Der vorerst letzte Versuch der Europäer, in der bemannten Raumfahrt Fuß zu fassen, ist gescheitert. Die Amerikaner haben das Gemeinschaftsprogramm X-38 zur Entwicklung eines "Rettungsbootes" für die "ISS" zu den Akten gelegt.
Zwar hat es eine Reihe europäischer Initiativen zur Entwicklung eigener bemannter Raumfahrzeuge gegeben. Die wichtigste war der kleine Raumtransporter "Hermes", der 1985 in Angriff genommen wurde und auf der "Ariane 5" starten sollte. Doch das Projekt wurde einige Jahre später wie so viele andere wegen finanzieller und technischer Probleme gestoppt.
Die europäischen Forschungsminister wollen auf einer Ratstagung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) im März darüber Entscheiden, ob eine neue europäische Initiative in Sachen bemannter Raumfahrt in Bewegung gesetzt wird. Auf ihrem Tagungsprogramm findet sich beispielsweise das "Future Launcher Transportation Programm". Zur Debatte steht dabei unter anderem, ob das bislang deutsche Raumtransporterprojekt "Phoenix-Hopper", das zur Entwicklung eines modernen Raumtransportersystems führen soll, auf die europäische Ebene gehoben werden kann.
Doch die Bundesrepublik Deutschland wird kaum mitziehen. Das ist einmal auf Grund der katastrophalen Kassenlage in Berlin zu erwarten. Zum anderen konnte sich bislang noch keine Bundesregierung, welcher Couleur auch immer, für die bemannte Raumfahrt begeistern.
Aber im neuen Jahr könnte den europäischen Bemühungen um die bemannte Raumfahrt jedoch von völlig unerwarteter Seite Hilfe zukommen. Denn auf Europas Weltraum-Startgelände in Kourou in Französisch-Guayana bereitet man sich nach einigen politischen und finanziellen Schwierigkeiten jetzt darauf vor, Abschussvorrichtungen für die russische "Sojus"-Rakete zu errichten.
Sie soll für relativ geringe Kosten jene Satelliten ins All bringen, die von der europäischen "Ariane" aus Gewichts- oder anderen Gründen nicht optimal transportiert werden können. Davon würden Russen und Franzosen gleichermaßen profitieren, da die "Sojus"-Rakete seit 1998 vom europäisch-russischen Konsortium Starsem vermarktet wird.
Andererseits ist die "Sojus" jedoch jene mit bisher mehr als 1500 Starts altbewährte Rakete, mit deren Basisversion schon Juri Gagarin am 12. April 1961 ins All geschossen wurde. Auch heute noch werden die russischen Kosmonauten und ihre Gäste mit der "Sojus" von Baikonur in Kasachstan aus in den Weltraum und auf die "ISS" verfrachtet.

