Die aktuelle Staffel von "Enterprise" nähert sich ihrem Finale zu. Am gestrigen Abend wurde die Episode "Judgment" ausgestrahlt. Lesen Sie eine ausführliche US-Quotenbesprechung zu der Episode und warum sie in Bezug auf die US-Quoten einen neuen Tiefpunkt darstellt.
"Judgment"
Wenn es so weitergeht mit "Enterprise", fragt man sich, wielange die Serie noch in den USA laufen wird, denn Woche für Woche unterbieten sich die US-Quoten und diese Woche hat die Serie abermals das zweitniedrigste Overnight-Rating der Seriengeschichte erlangt.
Ein Overnight-Rating von 3,8 Punkten entspricht also 3,8% der gesamten US-TV-Haushalte. Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 6% bedeutet also, dass 6% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender.
Die finalen Einschaltquoten berücksichtigen alle TV-Märkte in den USA. Die Zahl wird in Haushaltspunkten angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte. Bei einer finalen Einschaltquote von 2,6 Punkten sahen also rund 2,6% der US-TV-Haushalte "Enterprise". Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 4% bedeutet also, dass 4% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender. Die Zuschauerzahl in Millionen gibt schließlich an, wieviele Zuschauer (nicht Haushalte) tatsächlich eingeschaltet haben.
Ein Sweep-Monat ist ein Monat, in dem die Einschaltquoten von Serien getestet werden, um die Werbepreise festzulegen. Die Sender strahlen in diesen Monaten (November, Februar, Mai) die vielversprechendsten Episoden ihrer Serien aus, um besonders hohe Einschaltquoten zu verbuchen.
Vierter im 20-Uhr-Sendeblock wurden die beiden Serien "My Wife and Kids" und "George Lopez" des Senders ABC.
Drittplatzierter wurde der Sender CBS mit "Star Search", während NBC mit "Dateline NBC" Zweitplatzierter wurde.
Sieger im 20-Uhr-Sendeblock wurde der Sender FOX mit seinen beiden Shows "That '70s Show" (6.2 bei 10% Marktanteil) und "American Idol" (10.8 bei 17% Marktanteil).
Analyse
Mit diesen Zahlen musste "Enterprise" gegenüber Vorwoche 0,1 Punkte in den Overnight-Ratings abgeben. Die letzte Episode "The Crossing" war die erste neue Episode seit über einem Monat und war erwartungsgemäß schwach in den Quoten. Umso überraschender ist, dass "Judgment" noch niedrigere US-Quoten erlangte. Hauptkonkurrent am Mittwoch-Abend war die amerikanische Version von "Deutschland sucht den Superstar", "American Idol", ansonsten war die Konkurrenzschaft gegenüber Vorwoche unverändert. Daher muss die Ursache einmal mehr an der Serie selbst liegen.
"The Crossing"
Die finalen Quoten zu dieser Episode sind abrufbar und zeigen sich - gewohnt bei "Enterprise" - katastrophal. Mit nur 3,85 Millionen Zuschauern (Haushaltspunkte: 2.6 bei 4% Marktanteil) ist "The Crossing" die zweitschlechteste Episode in Bezug auf die US-Quoten. Wenn man "Vanishing Point" nicht mitzählt (weil diese Episode einen Tag vor Thanksgiving ausgestrahlt wurde, an dem traditionell schlechte US-Quoten herrschen), ist "The Crossing" sogar die schlechteste.
Kommentar
Nach so langer (US-)Pause gibt es einmal mehr nichts positives über die junge "Star Trek"-Serie zu berichten. Die US-Quoten haben weiterhin eine fallende Tendenz und sowie es im Moment aussieht, spricht alles gegen "Enterprise". Inwiefern der großangepriesene Richtungswechsel im Staffelfinale der Serie gut tut (wir berichteten: Das Schiff wird in eine gefährliche Region des Alls fliegen), zumal die Zuschauer zu der heutigen Zeit nicht mit noch mehr Düsterkeiten und Pessimus überhäuft werden wollen, sei dahingestellt. Fakt ist, dass "The Expanse", das Staffelfinale, "Enterprise" noch düster machen wird als sie zur Zeit ohnehin ist. In einer (Kriegs-)Zeit, in der die Erfolgreichsten der Branche Sitcoms und Komödien sind, fragt man sich, inwiefern es den Machern gelingen will, die Quoten mit mehr Gefahr und Action wieder anzukurbeln.
