Die Gravitation breitet sich mit Lichtgeschwindigkeit aus. Zum ersten Mal ist es Forschern gelungen, die Geschwindigkeit der Schwerkraft zu messen. Das mit Hilfe des Gasplaneten Jupiter gewonnene Ergebnis bestätigt die Vermutungen Einsteins. Über ihre Ergebnisse berichteten die Forscher bei einem Treffen der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Seattle.
Vor fast neunzig Jahren veröffentlichte Albert Einstein eine Arbeit, die das Verständnis des Universums grundlegend verändern sollte: die Allgemeine Relativitätstheorie. Das famose Formelwerk korrigierte auch einen Irrtum des Vordenkers Isaac Newton. "Newton dachte, die Schwerkraft würde unmittelbar wirken", erklärt der Physiker Sergei Kopeikin. "Einstein nahm dagegen an, dass sie sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet".
Für ihre bislang beispiellose Messung bedienten sich Sergei Kopeikin von der Universität in Columbia und Ed Fomalont vom nationalen Observatorium für Radioastronomie in Charlottesville des Planeten Jupiter. Während dieser durchs Blickfeld zog, beobachteten die Forscher mit mehreren zusammengeschalteten Teleskopen das Licht eines Quasars. Die von Jupiter ausgehende Gravitationskraft lenkte das Licht dieses hellen Zentrums einer weit entfernten Urgalaxie minimal ab. Daraus konnten die Wissenschaftler die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Schwerkraft berechnen.
Das Ergebnis: Die Gravitation breitet sich sehr wahrscheinlich mit Lichtgeschwindigkeit aus, wie es bereits Albert Einstein in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt hatte. Für Physiker kommt dieses Resultat daher nicht überraschend. Doch hätte die Allgemeine Relativitätstheorie die fundamentale Theorie der Schwerkraft und des Universums als Ganzes umgeschrieben werden müssen, wären die Wissenschaftler zu einem anderen Ergebnis gelangt.
Anhand dieser Beobachtung konnten Kopeikin und Fomalont tatsächlich die unbekannte Größe berechnen: "Die Auswertung der Daten ergab, dass die Stärke der Schwerkraft des sich bewegenden Planeten Jupiter am besten mit einer Ausbreitungsgeschwindigkeit der Gravitation von 0,95 mal der Lichtgeschwindigkeit übereinstimmt, plus oder minus 0,25.
Das Resultat untermauert nicht nur Einsteins Vermutung, es könnte auch wichtig sein für Physiker, die an vereinigten Theorien des Makro- und Mikrokosmos arbeiten.

