Anscheinend nur ganz knapp sind die drei Crewmitglieder der ISS-Expedition 6 einer Katastrophe entgangen. Ein Softwarefehler führte vermutlich zu einem absturzartigen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und ließ die Crew 460 km vom ursprünglich geplanten Landegebiet aufschlagen.
Der amerikanische Astronaut Kenneth Bowersox, Kommandeur der fünfeinhalb Monate langen Mission auf der Internationalen Raumstation "ISS", meinte, dass die Crew wusste, was auf sie zukommen würde: Die Computeranzeigen sind plötzlich auf eine absturzartige Landung umgesprungen. Die Flugbahn war wesentlich steiler, die Schwerkrafteinwirkung doppelt so hoch wie üblich.
Bis zu 9G waren sie beim Wiedereintritt ausgesetzt. Der Funkkontakt brach kurz vor der Landung ab und Mission Control fühlte sich rückversetzt zu dem Tag des "Columbia"-Unglücks. Nach zwei Stunden ließ endlich ein Lebenszeichen die wartende Menge aufatmen.
Die Crew nimmt es mit Humor. Kenneth Bowersox teilte der Presse mit, es wäre ihm eine Ehre gewesen, die neue "Sojus"-Kapsel testen zu dürfen. Donal Pettit war froh, bis zum Eintreffen der Suchmannschaft dem "Mob" entgangen zu sein und ein wenig Privatsphäre zu haben. Er genoss, nach dem Ausstieg aus der Kapsel, seine Rückkehr rücklings auf dem Boden von "Mutter Erde". Die drei weisen den Vorwurf, während des Landevorgangs "den falschen Knopf gedrückt zu haben", strikt von sich. Es sei nun Sache der Experten, den Fehler herauszufinden, so Nikolai Budarin.
Das Problem liegt wahrscheinlich am Autopiloten, der die Orientierung verlor. Ein bekannter Fehler, der jedoch seit 1975 nicht mehr aufgetreten war. Sollte es wirklich ein Softwarefehler gewesen sein, lässt dieser sich leicht beheben und die derzeitige "ISS"-Besatzung muss sich keine Sorgen um ihre Rückkehr machen.

