Herzlich Willkommen im STVC!

Community-Menü

Brücke Chat Forum TrekBay Wer ist online?


Newsinhalt

"Firefly" - oder um dort vorzustoßen, wo "Star Trek" hin wollte

"Firefly" ist die neue Sciencefiction-Serie, die aus den Federn des "Buffy"-Schöpfers Joss Whedon stammt. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte rund um die Serie und eine Beschreibung der ersten sechs Episoden.

In diesem September ging in den USA eine neue SF-Serie auf Sendung, die sich vornahm, dahin vorzustoßen, wo "Star Trek" eigentlich mal hin wollte: Eine Mischung aus Sciencefiction und Western, eine actionreiche, humorvolle Weltraum-Oper, bei der nicht Aliens oder wissenschaftliche Phänomene, sondern die Menschen selbst die Hauptrolle spielen sollten. Doch was "Buffy"-Schöpfer Joss Whedon mit dieser Premise kreiert hat, kann zweifelsohne als die beste SF-Serie seit Jahren bezeichnet werden!

Dabei war "Firefly" eigentlich nie mehr als ein kleines Lichtchen am Himmel der SF-Serien. Während "Andromeda" und "Enterprise" bei ihrer Premiere als großartige Hits vermarktet und schon vor dem Sendestart aufwändig beworben wurden, wurde Joss Whedons SF-Projekt nur still und heimlich angekündigt, um im Januar nächsten Jahres sozusagen als Halbzeit-Verstärkung eine möglicherweise bis dahin abgesetzte Konkurrenz-Serie auf dem US-Sender FOX zu ersetzen.

13 Episoden gab dieser bei Whedon in Auftrag und der "Buffy"-Schöpfer begann allmählich mit den Vorbereitungen. Doch dann, überraschend wie es immer kommt, trat der Ernstfall schon viel früher ein als geplant: FOX setzte trotz solider Quoten seine Prestige-Serie "Dark Angel" ab und schickte "Firefly" ohne große Warmlaufphase aufs Feld. Seit September schon schlägt sich Whedons SF-Western Freitag abendlich im amerikanischen TV-Markt, trotz mickriger Werbung zwar wacker, wie man sagen muss, aber dennoch nicht gerade berauschend. Fünf Episoden sind bis zum Stand dieses Artikels gelaufen könnten die georderten 13 vielleicht sogar die einzigen bleiben?

Es sieht so aus, denn "Firefly" hat mit seinem stabilen 3er Rating einen ganzen Punkt gegenüber der abgesetzten Dark Angel abgegeben und beschert dem FOX-Sender nicht mehr als den vierten Platz unter den großen Networks. Sollte FOX nicht doch noch ein Herz fassen und "Firefly" vielleicht auf einen anderen Sendeplatz verlegen, so sieht die Zukunft düster aus und das obwohl der Space-Western eigentlich alles andere als düster und qualitativ gar wie ein funkelnder Stern ist, der "Andromeda" und "Enterprise" verdammt alt aussehen lässt (erstere Serie ist in dieser Staffel ohnehin zu einem nichtssagenden Action-Quark verkommen aber dazu ein anderes Mal mehr). Die Effekte, die Sets, die Schauspieler und die Musik, in all diesen Punkten kann "Firefly" punkten, doch vor allem die Drehbücher sind es bislang, die sie von der Masse abheben.

Zurück zum Konzept: "Firefly" ist bewusst eine Mischung aus Sciencefiction und Western, die in einer Zukunft spielt, in der die Menschheit viele erdähnliche Planeten besiedelt, aber noch keine außerirdischen Rassen entdeckt hat. Ein Krieg zwischen der Erdallianz und freien Kolonien wurde von der Allianz blutig niedergeschlagen, was viele Menschen noch weiter in die Tiefen des Alls getrieben hat. Auf den oftmals staubigen und trostlosen Welten am Rande des Nichts herrschen wie einst im Wilden Westen andere Sitten und Regeln: Das Leben ist härter, die Menschen einfacher und Technologie zumeist kaum vorhanden. Pferde, Kutschen, einfachste Schusswaffen und raue Handarbeit sind auf diesen Grenzwelten alltäglich.

In dieser Szenerie fliegt der (unbewaffnete) Raumfrachter "Serenity" unter Captain Malcom Reynolds (Nathan Fillion) von Welt zu Welt, um jeden Auftrag anzunehmen, der Geld einbringt. Mal muss eine (in der Regel illegale) Fracht transportiert werden, mal steht ein anderer Auftrag beispielsweise ein Überfall auf dem Programm.

