Das US-Boxoffice-Update für das Wochenende 13.-15.12.2002. Lesen Sie einen ausführlichen Bericht über die finalen Einnahmezahlen von "Nemesis" und der Konkurrenz. Ferner finden Sie auch eine Prognose und einen Kommentar.
Dieses Wochenende konnte Jennifer Lopez' neue romantische Komödie "Maid in Manhattan" den Weltraumstreifen "Star Trek X: Nemesis" auf die Plätze verweisen und sich an der nordamerikanischen US-Kinokasse den ersten Platz sichern, während der Film "Drumline" auf beeindruckende Art und Weise den dritten Platz erobern konnte.
"Maid in Manhattan" stellt Jennifer Lopez' größter Filmerfolg dar. Mit 18,7 Millionen US-Dollar übertraf die Pop-Diva ihren vorherigen Rekordhalter "The Cell", der "nur" 17,5 Millionen US-Dollar einspielen konnte. Mit Ralph Fiennes als Co-Star und Wayne Wang als Regisseur war der Film in 2838 Kinos gestartet und konnte pro Kino 6593 US-Dollar einnehmen.
Knapp 70% der Zuschauerschaft waren Frauen, während 54% davon über 25 Jahre alt sind. Kinogänger, die von "CinemaScore.com" befragt wurden, gaben "Maid in Manhattan" eine anständige Note von 2+.
Mit etwas Glück könnte "Maid in Manhattan" Jennifer Lopez' größter Erfolg werden und der erste Film von ihr sein, welcher die 100-Millionen-Dollar-Grenze überschreiten könnte.
Dicht dahinter landete Paramounts Sciencefiction-Action-Film "Star Trek X: Nemesis", der 18,5 Millionen US-Dollar einnahm und damit den schlechtesten Start für einen "Star Trek"-Film hinlegte (wenn die Einnahmezahlen der Vorgänger inflationsbereinigt werden). So nahm der Vorgänger "Der Aufstand" aus dem Jahre 1998 22,1 Millionen US-Dollar ein, "Der erste Kontakt" aus dem Jahre 1996 sogar 30,7 Millionen US-Dollar und "Treffen der Generationen" aus 1994 noch immerhin 23,1 Millionen US-Dollar ein.
"Nemesis" startete in 2711 Kinos und konnte pro Kino 6828 US-Dollar einnehmen - schwächer als erwartet. Das Studio hatte gehofft, dass die Vier-Jahres-Pause seit dem letzten Film und die Promotion-Aktion, welche diesen neuen Streifen als den letzten mit der "Das nächste Jahrhundert"-Crew hinstellte, für Neugierde und Aufregung unter den loyalen Trekkers sorgen könnte.
Paramount berichtete, dass 64% der Zuschauerschaft männlich und überwiegend über 25 Jahre alt ist. Fans scheinen zufrieden zu sein, denn einer Umfrage von "CinemaScore.com" zufolge gaben diese dem Film die Note 1-. Dennoch erscheint ein Langzeit-Erfolg unwahrscheinlich, da die Scifi/Fantasy-Zuschauerschaft schon Tickets für "Herr der Ringe II" bestellt hat, der am kommenden Mittwoch startet. Dazu kommt, dass "Star Trek"-Filme traditionell viele Zuschauer (Fans) am Eröffnungswochenende anziehen, die Einnahmen in den Wochen darauf aber sehr schnell einstürzen.
Erstaunlich erfolgreich ist FOX' Film "Drumline" gestartet, der mit 12,6 Millionen US-Dollar und begeisterten Besuchern (diese gaben dem Film die Note 1+) noch Dauergast in den Charts sein dürfte.
Auf einem vierten Platz landete "James Bond: Stirb an einem anderen Tag", der zum erfolgreichsten "James Bond"-Streifen in der 40-jährigen Franchise-Geschichte wurde. Der Film nahm am Wochenende 7,8 Millionen US-Dollar ein und kam auf eine Gesamteinnahme von 131,9 Millionen US-Dollar.
Der Film "The Hot Chick" über ein Teenager-Mädchen, welches sich plötzlich in dem Körper eines Mannes wiederfindet, konnte nur 7,4 Millionen US-Dollar einnehmen und musste sich mit einem 5. Platz an seinem Startwochenende zufrieden geben.
