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"Enterprise" mit weiterhin niedrigen US-Quoten

Nach drei Wochen Pause meldet sich "Enterprise" zurück und startet mit der vieldiskutierten AIDS-Episode "Stigma" in den wichtigen Februar-Sweep-Monat. Doch sind die US-Quoten weiterhin niedrig und enttäuschend. Lesen Sie einen ausführlichen US-Quoten-Bericht mit Analyse und Kommentar.

Es steht wirklich nicht gut um die neue "Star Trek"-Serie "Enterprise". Die letzte, von verschiedenen Medien hochgelobte, AIDS-Episode "Stigma" schaffte es nicht, die Serie aus dem Quotenloch der zweiten Staffel herauszuführen und fährt zum wiederholten Male eines der schlechtesten Overnight-Ratings der Seriengeschichte ein. Nur eine minimale Steigerung gegenüber dem Vorgänger (0,1 Punkte) vermochte "Stigma" zu erbringen.

"Stigma" erlangte am vergangenen Mittwoch-Abend ein Overnight-Rating von nur 4.2 bei 6% Marktanteil und landete auf einem gewohnten fünften Platz - wie immer vor einer neuen Episode von "Dawson's Creek" auf dem WB-Sender, die ein Overnight-Rating von 3.5 bei 5% Marktanteil erzielen konnte. Die finalen Einschaltquoten berücksichtigen alle TV-Märkte in den USA. Die Zahl wird in Haushaltspunkten angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte. Bei einer finalen Einschaltquote von 3.2 sahen also rund 3,2% der US-TV-Haushalte "Enterprise". Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 6% bedeutet also, dass 6% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender.

Die Zuschauerzahl in Millionen gibt schließlich an, wieviele Zuschauer (nicht Haushalte) tatsächlich eingeschaltet haben. Die Overnight-Ratings sind Vorabquoten, da sie nur die 37 wichtigsten TV-Märkte berücksichtigen und daher nur als Indiz für die finale Quote gewertet werden können - nicht mehr und nicht weniger. Dabei werden die Zahlen in Haushaltspunkten/Marktanteil angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte.

Ein Overnight-Rating von 4.2 entspricht also 4,2% der gesamten US-TV-Haushalte. Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 7% bedeutet also, dass 7% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender.

Ein Sweep-Monat ist ein Monat, in dem die Einschaltquoten von Serien getestet werden, um die Werbepreise festzulegen. Die Sender strahlen in diesen Monaten (November, Februar, Mai) die vielversprechendsten Episoden ihrer Serien aus, um besonders hohe Einschaltquoten zu verbuchen.
Platz Vier im 20-Uhr-Sendeblock geht an "Ed" des Senders NBC mit einem Overnight-Rating von 6.7 bei 10% Marktanteil.

Dritter Platz geht an die Kombination der Serien "My Wife and Kids" und "The George Lopez Show" des Senders ABC.

Zweiter wurde "Price Is Right" des Senders CBS, während der Sieger im 20-Uhr-Sendeblock die Kombination aus "That '70s Show" (7.4 bei 11% Marktanteil) und der amerikanischen Version von "Deutschland sucht den Superstar", "American Idol" (10.9 bei 16% Marktanteil), wurde.

Analyse

"Stigma" ist eine Enttäuschung. Als Start in den wichtigen Sweep-Monat Februar gedacht, konnte die Episode nur ein enttäuschendes Ergebnis einfahren. Vor allem wenn man die positiven Kritiken zu der Episode liest und das gestiegene Medieninteresse um die AIDS-Episode berücksichtigt, ist das Ergebnis schlicht erbärmlich. "Stigma" teilt sich mit "Precious Cargo" die Ehre, die Episode mit dem zweitschlechtesten Overnight-Rating (4.2) zu sein, nur "Dawn" (4.1) konnte das schlechte Ergebnis noch unterbieten ("Vanishing Point" nicht mitgezählt, da diese Episode einen Abend vor Thanksgiving ausgestrahlt wurde, an dem traditionell schlechte Quoten herrschen).

Der Grund für diese niedrigen Einschaltquoten ist nicht nur der allgemeine schlechte Ruf von "Enterprise", sondern die "American Idol"-Serie, die amerikanische Variante von "Deutschland sucht den Superstar". Denn diese Serie startete zeitgleich mit "Enterprise" und lockte selbstverständlich Zuschauer von der Serie weg. Ferner ist "Stigma" die erste Erstausstrahlungsepisode seit drei Wochen.

Zumindest sind die Einschaltquoten nicht weiter gesunken, wenn diese auch auf dem derzeitigen Niveau weiterhin enttäuschend sind.

Kommentar

Kommt jetzt die Wendung? Haben die Macher endlich eingesehen, dass das bisherige Experiment "Enterprise" gescheitert ist und besinnen sich zurück? "Stigma" ist die erste "Star Trek"-Episode seit langem, welche sich einem Gegenwarts-Thema widmet. Und damit nicht genug, die folgende Episode "Cease Fire" soll in ihre Fußstapfen treten.

Haben die Macher endlich eingesehen, dass mehr Action und mehr Sex sowie mehr Massenmarkttauglichkeit "Star Trek" eher schadet denn nützt? Haben diese endlich eingesehen, dass die fallenden Einschaltquoten Bände sprechen und ein deutliches Signal dafür sind, dass das, was diese momentan abliefern, bei der Zuschauerschaft nicht ankommt und in dieser Form schon woanders viel besser gemacht wurde?

Bedeutet "Stigma" Rückbesinnung? Wir können nur hoffen, wir können nur hoffen, dass die kommenden Episoden weitaus mehr zu bieten haben als flache Action und dass "Enterprise" endlich über dem Durchschnitt hinauswächst.

Zwar wurde diese Rückbesinnung weiterhin mit niedrigen US-Quoten quittiert, doch sollte dies die Macher nicht davon abhalten, intelligentere Episoden zu produzieren und mehr zu wagen. Ferner kann man nicht von heute auf morgen astronomische US-Quoten erwarten, zu schwerwiegend ist noch die Wunde, die "Enterprise" "Star Trek" und sich selbst zugefügt hat, weshalb sich die Serie nun umso mehr auf die Heilung konzentrieren sollte und mit Episoden wie "Stigma" ist sie auf alle Fälle auf dem richtigen Wege.

Eine ausführliche Schilderung der "Enterprise"- und "Star Trek"-Situation allgemein finden Sie in unseren sehr beliebten Kolumnen "Enterprise - die Vergewaltigung von Star Trek" und "Nemesis - die Vergewaltigung von Star Trek geht weiter".

Hinweis

Bitte bedenken Sie, dass es sich hierbei lediglich um die Overnight-Ratings (Vorabquoten) handelt. Finale Zahlen sind in einer Woche abrufbar.

(sl); STVC-Meldung vom 07.02.2003; Quelle: [1293 Aufrufe; 0 Kommentare]

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