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Ist "Star Trek" ein Ebenbild der US-Politik?

Was wir bereits in unseren beiden populären "Vergewaltigungskolumnen" angedeutet haben, scheint sogar Politikwissenschaftlern nicht entgangen zu sein: "Star Trek" und vor allem "Enterprise" zeigen keinesfalls eine bessere Zukunft, sondern sind Befürworter der imperialistischen US-Politik.

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"Star Trek" zeichnete sich bisher immer dadurch aus, dass es dem Zuschauer eine bessere Zukunft - eine Zukunft des Friedens und Wohlstands - zeigte. Auch war in der "Star Trek"-Welt Gewalt immer die letzte Option. Das hob "Star Trek" von vielen anderen Sciencefiction-Serien ab und machte es populär auf der ganzen Welt.

Doch wie sieht es hinter der Fassade aus? Ist die friedliche "Star Trek"-Welt wirklich so friedlich oder wird der Zuschauer einmal mehr nur manipuliert?

"Star Trek" und vor allem "Enterprise" waren der "Netzeitung" zwei Artikel wert. In diesen geht es darum, zu zeigen, dass "Star Trek" keine bessere, sondern exakt unsere kriegerische Welt ist und die Föderation im Grunde nicht viel anders aufgebaut ist als die USA.

Der Politikwissenschaftler Herbert Heinecke veröffentlichte die auf zwei Bände ausgelegte Aufsatzsammlung "Faszinierend. Star Trek und die Wissenschaften". Darin spürt er der kriegerischen Wirklichkeit hinter "der Fassade der Nichteinmischung", auch bekannt als die Erste Direktive, nach.

Das Problem bei "Star Trek" bestünde darin, so Heinecke, dass man zu wenig über das Legitimationsorgan Föderation und die militärische Organisation Sternenflotte dahinter erfahre. Man erfährt zuwenig über die tatsächliche Gewaltenteilung und ihre (Un-)Abhängigkeiten zueinander. Eben aus diesem Grunde könnte man "Star Trek" nicht als Utopie bezeichnen, wie es viele Fans tun, da Utopie immer ein Gegenentwurf zur Gegenwart ist und dieser Entwurf bei "Star Trek" wie oben beschrieben nicht ausgearbeitet wird.

Stattdessen aber würde "Star Trek" um den "Wilden Westen" kämpfen, das heißt, sich eher auf die Eroberung fremder Welten konzentrieren, wenn dies auch, wie im Folgenden beschrieben, geschickt verschleiert wird.

So handelt in der Tat jeder "Star Trek"-Kinofilm von irgendwelchen kriegerischen Auseinandersetzungen. Ein Extrembeispiel ist die dritte "Star Trek"-Serie "Deep Space Nine", bei der Krieg sogar die gesamte Rolle in der Serie einnimmt.

"Star Trek" war schon immer ein Spiegelbild der Weltpolitik gewesen. So spiegelt der Machtkampf der Föderation mit den Klingonen und den Romulanern den ideologischen Kampf der USA mit der ehemaligen UdSSR wieder - eine Tatsache, die sogar der Drehbuchautor Nicholas Meyer zugab. Dieser verfasste das Drehbuch zum hochpolitischen Kinofilm "Star Trek VI: Das unentdeckte Land" auf der Grundlage des Kalten Kriegs. Auch "Star Trek"-Erschaffer Gene Roddenberry gab zu, dass er sich stets von realen Konflikten inspirieren ließ.

Am deutlichsten wird diese Parallele an der Rasse Borg. Diese im Kollektiv lebenden Wesen sind ein Synonym für den Sozialismus, wohingegen die Föderation natürlich den Liberalismus darstellt. Das Problematische dabei ist: "Star Trek" ist stets ein (einseitiger) Befürworter des Liberalismus und damit des Individualismus gewesen, der Zwang des Kollektivismus - des Sozialismus (Borg) - ist in "Star Trek" etwas gänzlich negatives und bedeutet früher oder später das Verderben der Menschheit.