Weitere interessante Platzierungen sind:
- Platz 6: "Harry Potter 2" und 6,6 Millionen US-Dollar Einnahme. Der Film hat insgesamt schon 222,6 Millionen US-Dollar eingenommen und befindet sich auf dem 32. Platz der erfolgreichsten Filme aller Zeiten - dicht hinter "Rush Hour 2" mit 226,1 Millionen US-Dollar.
- Platz 9: Der Mega-Flop von "Disney" mit dem Namen "Der Schatzplanet" nahm am Wochenende nur 3,1 Millionen US-Dollar ein und kommt auf ein Gesamtergebnis von nur 27,9 Millionen US-Dollar. Bei einem zu erwartenden Endergebnis von nur 35-40 Millionen US-Dollar macht das Studio ungefähr 100 Millionen US-Dollar Verlust mit diesem Film.
- Platz 12: Der Überraschungshit des Jahres und die profitabelste Romantik-Komödie aller Zeiten - "My Big Fat Greek Wedding" - nahm dieses Wochenende 1,7 Millionen US-Dollar ein und kommt auf ein Gesamtergebnis von 215,6 Millionen Dollar. Nun mehr seit 35 Wochen in den Charts hat dieser Film einen beispiellosen Siegeszug hingelegt.
- Platz 21: Ebenfalls ein Flop ist "Solaris" von Star-Regisseur Steven Soderbergh ("Ocean's Eleven") und James Cameron ("Titanic") als Produzent. Der Film hat bis jetzt gerade mal läppische 15 Millionen US-Dollar eingenommen und dürfte seine Produktionskosten von 47 Millionen US-Dollar und 30 Millionen US-Dollar für Promotion kaum einspielen.
Kommentar
Es kommt, wie es kommen muss: "Star Trek X: Nemesis" wird höchstwahrscheinlich mit diesen miserablen Zahlen der letzte "Star Trek"-Film für eine lange lange Zeit bleiben. Nicht nur, dass schon am Mittwoch "Herr der Ringe II" in die Kinos kommt und damit die gesamte Aufmerksamkeit und auch die Zuschauerschaft von "Star Trek" auf sich lenken wird, auch ist ungewiss, ob "Star Trek Nemesis" mit diesem katastrophalen Eröffnungswochenende seine Produktionskosten jemals wieder einspielen wird. Der Film hat 70 Millionen US-Dollar gekostet und Paramount gab zusätzliche 33 Millionen für Promotion aus.
Was war schief gelaufen? Nun, "Star Trek" hat enorm an Popularität eingebüßt. "Star Trek" bleibt trotz allem im Kern eine TV-Franchise, die nach dem Ende von "Das nächste Jahrhundert" immer mehr an Boden verloren hat. Mit der schlechten neuen Serie "Enterprise" wurde der Franchise dann endgültig der Todesstoß versetzt und auch die loyalen Fans verschreckt (lesen Sie hierzu bitte meine Kolumne "Enterprise - die Vergewaltigung von Star Trek"). So gesehen haben einfach nicht mehr soviele Fans bei "Nemesis" zugesehen wie vor vier Jahren bei "Der Aufstand".
Zum anderen sind da natürlich die schlechten US-Kritiken von "Nemesis" zu nennen. Diese schwören das Ende von "Star Trek" herbei und zerreißen den Film gnadenlos. Daher ist es kein Wunder, dass Nicht-"Star Trek"-Fans abgeschreckt werden. Schon bei "Star Trek V: Am Rande des Universums" bedeuteten schlechte Kritiken den finanziellen Ruin des Films. Kritiken - vor allem solche in populären Zeitschriften - haben einen enorm großen Einfluss auf die Zuschauer. Meistens entscheiden diese, ob der Film ein Top oder Flop wird.
Außerdem war "Nemesis" zu einer sehr ungünstigen Zeit gestartet. Es ist noch immer ein Rätsel, warum Paramount den Film zu solch einer Zeit startet, in der es von Mega-Blockbustern nur so wimmelt. Die Zuschauerschaft hat einfach zuviele Alternativen und zu wenig Zeit zum Aufatmen. Denn weil gerade "James Bond" und "Harry Potter" gelaufen sind, werden die meisten Zuschauer nicht auch noch Geld für "Nemesis" ausgeben, sondern gleich auf "Herr der Ringe 2" warten. Ein Veröffentlichungs-Datum irgendwann in einer ruhigen Phase des nächsten Jahres wäre also weitaus passender gewesen, da "Star Trek" nun einmal kein Abräumer an der US-Kinokasse war und ist.
