Das mit Spannung erwartete Staffelfinale der zweiten "Enterprise"-Staffel, "The Expanse", enttäuscht in Hinsicht auf die US-Quoten. Lesen Sie einen ausführlichen Quotenbericht zu der Episode - wie immer mit Analyse, Vergleich und Kommentar. Plus: Finale Quoten zu "First Flight" und "Bounty".
"The Expanse"
Das großangekündigte "Enterprise"-Staffelfinale "The Expanse", welches am vergangenen Mittwoch-Abend ausgestrahlt wurde, kann in Hinsicht auf die US-Quoten nicht überzeugen. So konnte die Episode zwar die besten Overnight-Ratings seit Februar aufweisen, doch sind diese für ein Staffelfinale geradezu lächerlich.
Ein Overnight-Rating von 4,4 Punkten entspricht also 4,4% der gesamten US-TV-Haushalte. Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 7% bedeutet also, dass 7% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender.
Die finalen Einschaltquoten, sogenannte National-Ratings, berücksichtigen alle TV-Märkte in den USA. Die Zahl wird in Haushaltspunkten angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte. Bei einer finalen Einschaltquote von 2,4 Punkten sahen also rund 2,4% der US-TV-Haushalte "Enterprise". Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 4% bedeutet also, dass 4% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender. Die Zuschauerzahl in Millionen gibt schließlich an, wieviele Zuschauer (nicht Haushalte) tatsächlich eingeschaltet haben.
Ein Sweep-Monat ist ein Monat, in dem die Einschaltquoten von Serien getestet werden, um die Werbepreise festzulegen. Die Sender strahlen in diesen Monaten (November, Februar, Mai) die vielversprechendsten Episoden ihrer Serien aus, um besonders hohe Einschaltquoten zu verbuchen.
So wurde "American Idol" die erfolgreichste Sendung des Tages und erreichte ihren Höhepunkt gegen 21:30 Uhr mit einem sensationellen Overnight-Rating von 24,3 bei 33% Marktanteil. Mehr als 40 Millionen Zuschauer waren dabei, als Ruben Studdard zum neuen amerikanischen Superstar avancierte.
Da hatte die Konkurrenz keine Chance. Bereits im 20-Uhr-Sendeblock legte der Sender FOX mit "American Idol" ein Overnight-Rating von 17,7 bei 27% Marktanteil hin und verwies die Konkurrenz auf die Plätze.
Platz Zwei wurde entsprechend der Sender NBC mit der Wiederholung des Pilotfilms der extrem erfolgreichen und vor allem langlebigen "Law & Order"-Serie. Die Wiederholung erzielte ein Overnight-Rating von 7,7 bei 12% Marktanteil.
Dritter im 20-Uhr-Sendeblock wurde das einstündige Staffelfinale von "My Wife And Kids" auf ABC, welches ein Overnight-Rating von 7,1 bei 11% Marktanteil erlangen konnte.
CBS landete mit der Verleihung der "Country Music Awards" und einem Overnight-Rating von 6,5 bei 9% Marktanteil auf einem vierten Platz.
Fünfter wurde UPN mit dem Staffelfinale von "Enterprise". Dieses konnte mit einem Overnight-Rating von 4,4 bei 7% Marktanteil aufwarten.
Der sechste und letzte Platz ging an WB mit dem Film "Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast". Dieser konnte ein Overnight-Rating von nur 1,8 bei 3% Marktanteil erzielen.
"First Flight", "Bounty", "Dawson's Creek", "Buffy" und "Smallville"
Die beiden im Doppelpack ausgestrahlten "Enterprise"-Episoden können trotz etwas höherer Overnight-Ratings (wir berichteten) in Hinsicht auf die nun abrufbaren finalen US-Quoten nicht überzeugen. "First Flight" (20 Uhr) erlangte ein National-Rating von nur 2,4 bei 4% Marktanteil und mit 3,3 Millionen Zuschauern. "Bounty" (21 Uhr) enttäuschte ebenfalls und verbuchte ein National-Rating von nur 2,3 bei 4% Marktanteil - allerdings mit 3,54 Millionen Zuschauern. Dies ist zwar etwas mehr als "Horizon" (3,37 Millionen) und "The Breach" (3,2 Millionen), aber unter den Ergebnissen von "Judgment" (3,69) und "The Crossing" (3,85) - ohnehin bereits Quoten-Tiefpunkte der Staffel.
Enttäuschend, dass beide Episoden den Quotenaufschwung der beiden Vorgänger-Episoden "Cogenitor" (2,7 und 4,08 Millionen Zuschauer) und "Regeneration" (2,7 und 4,12 Millionen Zuschauer) nicht fortsetzen konnten. Trotz höherer Overnight-Ratings setzten "First Flight" und "Bounty" damit abermals den Quotentiefflug der Serie fort. Selbstverständlich lag die Ursache hierbei beim "Dawson's Creek"-Finale. Dieses konnte - ganz gemäß der guten Overnight-Ratings, 7,3 Millionen Zuschauer für sich gewinnen und mit einem National-Rating von 4,8 bei 7% Marktanteil sich würdig von der TV-Bühne verabschieden.