Wenn man über das Konzept von "Firefly" spricht, so kann man nicht oft genug den Begriff Space-Western verwenden, denn genau das ist es, was "Firefly" ist und zugleich auch zu etwas besonderem macht: Diese einzigartige Mischung aus SF- und Western-Elementen, die zugleich neu und interessant sind, Spannung und Atmosphäre aufbauen. Es tut beim Zusehen richtig gut, wenn eine Gefahrensituation weder durch knallbunte Weltraumschlachten oder übertriebene Lasergefechte à la "Andromeda" noch durch Diplomatie à la "Enterprise", sondern wie bei "Farscape" durch die Intelligenz der Hauptcharaktere gelöst wird, die in den (bislang) hervorragenden Drehbüchern immer einen überraschenden, aber zugleich nachvollziehbaren Weg finden, um zumindest sich selbst zu retten.

Denn darum geht es bei "Firefly": Es steht kein intergalaktischer Krieg wie in "Babylon 5" im Vordergrund, keine Forschungsmission und nicht der Weg nach Hause, sondern nur das tägliche (Über-)Leben der extrem unterschiedlichen Charaktere. Joss Whedon ist es dabei gelungen, in "Firefly" die wohl interessantesten Personen zu erschaffen, die seit langem in einer SF-Serie mitgespielt haben vor allem in der Gruppe. Den bisherigen Drehbüchern gelingt es, den Schauspielern witzige, locker flockige Dialoge in den Mund zu legen, die mit kleinen, ironischen Seitenhieben und neckischen Streitereien wesentlich natürlicher wirken als man es sonst aus der Sciencefiction kennt. Die Crew der "Serenity" ist eine große Familie, die in Krisensituationen zusammenhält, aber sich immer dann (gemeinsam) amüsiert, wenn einer von ihnen ins Fettnäpfchen tritt Episode 3 ist dafür ein sehr gutes Beispiel.

Neben einem ausgeprägten Humor ist da aber noch eine andere Seite der Menschlichkeit, die in "Firefly" eine große Funktion hat: Liebe und Sexualität. Nicht nur, dass mit Zoe und Wash von vornherein ein Ehepaar an Bord ist, auch zwischen der Mechanikerin Kaylee und Simon, dem Schiffsarzt, entwickelt sich schon bald eine Romanze. Und das Thema Sexualität wird immer dann direkt angesprochen, wenn Captain Reynolds und/oder Inara ins Bild rücken. Denn die schöne "Untermieterin" der "Serenity" ist ein Companion, eine Frau, die sich für Geld verkauft. Dass diese Personen aufgrund ihrer spirituellen Tiefe im "Firefly"-Universum hoch angesehen sind und einem strengen Codex folgen, ändert doch nichts an der Tatsache, dass es sich hierbei um Prostitution handelt.

Doch wie gesagt, das soll keine Kritik, sondern vielmehr ein Applaus an die Macher sein: In Zeiten, in denen "Enterprise"-Schöpfer Braga sich damit rühmt, dass Archer in der Episode "A Night on Sickbay" kindische Phantasien über T'Pol hat, geht Joss Whedon einen gekonnten Schritt weiter: Er zeigt uns Menschen, wie wir wirklich sind.

Die Charaktere

Malcom Reynolds (Nathan Fillion) ist der Inhaber und Captain der "Serenity", einem alten, unbewaffneten Frachtschiff, das er quasi im Schrott-Zustand gekauft und langsam ausgebaut hat. Malcolm war einst ein Captain des Militärs der freien Welten, das von der Allianz besiegt wurde. Die entscheidende Schlacht, die nur Malcolm und Zoe überlebt haben, war die Schlacht von "Serenity" daher der Name des Schiffes.

Zoe (Gina Torres) ist der erste Offizier des Frachters. Da sie bereits gemeinsam im Krieg gedient haben, redet sie Malcolm als einzigstes mit "Sir" an. Sie ist ihm treu untergeben, muss zugleich aber auch ihrem Ehemann Wash (Alan Tudyk) zur Seite stehen, der als Navigator an Bord ist. Beide Charaktere sind eher ruhig und besitzen einen trockenen Humor.

Inara (Moreena Baccarin) ist eine Companion, zu deutsch eine Prostituierte. Sie und ihre Arbeit werden stets als sehr spirituell dargestellt, zumal sie mit ihrem Shuttle, das sie von Malcolm gemietet hat, nur die Kunden besucht, die ihrer würdig sind. Inara ist relativ hoch angesehen und insgeheim in Malcolm verliebt auch wenn weder er noch sie das dem anderen eingestehen wollen.

