Harte Kritik musste sich die NASA vergangenen Samstag vom CAIB (Columbia-Accident Investigation Board) anhören. Das Sicherheitsprogramm würde zwar auf dem Papier existieren, aber wäre in der Praxis viel zu nachlässig gehandhabt worden. U.a. wurde kritisiert, dass keine Satellitenfotos des beschädigten Orbiters angefordert wurden und zu wenig über die Rettung der Besatzung nachgedacht wurde.
Das technische Personal für die Flugüberwachung sei viel zu dünn besetzt. Erste Aufpralltests mit Isolierteilen im Windtunnel ergaben außerdem, dass die Kacheln wesentlich mehr aushalten als angenommen, womit die Unglücksursache erneut in Frage steht. Eine Rückkehr zum normalen Flugbetrieb der Raumfähren hält Harold Gehmann, Chef der unabhängigen Untersuchungskommission, entgegen Stimmen, die die US-Shuttles für flugunfähig halten, für möglich.
Das Sicherheitsprogramm und die verbleibenden Raumfähren müssen jedoch erhebliche Modifikationen erfahren. Im Sommer diesen Jahres wird der Bericht des CAIB erwartet, der auch die Anforderungen für weitere Shuttleflüge beinhalten wird. In einer Pressekonferenz wird über das Fortschreiten der Untersuchungen berichtet.
Die NASA hätte entgegen ihrer bisherigen Behauptungen die Astronauten des Shuttles "Columbia" vielleicht noch retten können. Das geht nach Medienberichten vom Mittwoch aus einer internen Studie der US-Raumfahrtbehörde hervor.
Es wäre ein gewagtes Manöver gewesen, wie die Rettung der Crew der "Apollo 13" im April 1970, berichtete die Zeitung "Florida Today". Demnach hätte die Raumfähre "Atlantis" noch rechtzeitig in den Orbit starten und die sieben Astronauten der "Columbia" an Bord holen können.
"Es wäre ein Hochspannungsdrama gewesen, aber es hätte eine Chance gegeben, die "Atlantis" auf eine Mission zu schicken, die eine Chance gehabt hätte, die Crew zurückzubringen", sagte ein ungenannter Beamter, der die Studie kennt.
Die NASA hätte für das Manöver auf einige Sicherheitsmaßnahmen vor dem Start der "Atlantis" verzichten müssen und es wären auch einige gewagte Weltraumeinsätze nötig gewesen, um die fünf Männer und zwei Frauen an Bord der "Columbia" zu retten.