Das Ende der Serie von "Buffy" war hierzu ungleich unspektakulärer. Die einst so beliebte Serie erlangte ein für solch ein Serienfinale erbärmliches Overnight-Rating von nur 4,7 bei 7% Marktanteil. Schade eigentlich für die sympathische Vampirjägerin.
Da "Smallville" in der kommenden TV-Saison gegen "Enterprise" antreten wird (wir berichteten), möchten wir Ihnen zeigen, wie erfolgreich diese Serie im Vergleich zu der neuesten "Star Trek"-Serie ist. Das am Dienstag ausgestrahlte "Smallville"-Staffelfinale erlangte ein Overnight-Rating von 6,9 bei 10% Marktanteil und übertraf "The Expanse" von "Enterprise" um 36,3%. Da kommt ein Brocken auf die "Star Trek"-Serie zu...
Analyse
Verglichen mit dem Staffelfinale der ersten "Enterprise"-Staffel, "Die Schockwelle, Teil 1", verlor "The Expanse" 0,5 Punkte. Nichtsdestotrotz konnte sich die Serie gegenüber den letzten Episoden "First Flight" (4,2) und "Bounty" (4,3) minimal steigern.
"The Expanse" verfehlte das Februar-Ergebnis von "Canamar" (4,5) knapp und ist damit die zweiterfolgreichste Episode des Jahres 2003 bisher. Die erfolgreichste Episode der zweiten "Enterprise"-Staffel insgesamt ist "A Night In Sickbay", welche am 9. Oktober 2002 in den USA ausgestrahlt wurde und 6,3 Millionen Zuschauer fesseln konnte. Die Zeiten haben sich seitdem definitiv geändert...
Auch ist "The Expanse" in Hinsicht auf die US-Quoten das erfolgloseste Staffelfinale der "Star Trek"-Geschichte.
"Star Trek" Episoden (25. Erstausstrahlung in einer Staffel) 1998 - 2003
Vergleich der US-Quoten zu denen in den Vorjahren (National-Ratings):
2003 - "Enterprise": "Bounty" - 2,4
2002 - "Enterprise": "Zwei Tage auf Risa" - 3,1
2001 - "Raumschiff Voyager": "Renaissancemensch" - 3,8
2000 - "Raumschiff Voyager": "Der Spuk von Deck Zwölf" - 3,0
1999 - "Raumschiff Voyager": "Geheimnisvolle Intelligenz" - 3,3
1998 - "Raumschiff Voyager": "Eine" - 3,9
...
1994 - "Das nächste Jahrhundert": "Die Rückkehr von Ro Laren" - 11,8
Kommentar
Was für eine Enttäuschung. Aber andererseits sollte man bedenken, wie denkbar ungünstig die Sendezeit war. Neben etlichen Staffelfinales hatte "Enterprise" wie die restliche Konkurrenz auch mit dem Finale von "American Idol" zu kämpfen. Dass die Overnight-Ratings im Vergleich zu den letzten Wochen sich noch steigern konnten, ist demnach ein kleiner Grund zur Freude.
Nichtsdestotrotz hinterlässt "The Expanse" einen bitteren Nachgeschmack und ist aus diesem Grunde quotentechnisch gesehen eigentlich ein passendes Finale für die ebenfalls bittere zweite Staffel. Die US-Quoten sehen wirklich nicht erfreulich aus und die finalen Quoten - übrigens wieder rückläufig - sind alles andere als großartig. Man kann den Produzenten eigentlich danken. Nicht nur haben sie die Zuschauer in Sachen Inhalt gierig auf die dritte Staffel gemacht, auch vom Quotenstandpunkt her wird es sehr spannend sein, zu sehen, wie sich die kommende Staffel entwickeln wird.
Werden die US-Quoten womöglich noch weitersinken oder wird die Serie sich einigermaßen über Wasser halten können? Das ist schwer vorauszusagen, denn die zweite Staffel begann ja ebenfalls völlig unerwartet mit den niedrigsten US-Quoten einer "Star Trek"-Staffelpremiere. Man sollte aber wirklich das Beste für die Serie hoffen.
Mit "The Expanse" endet eine sehr tragische "Star Trek"-Saison. Mit sinkenden US-Quoten und den schlechten "Star Trek X: Nemesis"-Einspielzahlen befindet sich "Star Trek" wie nie zuvor in einer derart schlechten Situation. Da das Ergebnis von "The Expanse" - wie bereits erwähnt - das schlechteste Overnight-Rating eines Staffelfinales von "Star Trek" ist, fasst es das erfolglose Jahr recht gut zusammen. Man sollte hoffen, dass das Staffelfinale der dritten Staffel in einem Jahr nicht das Serienende bedeutet, sondern in einem viel besseren Licht dastehen wird als jetzt.