Auch wenn "Enterprise" dieses Jahr ein wenig von ihren Fehlern aus der ersten Staffel gelernt hat und statt aalglatter Action-Episoden auch einmal zur Abwechslung tiefgründigere Allegorien wie "Stigma" oder "Ceasefire" herausbrachte, so ist diese Serie im Kern doch weiterhin reduziertes "Star Trek" und bietet nichts wirklich neues.
Sciencefiction macht zur Zeit sowieso eine schwere Phase durch. Nicht nur floppen "Star Trek Nemesis" und aktuell "The Core" erbärmlich an den Kinokassen, auch haben die Zuschauer längst das Interesse an diesem Genre verloren, weil die Geschichten sich stetig wiederholen und diese auch noch von banaler Action übertüncht werden. Von der absolut katastrophalen "Andromeda"-Serie bishin zum extrem mittelmäßigen "Stargate" - der Markt ist übersättigt. Alles, was erzählt werden möchte, ist bereits erzählt. Das Genre braucht eine Frischkur wie es damals "Star Trek: Das nächste Jahrhundert" war und "Enterprise" beim besten Willen nicht ist. Hoffnungsträger wie "Farscape" sind zwar großartig, aber sprechen leider keine besondere Zielgruppe an und wurden daher mangels Quoten längst eingestellt.
Letzten Endes ist "Enterprise" auch an sich selbst gescheitert. Die Zuschauer haben längst das Interesse an dieser Serie verloren - zu grässlich waren viele Episoden der Vergangenheit, die Gegenwart dümpelt im Durchschnitt herum und die Zukunft verheißt nichts gutes. Dass die Quoten dieses Kellerniveau erreicht haben und stetig weitersinken, bestätigt dies. Zwar gibt es vereinzelt kleine Steigerungen, doch insgesamt gesehen hat die Serie in Bezug auf ihre US-Quoten eine klar fallende Tendenz.
Wie wird es in einem Jahr aussehen? Das hängt ganz davon ab, wie der Richtungswechsel der Serie umgesetzt wird und bei den Zuschauern ankommt. Sollte die Serie sich wie in den letzten zwei Jahren entwickeln, so wird es definitiv kein viertes Jahr geben, sollte sie aber es irgendwie schaffen, die schwer getroffene Gunst der Zuschauer wiederzugewinnen, so wird es natürlich nicht ganz so düster aussehen.
Man kann nur hoffen ... hoffen, dass diese Serie zu der einstigen "Star Trek"-Würde findet und diese nicht weiter mit pubertärem Sex und sinnloser Action befleckt.
Lesen Sie in unseren sehr populären Kolumnen "Enterprise - die Vergewaltigung von Star Trek" und "Nemesis - die Vergewaltigung von Star Trek geht weiter" über den Status quo von "Star Trek" und was falsch läuft.
Ausblick
Nächste Woche läuft die Episode "Horizon" an - mit dem wohl unbeliebtesten Crew-Mitglied der Serie, Fähnrich Mayweather, in der Hauptrolle. Inwieweit dies zu einer Quotensteigerung führen wird, ist ungewiss. Wir werden Sie wie immer ausführlich über die Quotenlage von "Enterprise" sowohl in den USA als auch in Deutschland auf dem Laufenden halten.
Hinweis
Bitte beachten Sie, dass die US-Quotenbesprechung zu "Judgment" sich auf den Overnight-Ratings beruft. Die Overnight-Ratings sind Vorabquoten und dienen nur als Indiz für die finalen Quoten, welche eine Woche später veröffentlicht werden.
Sobald die finalen US-Quoten zu "Judgment" abrufbar sind, werden wir Sie darüber in Kenntnis setzen.
(sl); STVC-Meldung vom 10.04.2003; Quelle:
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