Für den Psychologen Peter Ohler und den Politikwissenschaftler Gerd Strohmeier lässt sich damit das Konzept von "Star Trek" auf die globale und ideologische Auseinandersetzung der beiden Supermächte während des Kalten Kriegs reduzieren und damit auf die Frage nach dem besten Weg zu Glück und Wohlstand. Selbstverständlich gibt "Star Trek" hierbei der US-Ideologie des Liberalismus den Vorzug.

Insofern blickt "Star Trek" in der Tat nicht über den US-Tellerrand hinaus und verschleiert diese Einseitigkeit und Kurzsichtigkeit mit angenehm klingenden Worten wie "Demokratie", "Frieden", "Vereinte Föderation" oder "Individuum". Ansätze wie eine non-kapitale Welt (in "Star Trek VIII: Der erste Kontakt" nur am Rande erwähnt) werden nicht weiter erläutert, weshalb man hier kaum von Weitsichtigkeit und Vision sprechen kann.

Für Arend Wellmann ist das gesamte "Star Trek"-Universum gar nur als "Allegorie auf die heutige Beziehung zwischen Staaten" zu verstehen. So sei bei "Star Trek" das Sicherheitsdilemma als Endlosschleife vorhanden. Mit anderen Worten ausgedrückt: Wo mehr Waffen mehr Sicherheit für den einen Staat und mehr Bedrohung für den anderen bedeuten, sähe dies bei den einzelnen Fraktionen in "Star Trek" nicht anders aus. Das gegenseitige Hochschaukeln in solchen Situationen führt letzten Endes doch zum Krieg.

Was für eine friedliche Koexistenz fehlt, wäre eine sogenannte wechselseitige Abhängigkeit. Auch die Systeme und Mächte in "Star Trek" pflegen kaum Kontakt. Dieser aber, so hat es die Menschheit aus der Kuba-Krise eindrucksvoll gelernt, ist unabdingbar für einen dauerhaften Frieden. Darum, so Wellmann, würde sich die Föderation zwar nach innen hin friedlich geben, aber außerhalb dieser Fassade würden letzten Endes doch nur Waffen für den Frieden sorgen können (man spricht hierbei vom sogenannten Hobbes'schen Naturzustand). Eine Parallele zu unserer Welt und der US-Politik ist daher abermals nicht zu verkennen.

Für die konservativen Vordenker Lawrence F. Kaplan und William Kristol ist der Irak-Krieg "eine moralische Pflicht", eine Pflicht aber, die eben nur aus dieser fehlenden Kommunikation entstehen kann. Wie die USA schreckt auch "Star Trek" für den Frieden und die Sicherheit vor einem Krieg nicht zurück.

Besonders deutlich lässt "Star Trek" seine Fassade im neuesten Spin-Off "Enterprise" fallen. Denn in der kommenden dritten Staffel dieser sehr amerikanischen Serie begibt sich "Star Trek" zum allerersten Mal auf Verbrecherjagd. Ab der dritten Staffel nämlich wird ein radikaler Richtungswechsel eingeleitet (wir berichteten mehrmals). So wird gegen Ende der zweiten Staffel ein verheerender Angriff auf die Erde gestartet und jetzt gilt es, die Verbrecherspezies ausfindig zu machen. Die Parallelen zu unserer derzeitigen Weltlage können offensichtlicher nicht sein.

Mehr noch: Aus dem einstigen Forschungsschiff ist nun ein Kriegsschiff geworden. Denn auf der Jagd wird der Crew Mitglieder des Militärs zur Verfügung stehen. Auch ein ganzes Arsenal neuer Waffen steht zum Abschuss bereit.

