Der nach seinem Fundort benannte Meteorit Neuschwanstein, der am 6. April 2002 vom Himmel fiel, hatte offenbar eine endlos lange Reise hinter sich. 48 Millionen Jahre, das ergaben nun Analysen von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, war er bis dato unterwegs. Bei dem Stück, das auf der Erde landete, handelt es sich aber nur um den Bruchteil eines 600 Kilogramm schweren Himmelskörpers.
Der Neuschwanstein-Meteorit ermöglicht den Astronomen völlig neue Einblicke in die Geschichte unseres Sonnensystems. Bevor der Meteorit am 6. April 2002 in die Erdatmosphäre eintrat, war er nach den nun vorliegenden Analyse-Ergebnissen 48 Millionen Jahre im Weltraum unterwegs. Der Neuschwanstein-Meteorit stamme also nicht aus derselben Meteoriten-Klasse wie der Meteorit Přbram, der im April 1959 in der Tschechoslowakei gefunden worden war, heißt es in der jüngsten Ausgabe des britischen Wissenschaftsmagazins "Nature". Přbram war lediglich zwölf Milllionen Jahren alt.
Spurny und Kollegen berechneten nun die Flugbahn des Neuschwanstein-Meteoriten und stellten fest, dass sie praktisch genau mit der des Přbram-Meteoriten übereinstimmte, der 1959 ebenfalls anhand seiner Feuerspur gefunden wurde. Mehr Ähnlichkeiten weisen die beiden Steine allerdings nicht auf: Beim Objekt von Neuschwanstein handelt es sich um einen so genannten Enstatit-Chondriten, bei dem Stein aus Přbram um einen gewöhnlichen Chondriten. Da sich die chemische Zusammensetzung der beiden Steine deutlich unterscheidet, folgern die Forscher um Spurny, dass sie ursprünglich nicht von dem selben Mutterkörper stammen können.
Trotzdem vermutet man, dass auf der Bahn der beiden Meteoriten noch zahllose weitere kosmische Trümmer kreisen. Um die merkwürdige Übereinstimmung zu erklären, postulieren sie, dass dieser Schwarm von einem heterogenen Objekt stammt, das nur lose aus Staub, Eis und größeren Gesteinsbruchstücken zusammengesetzt ist. Die Forscher schreiben, dass sich bei der Annäherung an Planeten aus einem solchen "kosmischen Schutthaufen" durch die Gezeitenkräfte einzelne Teile lösen könnten, die fortan allein auf der gleichen Bahn weiter ziehen.

