"Washington Post" berichtete gestern, dass das State Department den mittlerweile unter Führung von Boeing stehenden Satellitenhersteller "Hughes Space and Communcations" angeklagt habe, empfindliche Raumfahrttechnologien in den 90ern an China weitergegeben zu haben.
Das amerikanische Außenministerium hat zwei der größten Raumfahrt-Gesellschaften, Hughes Electronics Corp. und Boeing Satellite Systems Inc., angeklagt, in den 1990ern illegal geheime US-Raumfahrt-Technologie nach China verkauft zu haben, die Peking beim Bau ihrer Interkontinental-Raketen geholfen haben könnten.
Wenn ein Bundesrichter und ein später auch ein hoher Beamter des Außenministeriums das 32 Seiten lange "Anklage-Papier" bestätigen, könnte die Firmen mit einer Strafe bis zu einer Höhe von 60 Mio. US-Dollar belegt werden. Außerdem droht ihnen das Verbot, bis zu drei Jahre lang keine kontrollierte Technologie an das Ausland verkaufen zu dürfen. Das wäre etwas, unter dem besonders Boeing leiden würde.
Die beiden Firmen weisen die Anschuldigungen energisch zurück. Der Fall begann 1995 mit einer Serie von fehlgeschlagenen Weltraum-Raketenstarts in China. Angestellte von Hughes sind angeklagt, den Chinesen detaillierte Informationen gegeben zu haben, um ihnen dabei zu helfen, warum die Raketen kurz nach dem Start versagten.
Die Raumfahrtabteilung von Hughes Electronics, die dafür verantwortlich sein soll, wurde im Jahr 2000 von Boeing für 3,7 Mrd. US-Dollar aufgekauft. Die beiden juristischen Personen, die vom Außenministerium letzte Woche beschuldigt wurden, sind die Mutterfirma von Hughes und die Abteilung bei Boeing, die die frühere Hughes Raumfahrtabteilung aufgekauft hat.
Die chinesische Raumkapsel "Shenzou 4" ist unterdessen seit 3 Tagen im Erdorbit und funktioniert einwandfrei. "Shenzou 5" ist bereits in der Testphase und soll in der zweiten Jahreshälfte bemannt starten.