Leider wird der mögliche Erfolg der dritten Staffel bereits jetzt betrübt und zwar von "Smallville". Da beide Serien aller Wahrscheinlichkeit nach gegeneinander antreten werden (wir berichteten), wird "Enterprise" mit Sicherheit darunter leiden. Ob UPNs Sendeplan klug ist und die ohnehin erschreckenden US-Quoten von "Enterprise" nicht endgültig den Todesstoß versetzt, bleibt abzuwarten.
Überhaupt ist UPN zu einem nicht unerheblichen Teil am Misserfolg von "Enterprise" beteiligt. Nicht nur waren die Wiederholungen in der zweiten Staffel einmal mehr ungünstig platziert, sondern der Sender verlor auch dieses Jahr wieder an Reichweite. Daher waren alle Serien des Senders vom Quotenrückgang betroffen. Die einst so glorreiche "Buffy"-Serie konnte sich nur deshalb mit einem quotentechnisch so erbärmlichen Finale von der TV-Bühne verabschieden und auch andere Serien wie "The Twilight Zone", welche abgesetzt wurde, standen nicht besser da. Der Sender musste schreckliche Verluste gegenüber Vorjahr hinnehmen und die Chance, den schlechten Ruf zu verbessern, wurde verpasst. So liefen Serien wie "Buffy" und "Enterprise" - beides durchaus mit Quotenpotenzial, auf einem angeschlagenen und schrumpfenden Sender. Der Popularität von "Star Trek" tut dies sicherlich keinen Gefallen.
Doch letztlich war "Enterprise" an ihren teils sehr schwachen Episoden der zweiten Staffel gescheitert. Zu sehr konzentrierten sich die Autoren darauf, alte Geschichten immer und immer wieder zu verwerten, diese zu reduzieren, um ja nicht die Zuschauer zu überfordern und bewiesen wenig Mut, Risiken einzugehen. Die zweite Staffel stand also ganz im Zeichen von "Star Trek Nemesis", bei dem all diese Negativpunkte vereint waren (Lesen Sie hierzu die beiden populären Kolumnen "Enterprise - die Vergewaltigung von Star Trek" und "Nemesis - die Vergewaltigung von Star Trek geht weiter"). Erst gegen Ende der zweiten Staffel konnten sich die Macher dazu bewegen, komplexere Episoden zu zeigen. Ob es nun zu spät ist, wird sich in der dritten Staffel zeigen.
Die ersten beiden Jahre sollten den Machern also eine große Lehre gewesen sein. "Enterprise" ist nun einmal "Star Trek" und die Serie läuft in den Episoden zur Höchstform auf, wo sie versucht, eine "Star Trek"-Serie zu sein. "Enterprise" scheitert hingegen in den Episoden erbärmlich, in denen sie versucht, eine banale Action-Serie zu sein. Diese beiden Jahre und das schlechte Abschneiden von "Nemesis" sollten nun eine Besinnung bei den Machern herbeigeführt haben.
Man kann nicht oft genug betonen, wie wichtig die kommende Staffel für die Zukunft von "Star Trek" werden wird. Hoffen wir, dass "Enterprise" sich nicht länger dafür schämt, eine "Star Trek"-Serie zu sein, trotzdem aber neue, kunstvollere Wege beschreitet. Hoffen wir, dass die US-Quoten endlich wieder ansteigen und hoffen wir vor allem, dass "Enterprise" die Gunst der enttäuschten Zuschauer zurückgewinnt und auch Anerkennung bei den Kritikern findet.
Hinweis
Bitte bedenken Sie, dass die Zahlen zu "The Expanse" Overnight-Ratings - Vorabzahlen - sind und nur als Indiz für die finalen Einschaltquoten aufgefasst werden sollten. Die finalen Einschaltquoten, National-Ratings genannt, erscheinen in der nächstwöchigen US-Quotenbesprechung. Alle Zahlen stammen von "MediaWeek.com"
Linktipps
Für weitere Informationen verweisen wir Sie auf unser ausführliches Quotenarchiv zu "Enterprise" und "Raumschiff Voyager" mit allen US- und Deutschland-Quoten inklusive Wiederholungen.
(sl); STVC-Meldung vom 23.05.2003; Quelle:
[1089 Aufrufe; 0 Kommentare] Vorherige News: ["Star Trek"-Make-up-Designer Michael Westmore über seine Inspirationsquelle] Nächste News: [Neue "Das nächste Jahrhundert"-Romane von "Pocket Books"]

