen der Borg" war der erste große Cliffhanger in "Star Trek", und er war bei den Fans und Liebhabern der Serie ein voller Erfolg. Ob nun im Internet oder in Zeitschriften, es durfte nach Herzenslust über die Fortsetzung spekuliert werden. Heute ist es bei Phantastik-Serien eher ungewöhnlich, auf einen Cliffhanger zum Ende der Staffel zu verzichten; kaum vorstellbar also, dass die "Next Generation" damit regelrechtes Neuland betrat; aber so war es."Vor allem interessant ist es, dass "In den Händen der Borg" die meistdiskutierte "Star Trek"-Episode aller Zeiten war und bleibt. "Den ganzen Sommer über spekulierte das Publikum über den Fortgang. Der Cliffhanger erwies sich als genialer Werbegag für die Serie, und die Fortsetzung setzte einen neuen Quoten-Rekord. Später führte die Serie "Cheers" den "Staffel-Cliffhanger" bei den halbstündigen Comedy-Serien ein. "Die komplette sehr umfangreiche Rezension, in der Sie auch sehr viel über die Hintergründe erfahren, finden Sie unter diesem Link.
(sl); STVC-Meldung vom 04.11.2002; Quelle: Phantastische Welten
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