Der Mond verschwindet im Erdschatten. In der Nacht vom 15. zum 16. Mai können wir Beobachter eines weiteren Himmelsspektakels werden: eine totale Mondfinsternis. Für Sternengucker aus Europa fällt der Vorhang allerdings schon während der Halbzeit.
Beginn des Schauspiels ist 3 Uhr morgens. Um 5:41 MESZ geht der Mond wieder unter. Zu diesem Zeitpunkt ist erst die Hälfte der Verfinsterung vorbei. Wer sich außerhalb von Europa aufhält, hat ein wenig mehr Glück. Im November diesen Jahres findet die nächste Mondfinsternis statt, die auch von Europa über den gesamten Verlauf zu sehen sein wird.
Mal abgesehen davon, dass sie auf die frühen Morgenstunden eines Werktages (Freitag) fällt, geht der Mond etwa zur Mitte der totalen Verfinsterung unter. Bereits zu deren Beginn ist es so hell, dass - abgesehen von der Venus - keine Sterne oder Planeten mehr sichtbar sind. Falls die Atmosphäre nicht ganz klar ist, kann der vollständig verfinsterte und entsprechend lichtschwache Mond im horizontnahen Dunst nur noch mit einem Fernglas, vielleicht auch gar nicht erkannt werden.
Unter Umständen müssen Sie sich also bei dieser Mondfinsternis mit einer Beobachtung der partiellen Phasen zufrieden geben. Auf jeden Fall gilt dies, wenn Sie ziemlich weit im Osten Deutschlands leben. An einem Ort 51 Grad nördlicher Breite und 14,5 Grad östlicher Länge beginnt die totale Phase erst wenige Minuten, bevor der Mond den Horizont berührt.
Deutlich besser sieht es ganz im Westen (51 Grad Nord, 6,5 Grad Ost) aus, denn hier tritt der Mond bereits eine gute halbe Stunde vor seinem Untergang vollständig in den Kernschatten der Erde ein. Und hier können Sie bei wirklich absolut klarem Himmel etwas sehen, was Sie vielleicht nie für möglich gehalten hätten: eine Mondfinsternis bei Sonnenschein! Die Sonne geht nämlich bereits einige Minuten vor Monduntergang auf. Ein Lichtbrechungseffekt in der horizontnahen Atmosphäre, die sogenannte Refraktion, führt zudem zu einer scheinbaren Anhebung beider Himmelskörper um etwa den eigenen Durchmesser.
Man sieht die Sonne also bereits, bevor sie geometrisch über dem Horizont steht, und den verfinsterten Mond noch, wenn er eigentlich bereits unter den Horizont gesunken ist. Eine solche Situation ist für einen bestimmten Beobachtungsort außerordentlich selten.