Auch ist das Sciencefiction-Genre in diesem Jahr genug ausgereizt. Filme wie "Star Wars: Episode 2", "Men in Black II" und nicht zuletzt "Minority Report" haben den Appetit der Zuschauer längst gestillt, so dass kein Bedarf mehr nach "Nemesis" besteht. "Nemesis" gegen Jennifer Lopez zu starten ist auch eine falsche Entscheidung - mag sein, dass Fans "Nemesis" vorziehen, doch wie steht es mit der Masse? Diese zieht natürlich die derzeit wohl angesagteste Künstlerin vor.
Ein Flop ist "Nemesis" zwar noch nicht, dafür ist es zu früh, denn das zweite Wochenende entscheidet. Doch mit dieser wirklich enttäuschenden Startbilanz sieht es mit "Herr der Ringe 2" im Rücken sehr düster aus.
Prognose
Eine Prognose ist wirklich sehr schwierig abzugeben, vor allem wenn man nicht weißt, ob die Zuschauerschaft dieses Wochenende schon alle Fans darstellt oder ob noch einen Großteil dieser sich den Film später anschauen wird - was aber unwahrscheinlich ist. Mit dem Start von "Herr der Ringe 2" kann man aber nur einen Absturz prophezeien. Doch sollte man dennoch hoffen, dass die Zahlen einigermaßen stabil bleiben.
Wie schnell die "Star Trek"-Filme abstürzen können, sei anhand eines folgenden Beispiels dargestellt:
"Star Trek VIII: Der erste Kontakt" nahm an seinem ersten Wochenende zwar astronomische 30,7 Millionen US-Dollar ein, am zweiten noch immerhin 25,5 Millionen US-Dollar - stürzte somit um 17,03% ab - doch dann, in der dritten Woche, kam ein Sturz von sage und schreibe 74,06% und der Film kam auf eine Einnahme von nur 6,6 Millionen US-Dollar.
Nicht besser war es bei "Star Trek IX: Der Aufstand". An seinem ersten Wochenende nahm dieser Film 22,1 Millionen US-Dollar ein, aber dann in der zweiten Woche stürzte der Film bereits um 62,32% im Vergleich zur Vorwoche ab und kam auf eine Einnahme von nur 8,3 Millionen US-Dollar.
Inwieweit "Nemesis" sich halten kann, ist eine andere Geschichte, doch entscheidend ist das zweite Wochenende alle Mal. Sollte "Nemesis" seine 18 Millionen US-Dollar mehr oder weniger halten können, kann man davon ausgehen, dass der Film zumindestens seine Produktionskosten wieder einspielen und somit keine Verluste für Paramount erzeugen wird.
Wie immer gibt es erste Zahlen bereits am Sonntag, wenn nicht gar früher. Finale Zahlen sind immer erst Montag Abend abrufbar. Als "Star Trek"-Fans sollte man also das Beste für die kommende Woche hoffen!
US Top 21
Plazierung - Titel - Wochenend-Einnahme in Millionen - Gesamteinnahme in Millionen
01. Maid in Manhattan - $18,7 - $18,7
02. Star Trek: Nemesis - $18,5 - $18,5
03. Drumline - $12,6 - $12,6
04. James Bond: Stirb an einem anderen Tag - $7,8 - $131,9
05. The Hot Chick - $7,4 - $7,4
06. Harry Potter 2 - $6,3 - $222,6
07. Analyze That - $5,5 - $19,8
08. The Santa Clause 2 - $4,1 - $125,4
09. Der Schatzplanet - $3,1 - $27,9
10. Empire - $3,0 - $10,9
11. Eight Crazy Nights - $1,8 - $22,6
12. My Big Fat Greek Wedding - $1,7 - $215,6
13. 8 Mile - $1,4 - $113,4
14. The Ring - $1,3 - $125,4
15. Friday After Next - $1,3 - $31,1
16. Frida - $0,87 - $18,5
17. They - $0,84 - $12,2
18. The Emperor's Club - $0,78 - $13,0
19. Far From Heaven - $0,72 - $8,0
20. Bowling for Columbine - $0,56 - $13,8
21. Solaris - $0,54 - $14,6
Alle Zahlen von "Boxofficeguru.com".
(sl); STVC-Meldung vom 17.12.2002; Quelle:
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