Die Serie ist aktuelle US-Politik pur. Die Crew der "Enterprise" übt Kritik an ihre Verbündeten, die Vulkanier, aus, während die USA bekanntlich auch nicht mehr so gut auf einige ihrer Verbündeten im "alten Europa" zu sprechen sind. Die Vulkanier in der Serie wollen nämlich weiter abwarten und nichts überstürzen. Stimmt das so humanistische "Star Trek" etwa dem Präventivschlag zu und sieht im Endeffekt nichts anderes als Krieg als letzte Lösung?

Die Reaktionen des immer weiter schrumpfenden Fankreises sind erwartungsgemäß gemischt. Ein Teilnehmer des Online-Forums "Trek5" schreibt:""Für mich zeigt die letzte Episode nicht die Sternenflotte, wie sie sich aufmacht um zu untersuchen, zu verhandeln oder gar zu drohen. Sie fliegen in die Ausdehnung, um einen Krieg zu beginnen und um zu zerstören. Es hat viel von Bush. Vielleicht sollte Captain Archer Rumsfeld als neuen Wissenschaftsoffizier bekommen". " Die "Netzeitung" hat bereits in ihrem ersten "Enterprise"-Preview soetwas befürchtet: " "Bleibt abzuwarten, wie sich Captain Archer und sein Team in Zukunft auf ihren Entdeckungsreisen mit der neuen, alten "Enterprise" behaupten. Hoffentlich nicht ganz so aggressiv, wie die derzeitige amerikanische "Entdecker"-Generation. Die hat ihre Streitkräfte bekanntlich gerade an den Golf verlegt und die Crews ihrer Flugzeugträger in Kriegsbereitschaft versetzt. Einer davon hat einen ganz besonderen Namen. Er heißt "USS Enterprise"". " Apropos Flugzeugträger "USS Enterprise": Jedes Jahr kommen frisch gewählte "Matrosen des Jahres" von diesem Flugzeugträger auf die fiktive "Enterprise NX-01", um einen Gastauftritt zu absolvieren - eine überdeutliche Huldigung an die US-Politik (wir berichteten ebenfalls mehrmals).

Nach all diesen Argumenten kann man "Star Trek" kaum als visionär bezeichnen, Wellman schreibt als Fazit: " "So bleibt das "Star Trek"-Universum, bei allen Versuchen, es friedlich zu gestalten, so kriegerisch wie unsere heutige Welt, deren Allegorie es ist. Denn die kollektive Fantasie der Produzenten, Autoren, Regisseure und Schauspieler von "Star Trek" überschreitet an keiner Stelle die Beschränkungen der Logik der Gewalt, die die heutige Staatsform, die den Krieg immer noch als "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" begreift, ihnen auferlegt". " "Star Trek" zeigt damit keine bessere Welt, "Star Trek" ist unsere Welt nur mit futuristischem US-Gewand verschleiert.

Lesen Sie hierzu unsere beiden populären Kolumnen "Enterprise - die Vergewaltigung von Star Trek" und "Nemesis - die Vergewaltigung von Star Trek geht weiter", wo wir u.a. auch auf die Amerikanisierung von "Star Trek", die mit "Enterprise" ihren derzeitigen Höhepunkt erreicht, eingehen. Eins sei noch erwähnt: Nach diesem Artikel kann ich beim besten Willen nicht mehr von "Enterprise - die Vergewaltigung von Star Trek" sprechen, sondern muss eher den Titel "Enterprise - die Fassade von Star Trek" in Erwägung ziehen.

Den ersten "Netzeitung"-Artikel über die Föderation und ihre Parallele zu den USA finden Sie unter diesem Link. Den Artikel über "Enterprise" und ihren "Kriegskurs" finden Sie unter diesem Link.

Das sehr interessante Buch "Faszinierend. Star Trek und die Wissenschaften" Band 1 können Sie unter diesem Link, Band 2 unter diesem Link und beide Bände zusammen unter diesem Link auf "Amazon.de" bestellen.

(sl); STVC-Meldung vom 29.05.2003; Quelle: Netzeitung.de [1304 Aufrufe; 0 Kommentare]

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