Kaylee (Jewel Staite) ist die Mechanikerin des Schiffes, die ihren Job bekam, als sie mit dem vorherigen Mechaniker schlief. Malcolm erwischte die beiden und machte Kaylee für eine überfällige Reparatur verantwortlich, doch als das junge Mädchen mit wenigen Handgriffen das Schiff flugfähig bekam, feuerte Malcolm seinen Mechaniker und bot ihr den Job an. Kaylee verliebt sich relativ schnell in Simon, der ebenfalls Gefühle für sie entwickelt.

Doch der Schiffsarzt (Sean Maher), der aus einer reichen Familie kommt, hat noch andere Sorgen: Seine Schwester River (Summer Glow) wurde auf einer Akademie der Allianz psychisch verändert und obwohl Sean im Pilotfilm seine Schwester befreien konnte, werden sie noch immer von der Allianz gesucht. River scheint telepatische Fähigkeiten zu haben, ist aber von ihrem Gemüt her wie ein kleines, verstörtes Kind.

Die beiden anderen Charaktere sind Book, ein Priester, der scheinbar mehr ist als er zu sein vorgibt (Ron Glass), und Jayne (Adam Baldwin), ein muskelbepackter, einfach gestrickter Soldat, der für den arbeitet, der am meisten Geld zahlt. Zur Zeit ist das eben Malcolm.

Episodenführer

Pilotfilm: "Serenity"

Die Crew der "Serenity" landet auf einem Planeten, um Vorräte aufzufrischen und Passagiere für eine Reise mit an Bord zu nehmen. Neben dem Priester Book kommt auch der wohlhabende Arzt Simon an Bord mit einer mysteriösen Fracht. Erst als ein Kontrollschiff der Allianz die "Serenity" sucht, findet Captain Reynolds heraus, was die Fracht ist: Simons Schwester River, die er aus einer Akademie der Allianz befreit wurde. Offensichtlich wurden an ihr Experimente durchgeführt, welche die junge Frau ganz verstörten. Doch die Allianz will sie um jeden Preis zurück...

"Serenity" ist der 90-minütige Pilotfilm von "Firefly", der in dieser Form jedoch nie im Fernsehen gezeigt wurde, da die Senderbosse bei Fox der Ansicht waren, dass die komplexe, eher Action- und Humor-arme Geschichte die Zuschauer abschrecken würde. Schade ist jedoch, dass durch das Fehlen des Piloten den US-Zuschauern die Hintergrundgeschichte verloren gegangen ist, wie und warum Simon und River (bzw. auch Book) an Bord gekommen sind. Andeutungen in den kommenden Episoden ergeben so keinen Sinn. Für den 20. Dezember ist im US-TV jedoch die Ausstrahlung einer Episode namens "Serenity" vorgesehen ob es sich dabei aber um den Original-Piloten oder eine geschnittene Einzelepisode handelt, ist unklar. Kontinuitätsprobleme werden sich aber nur dann vermeiden lassen, wenn die Ereignisse als Rückblenden dargestellt werden.

Episode 1: "The Train Job"

Nachdem Mal mit Jayne und Zoe ausgerechnet am "Unification Day" eine der Allianz freundlich gesinnte Bar besucht und natürlich prompt in eine Schlägerei gerät, bekommt die Crew der "Serenity" den Auftrag, einen Zug der Allianz zu überfallen. Erst zu spät erkennt Mal, dass es sich bei dem Diebesgut um lebenswichtige Medikamente handelt und versucht alles ungeschehen zu machen...

"The Train Job" ist die erste Episode, die von "Firefly" ausgestrahlt wurde und gegenüber dem nicht gezeigten Pilotfilm enthält sie weitaus mehr Action und Humor. Allein die Anfangsszene, in der Malcolm scheinbar absichtlich in eine Schlägerei gerät, ist herrlich: Nachdem er, Jayne und Zoe an einen Abgrund gedrängt werden, taucht im Hintergrund die "Serenity" auf und droht: "You will go back inside or we will blow another crater into this little moon". Wenn die Crew später darüber lacht, da das Schiff unbewaffnet ist, muss man auch als Zuschauer schmunzeln.

