Ein Team europäischer Astronomen beobachtete den Stern HD209458b, der seine Sonne in nur 3,5 Tagen in einem Abstand von 7 Millionen Kilometern einmal umkreist, mit dem "Hubble"-Teleskop. Sein Schicksal: Seine Atmosphäre entweicht. Wie ein Komet zieht der Riesenplanet dabei einen Schweif hinter sich her. Die Forscher vermuten, dass HD209458b 10.000 Tonnen Wasserstoff pro Sekunde verliert.
Mit Hilfe des Hubble-Weltraumteleskops ist es Astronomen erstmals gelungen, das Verdampfen der Atmosphäre eines extrasolaren Planeten zu beobachten. Auf Dauer, so glauben die Forscher, könnte ein großer Teil dieses Planeten verschwinden und lediglich ein dichter Kern zurückbleiben. Bei der fernen Welt handelt es sich um einen so genannten "heißen Jupiter", also einen Gasriesen in sehr naher Umlaufbahn um seine Sonne.
Direkt beobachten konnten die Astronomen die Atmosphäre des 150 Lichtjahre von der Erde entfernten Planeten freilich nicht. Sie mussten sich vielmehr mit einem Trick behelfen: So wie sich das Sonnenlicht bei einem Sonnenuntergang auf dem Weg durch die Erdatmosphäre rot färbt, verändert auch die Atmosphäre des Planeten das Sternenlicht auf seinem Weg zur Erde. Diese feinen Abweichungen konnten die Wissenschaftler mit ihren hochempfindlichen Messgeräten nachweisen und daraus Rückschlüsse auf die Atmosphäre des Planeten ziehen.
Über ihre Entdeckung berichtete das hauptsächlich europäische Team unter der Leitung von Alfred Vidal-Madjar (Institut für Astrophysik des CNRS in Paris) in der heute erscheinenden Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature". "Uns überraschte, dass sich die Wasserstoffatmosphäre dieses Planeten über 200.000 Kilometer erstreckt", so Vidal-Madjar.
HD 209458b hat einen 1,3 mal größeren Durchmesser als Jupiter und ein Drittel weniger Masse. Seine Umlaufbahn ist acht Mal kleiner als die Bahn des Merkur um die Sonne. Der Zentralstern ähnelt unserer Sonne und ist 150 Lichtjahre von der Erde entfernt. Mit dem Fernglas ist er im Sternbild Pegasus als Stern der siebten Größenklasse erkennbar. Er erlangte 1999 plötzlich astronomische Berühmtheit, als der extrasolare Planet HD 209458b vor ihm vorbeizog und ihn teilweise verdeckte. Damals konnte erstmals die Entdeckung eines vorbeiziehenden extrasolaren Planeten bestätigt werden. Im Jahr 2001 wurde dann mit dem "Hubble"-Teleskop im unteren Teil der Gashülle dieses Planeten das Element Natrium als erster Hinweis auf die Existenz einer Atmosphäre bei einem extrasolaren Planeten aufgespürt.

