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Das Magnetfeld der Erde ist genau so chaotisch wie das Wetter

Der irdische Schutzschild gegen kosmische Strahlung wird immer schwächer - Polt sich das Erdmagnetfeld wieder um? Die Konsequenzen sind Hollywood-fähig und beängstigend. Strahlung, Sonnenstürme, alles würde ungehalten über uns einbrechen.

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Ausschnitt aus "The Core"

Vögel verlieren die Orientierung, die "Golden Gate"-Brücke in San Francisco schmilzt, Herzschrittmacher brennen durch und das Kolosseum in Rom wird durch ein gewaltiges Gewitter zerstört. Hollywood hat tief in die Trickkiste gegriffen, um zu zeigen, was nach dem Ende des irdischen Magnetfeldes passiert. "Das mit den Vögeln ist plausibel, alles andere Dichtung", urteilt Francis Nimmo, Geophysiker am University College in London. Er ist einer der Forscher, die die Macher von "The Core" vorab um wissenschaftlichen Rat gebeten hatten.

Das Magnetfeld umgibt die Erde wie ein unsichtbarer Schild, der sie weitgehend vor kosmischer Strahlung und geladenen Partikeln schützt. Wenn dieser Schirm zusammenbräche, könnten sich heftige Sonnenstürme in unserer Atmosphäre austoben. Plötzlich sind Satelliten in Gefahr, die sonst durch die Magnetosphäre der Erde vor Teilchenstürmen aus dem All geschützt werden. Damit ist die gesamte moderne Kommunikationswelt bedroht. Und tatsächlich wird das Erdmagnetfeld seit Jahren immer schwächer.

Ohne Magnetbremse könnten starke elektromagnetische Stürme von der Sonne auch Radioübertragungen stören und Flugleitsysteme zusammenbrechen lassen. Wie stark die Atmosphäre die geladenen Teilchen auch ohne Magnetfeld abfängt und damit die direkten Einflüsse auf alles Leben filtert, ist aber unklar.

Tatsächlich lässt das Erdmagnetfeld viel Raum für Spekulation, denn es ist eines der großen Rätsel der Physik. Außer der Erde hat noch Merkur einen Magnetschirm. Mars hat seinen bereits seit langem verloren, ob Venus je einen besessen hat, weiß man nicht. Die grundsätzliche Frage ist, warum Erde und Merkur auch nach 4,56 Milliarden Jahren ihr Magnetfeld noch besitzen.

Prinzipiell gehen die Planetologen und Geophysiker davon aus, dass Magnetfelder bei Planeten wie der Erde durch Bewegungen im flüssigen Planetenkern erzeugt wird. Das ist das Problem. Denn diese äußere Kernschale, die vermutlich weitgehend aus flüssigem Eisen besteht, befindet sich in 3.000 Kilometern Tiefe und schon deshalb außer Reichweite des Menschen und seiner Instrumente. Eine ungeheure Hitze von mindestens 4.000 Grad Celsius und ein gigantischer Druck von mehr als 3,5 Millionen Atmosphären lassen direkte Untersuchungen, geschweige denn Reisen in den Erdkern völlig unmöglich erscheinen.

Der Erdkern besteht zu rund 90 Prozent aus Eisen, dem Elemente wie Nickel, Wolfram oder Hafnium beigemengt sind. Der Kern besteht aus einem festen Inneren von rund 2.000 Kilometer Durchmesser und der darum liegenden Schale aus flüssigem Metall, die rund 2.200 Kilometer dick ist. Das flüssige Metall ist ständig in Bewegung, angetrieben von den Temperaturdifferenzen zwischen flüssigem Kern und dem darüber liegenden unteren Erdmantel.

Forscher können zwar die Veränderungen des Erdmagnetfeldes messen, haben aber nicht die geringste Ahnung, was die Ursache ist. Trotz aller Computermodelle gibt es bislang keine vernünftige Erklärung für diese Phänomene. Lovlie: "Wir wissen nur, dass das Erdmagnetfeld so dynamisch und chaotisch wie das Wetter ist".


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