Die finalen Quoten zum Staffelfinale "The Expanse" sind nun online und sehen nicht gerade rühmlich aus. Lesen Sie die letzte ausführliche US-Quotenbesprechung der zweiten Staffel und erfahren Sie, was der Name "Xindi" mit Islam zu tun hat.
"The Expanse" erlangte letzte Woche ein für ein Staffelfinale absolut erbärmliches National-Rating von nur 2,8 bei 4% Marktanteil. Lediglich 3,88 Millionen Zuschauer wollten den "Bush-Kurs" der "Enterprise" mitverfolgen.
Für ein dermaßen hohgehyptes Staffelfinale sind diese Einschaltquoten schlicht katastrophal. Noch nie zuvor hatte "Star Trek" bei einem Staffelfinale dermaßen niedrige Einschaltquoten gehabt - schon gar nicht so niedrige bei einem Zweite-Staffel-Finale.
Und sogar im Vergleich zum Staffelfinale vom Vorjahr, "Die Schockwelle", verlor die Serie Quoten. Denn dieses konnte noch 5,28 Millionen Menschen fesseln und mit einem National-Rating von 3,3 bei 6% Marktanteil aufwarten - im Vergleich zu "The Expanse" ein Unterschied von 27%. Insofern fasst "The Expanse" gut die zweite Staffel (im Durchschnitt 3,92 Millionen Zuschauer) zusammen, die im Vergleich zur ersten Staffel (im Durchschnitt 5,73 Millionen Zuschauer) rund 30% Zuschauer verloren hat.
"The Expanse" konnte noch nicht einmal die anderen May-Sweep-Episoden schlagen. "Cogenitor" (4,08 Millionen), "Regeneration" (4,12 Millionen) und sogar "Dawn" (3,99 Millionen) waren in Hinsicht auf die US-Quoten alle besser. Lediglich die beiden Episoden zuvor, "First Flight" (3,3 Millionen) und "Bounty" (3,54 Millionen) waren schlechter.
Insgesamt gesehen verlor der Sender UPN im Vergleich zum Vorjahr 18% Zuschauer. In der werberelevanten Zielgruppe 17%.
Resümee und Kommentar
Die US-Quoten von "Enterprise" standen von Anfang an unter keinem guten Stern. So überraschte die Staffelpremiere "Die Schockwelle, Teil 2" mit unerwartet niedrigen US-Quoten. Danach ging es aber aufwärts und mit "A Night In Sickbay" konnte man sogar an den anfänglichen Erfolg der ersten Staffel aufschließen.
Zu schade, dass die Quoten dank miserabler Folgen wieder zu sinken begannen und mit "Vanishing Point" einen Tiefpunkt erreichten. Danach ging es nur gemächlich aufwärts - dank schlecht platzierter Wiederholungen. Diesen und den schlechten Episoden sind zu verdanken, dass mit "Horizon" ein weiterer Tiefpunkt erreicht wurde. Mit einem National-Rating von nur 2,2 ist dies das schlechteste Ergebnis einer zur regulären Sendezeit ausgestrahlten "Star Trek"-Erstausstrahlungsepisode. Sehr bedauerlich.
Ursache für die niedrigen Quoten von "The Expanse" liegt auf der Hand: "American Idol". Die amerikanische Version von "Deutschland sucht den Superstar" lief genau zur Sendezeit von "Enterprise" und entzog der Serie selbstverständlich etliche Zuschauer.
Aber auch eine Frage sollte der Zuschauer sich stellen: Will man zu solch einer Zeit noch mehr Krieg sehen? Vor allem die Verwüstung der Erde und der neue Kriegskurs der "Enterprise" erinnern unweigerlich an unsere momentane kriegerische Zeit. Da verwundert es den Zuschauer, warum die Produzenten ausgerechnet solch einen Richtungswechsel durchführen wollen. Was treibt diese dazu, diesen "Bush-Kurs" einzuschlagen, jetzt, wo die Zuschauer sich mehr denn je nach einer friedvolleren Welt sehnen.
Wo "Enterprise" seit ihrem Anfang sich den Vorwurf gefallen lassen musste, zu pro-amerikanisch zu sein, bestätigt die Serie dieses einmal mehr überdeutlich. "The Expanse" ist eine Huldigung an den Präventivschlag, an den Krieg als letztes Mittel.
Die "Star Trek"-Produzenten haben übrigens ihre Kunst für das Subtile verloren. So hielten diese sich für ganz clever, der Verbrecherspezies den Namen "Xindi" zu geben. Nun, Xindi ist chinesisch und bedeutet fanatisch. Welches Volk damit auf der Erde gemeint ist, könnte sich die Leserschaft denken. So ist dies das erste Mal in der Geschichte von "Star Trek", dass dieses gegen eine Minderheit hetzt. "Enterprise" ist in der Tat eine Vergewaltigung von "Star Trek". Man könnte "Enterprise" glatt als Propaganda bezeichnen.
Hatten wir gestern noch erwähnt, dass das bisherige "Star Trek" von der ideologischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Supermächten des Kalten Kriegs handelt, wobei "Star Trek" eindeutig auf der US-Seite steht, so wendet sich das Blatt nun um und in "Star Trek" geht es ab sofort um die ideologische Auseinandersetzung zwischen den USA (Sternenflotte) und den Xindi (Islam). Welcher Partei wird "Star Trek" wohl hierbei den Vorzug geben? Es ist erschreckend, wenn die Fassade von "Star Trek" erst einmal gefallen ist und man dahinter blickt, wie (einseitig) politisch es wirklich ist.
Der Misserfolg von "The Expanse" und der Serie allgemein hat bereits gezeigt, dass sogar der amerikanische Zuschauer soetwas nicht sehen möchte, daher verwundert es einen geradezu, warum die Produzenten sich hierbei querstellen. "The Expanse" ist in Hinsicht auf die Quoten bereits jetzt ein schlechter Start in die dritte Staffel.
Fazit
Ob der "Bush-Kurs" von "Enterprise" Erfolg haben wird, wird sich noch zeigen. Ob es der Serie gelingt, mit dem "Xindi"-Handlungsbogen für mehr Öl...ähm mehr Quoten zu sorgen, ist ungewiss.
Linktipps
- Newskolumne "Ist Star Trek ein Ebenbild der US-Politik?"
- Die beiden Kolumnen "Enterprise - die Vergewaltigung von Star Trek" und "Nemesis - die Vergewaltigung von Star Trek geht weiter"
(sl); STVC-Meldung vom 30.05.2003; Quelle:
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