Episode 2: "Bushwacked"

Die "Serenity" findet einen Transporter, der von Reavers überfallen wurde, einer Gruppe Menschen, die geistig und körperlich wie Ur-Menschen erscheinen. Doch einer der Überlebenden greift die Crew an und nur mit Mühe können sie ihn ausschalten. In diesem Moment erscheint ein Schiff der Allianz und macht die "Serenity" für den Überfall verantwortlich. Als die Offiziere an Bord kommen, ahnen sie bereits, dass sich auch Simon und River auf dem Schiff aufhalten...

"Bushwacked" ist eine spannende, eher ernste Episode, die sehr gut inszeniert wurde. Bis man genau weiß, was eigentlich los ist, hat sie bereits ihren Höhepunkt erreicht.

Episode 3: "Our good Mrs. Reynolds"

Die Crew der Serenity liefert Güter auf einen primitiven Planeten und als Dank lädt sie die Bevölkerung zu einem Fest ein. Natürlich wird viel getrunken und am Lagerfeuer tanzt Malcolm mit einer hübschen, jungen Frau. Als die "Serenity" jedoch am nächsten Tag aufbricht, ist eben diese Frau an Bord und behauptet durch den Tanz offiziell mit Malcolm verheiratet worden zu sein. Während die gesamte Crew sich köstlich über den Vorfall amüsiert, ist Malcolm gar nicht begeistert und will die Ehe wieder ungeschehen machen. Doch während Inaris' Eifersucht dem Zuschauer offenbart wird und Zoe und Wash sich wegen der Kochkünste von Malcolms Frau zanken, passiert das Schiff eine Piratenbasis...

Die dritte Episode von Firefly ist einfach nur herrlich: Die interessante, ungewöhnliche Geschichte, ein Hauch von Liebe und zu guter Letzt die vielen humorvollen Momente machen "Our good Mrs. Reynolds" zu einem Highlight der bisherigen Folgen.

Episode 4: "Jaynestown"

Die "Serenity" besucht einen Arbeitsplaneten, um heiße Ware abzuholen. Jayne hält sich unter einer Kaputze versteckt, da er einst den Aufseher der Stadt ausgeraubt hat, bei dessen Sohn Inari zugleich einen Termin hat. Doch als sich der Rest der Crew in einer Bar niederlässt, wird Jayne erkannt und überraschend als Held gefeiert. Was Jayne gar nicht geheuer ist, bringt die anderen nur zum Lachen und gemeinsam feiern sie spät in die Nacht wobei sich in betrunkenem Zustand auch die leidenschaftliche Kylee und der eher steife Simon näher kommen. Am nächsten Morgen stellt sich dann heraus, dass Jayne, der Held, nicht nur Freunde hat...

Auch diese Episode ist voll von Skurrilitäten und Humor. Herrlich die Szenen, in denen Jayne versteckt mitbekommt, wie sie Lieder zu seinen Ehren singen und wie er langsam die primitiven Arbeiter in sein Herz schließt. Nett ist auch die Nebenhandlung um Kaylee und Simon, der durch den Alkohol ein wenig aufgelockert wird.

Episode 5: "Out of Gas"

Auf der "Serenity" ereignet sich eine Explosion, die den Antrieb vernichtet und die Lebenserhaltung zerstört. Die Crew ist dem Untergang geweiht und verlässt schließlich das Schiff, auch wenn die Chancen dabei nicht besser stehen...

Die Inhaltsangabe trügt, denn die dort beschriebene Handlung wird in drei Zeitrahmen erzählt: Zu Beginn der Folge sieht man, wie Malcolm im Frachtraum des antriebslos treibenden Schiffes blutend zusammenbricht, dann wird Stück für Stück die Vorgeschichte erzählt. Nebenbei wechselt die Perspektive mehrere Monate zurück und zeigt, wie die anderen Crewmitglieder (außer denen, die im Pilotfilm an Bord kamen) bei Malcolm anheuern (unter anderem Kaylees "Einstellungsgespräch"). Insgesamt eine sehr spannende, sehr durchdachte Episode, die sowohl Action als auch Humor bietet.

Fazit

Die bislang gezeigten, fünf Episoden und der Pilotfilm, sind großartig erzähltes SF-TV. Von dem auf den ersten Blick merkwürdigen Konzept des Space-Western sollte man sich als Zuschauer nicht abschrecken lassen, denn die Charaktere, die natürlichen, witzigen Dialoge und die bislang großartigen Drehbücher machen "Firefly" zu einer herausragenden Sciencefiction-Serie.


Newsarchiv

Grafik: Abschnitt: Newsarchiv





Copyright