Seit den "Apollo"-Missionen berichten Astronauten immer wieder von mysteriösen Lichterscheinungen - Blitze und Lichtstreifen, die selbst bei geschlossenen Augen oder in absoluter Dunkelheit sichtbar sind. Man führt sie zurück auf kosmische Strahlen, die auf der Erde nicht zu sehen sind, da sie beim Auftreffen auf die Erdatmosphäre aufgespalten werden.
Doch gerade für Reisen zu anderen Planeten ist die Einschätzung der Strahlen unumgänglich. Ein Team um Marco Casolino vom Italienischen Nationalen Institut für Nuklear-Physik nahm sich dieses Phänomens an. Sie fanden heraus, dass die Frequenz der Blitze nicht der Zahl der gemessenen Protonen entsprach und vermuten, dass seltenere Teilchen kosmischer Strahlung beteiligt sind. Daten eines weiteren Experiments von der ISS werden gerade analysiert. Die Frage, ob sich die mysteriösen Blitze negativ auf die Gesundheit einer Crew, z.B. unterwegs zum Mars, auswirken könnten, ist noch ungeklärt.
Jetzt veröffentlichte Ergebnisse von Experimenten an Bord der russischen Raumstation "Mir" zeigen, dass die Blitze offenbar von zwei unterschiedlichen Prozessen ausgelöst werden. Wie Marco Casolino und seine Kollegen von der Universität Tor Vergata in Rom im Fachblatt "Nature" berichten, sind es nicht nur Protonen, wie bislang vermutet, sondern auch schwere Atomkerne, die bei den Astronauten zu den visuellen Erscheinungen führen. Im Prinzip wirken die Augen der Astronauten wie Detektoren für die hochenergetischen Teilchen der kosmischen Strahlung. Die Teilchen reagieren mit Atomen im Auge und lösen so Lichtblitze aus, die von der Retina wahrgenommen werden.
Da die kosmische Strahlung überwiegend aus Protonen besteht, waren die Raumfahrt-Mediziner bislang davon ausgegangen, dass Protonen die Lichtblitze auslösen. Dann jedoch sollte die Häufigkeit der beobachteten Lichtblitze proportional zum Protonenfluss im Inneren des Raumfahrzeugs sein.
Die Untersuchungen von Casolino und seinen Kollegen zeigen nun jedoch, dass es nicht so einfach ist. Um der Ursache der Blitze auf die Spur zu kommen, hatten die Forscher Raumfahrer an Bord der Mir mit Helmen ausgestattet, die Teilchendetektoren enthielten. Insbesondere beim Durchqueren der so genannten "Südatlantischen Anomalie", einer Region mit besonders hohem Protonenfluss, zeigte sich, dass die Häufigkeit der Lichtblitze völlig unabhängig von der Anzahl der Protonen ist.
Casolino und seine Kollegen schließen aus den Daten, dass neben den Protonen eine zweite Komponente an den visuellen Erscheinungen beteiligt ist. Sie vermuten, dass es sich dabei um direkte Wechselwirkungen schwerer Atomkerne der kosmischen Strahlung mit der Retina handelt.

