Heute um 20:15 Uhr feiert die fünfte "Star Trek"-Serie auf Sat.1 ihre Free-TV-Premiere. "Enterprise" wird mit "Aufbruch ins Unbekannte" ihren heißerwarteten zweistündigen Einstand geben. Lesen Sie, was Sie heute abend erwartet.
Inhalt
Nach Jahrzehnten der Zurückhaltung in der Weltraumerforschung, verursacht von den Vulkaniern, startet die Menschheit nun ihre erste interstellare Reise mit Captain Jonathan Archer an der Spitze der "Enterprise NX-01". Die erste Mission der "Enterprise"-Crew ist es, einen verletzten Klingonen zurück in seine Heimat zu bringen - das erste Mal, das die Menschheit dieser Rasse überhaupt begegnet. Aber als eine böse Spezies, Suliban genannt, den Klingonen kidnappt, muss die Crew einen unerwarteten Umweg in eine andere Welt machen, um ihre "Fracht" wiederzuerlangen - und verhindern vorerst eine schwere diplomatische interstellare Krise...
Kurzkritik
Lange mussten die deutschen "Star Trek"-Fans auf die Free-TV-Ausstrahlung von "Enterprise" warten, doch heute Abend ist es endlich soweit, denn dann startet der Pilotfilm zur mittlerweile fünften "Star Trek"-Serie.
Mit "Aufbruch ins Unbekannte" ist den "Star Trek"-Machern ein sehr zwiespältiges Werk gelungen. Auf der einen Seite beeindruckt der Pilot mit Produktionsqualität auf Kinoniveau, auf der anderen Seite aber vermisst der Kenner die "Star Trek"-Werte fast vollständig.
Was herauskommt ist ein bunter Mix aus viel Action, einer letzten Endes nichtssaussagenden Story und hochkarätigen Specialeffects.
Vor allem wenn man die aktuelle Situation von "Star Trek" betrachtet, muss man feststellen, dass "Aufbruch ins Unbekannte" ein Aufbruch ins Verderben ist, zumal "Star Trek" hier zwar anders, aber deutlich reduzierter ist als es in den vergangenen Serien der Fall war.
"Star Trek" hat mit dem Beginn von "Enterprise" deutlich kapituliert und ist amerikanischer als die Serien zuvor. War man bei "Raumschiff Voyager" noch mutig, einer Frau die Führungsrolle zu geben, hat in "Enterprise" wieder ein Mann das Sagen, der sehr egoistisch daherkommt und seine eigenen Werte über die der Fremden stellt. Zwar weit über dem Niveau der katastrophalen "Andromeda"-Serie, aber vom Prinzip her dasselbe.
"Star Trek" hat mit dem Beginn von "Enterprise" auch endgültig seinen Status, für anspruchsvolles Fernsehen zu stehen, verloren. In "Aufbruch ins Unbekannte" ist außer einer Klingonenverfolgung im Endeffekt nichts drin. Tiefgang wird durch "coole" Actionsequenzen übertüncht und man vermisst schmerzhaft das frühe "Star Trek", das nicht nur das Auge, aber umso mehr die grauen Zellen erfreute.
Wie man zu all dieser Abkehr steht, ist einem selbst überlassen. Fest steht jedoch, dass "Star Trek" mit dieser Reduzierung nichts mehr herausragendes im TV ist. Und im weiteren Verlauf, spätestens nach der Episode "Der kalte Krieg", wird man von den banalen Episoden überrascht und gleichzeitig geschockt sein. Die sinkenden US-Quoten sind hierbei nur Nebensache...
Bei "Aufbruch ins Unbekannte" gibt es produktionstechnisch nichts zu beanstanden. Selten wurde ein "Star Trek"-Pilotfilm mit soviel Aufwand und Mühe produziert. Doch dies ist bei "Star Trek" nichts neues. Der Retro-Look ist extrem gut gelungen, das Schiff wirkt eng und verletzlich, doch das Problem ist, dass der Retro-Look beabsichtigt düster geraten ist. Zu einer Zeit wie dieser, in der Krieg und Terrorismus an der Tagesordnung stehen, sehnen sich die Zuschauer nach Harmonie und einer besseren, helleren Zukunft. Doch dies wird von der "Enterprise" nicht vermittelt - ganz im Gegensatz zu der "Enterprise-D", die den Eindruck eines gemütlichen Zuhause vermittelte und zum wöchentlichen Besuch einlud. "Enterprise" hingegen vermittelt einen sehr militärischen Eindruck - ob der heutige Zuschauer so etwas sehen will?
Von der Schauspielerseite her gibt es wenig zu beanstanden. Bis auf Scott Bakula alias Captain Archer und Anthony Montgomery alias Fähnrich Mayweather sind die Rollen wie in den "Star Trek"-Serien zuvor hervorragend besetzt - erfreulich, dass die Produzenten hier keinen Einschnitt durchgeführt haben. T'Pol konnte mit Jolene Blalock nicht besser besetzt werden, Doktor Phlox wird überzeugend von John Billingsley dargestellt, "Trip" Tucker - die vielleicht sympathischste Figur - wird großartig von Connor Trinneer gespielt und Linda Park spielt, als wäre sie immer schon Hoshi Sato.
Das Problem bei Captain Archer und Fähnrich Mayweather sind die Schauspieler und ihre Rollendefinitionen. Captain Archer kommt zu arrogant herüber und Mayweather wird sehr ausdruckslos von Montgomery gespielt.
Welch eine Ironie, dass "Enterprise" im Kern eine "Raumschiff Voyager"-Kopie ist. Die Besetzung der Stammcrew erinnert stark an die "Voyager"-Crew. Von T'Pol (Seven) bis Doktor Phlox (Holo-Doktor) finden sich Pendants auf der "Voyager" wieder, was zeigt, dass so schlecht und eindimensional die "Voyager"-Charaktere nicht sein können, anderenfalls würde sich "Enterprise" kaum davon inspirieren lassen.
Insgesamt gesehen ist "Aufbruch ins Unbekannte" ein spannender und actionreicher Auftakt zu einer neuen "Star Trek"-Serie, die den Titel "Star Trek" im Titel aber aufgrund ihrer Inhaltsleere nicht verdient hat und daher es eine gute Entscheidung der Produzenten war, diesen wegzulassen. Fans werden den Pilotfilm mögen, da er "Star Trek"-untypisch daherkommt und schon aufgrund dieser Abwechslung einen Seher wert ist. Doch wie es um die Langzeitunterhaltung bestellt ist, muss jeder für sich entscheiden.
Wenn Sie auf leichte Scifi-Kost a la "Stargate" oder sogar "Andromeda" stehen, sind Sie bei "Enterprise" goldrichtig. Wer jedoch tiefgründigere Sciencefiction mag, der wird nicht lange bei der Serie bleiben. Man kann nur hoffen, dass die zukünftigen Episoden ein wenig mehr "Star Trek" werden, denn was Inhalte angeht, braucht "Star Trek" kein Retro. Alles in allem trotzdem empfehlenswert. Note 3+
Sat.1 - 15.03.2003, 20:15 Uhr: "Aufbruch ins Unbekannte", Pilotfilm zur Serie "Enterprise", Sciencefiction, USA 2001.
(sl); STVC-Meldung vom 14.03.2003; Quelle:
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