Vor einigen Jahren bliesen auf dem Saturn noch Winde mit 1.700 Kilometern pro Stunde, mittlerweile sind sie auf 1000km/h zurück, also hat sich der Orkan ein wenig beruhigt. Bei dem Wetterumschwung könnten auch die Ringe eine Rolle spielen. Sie decken regelmäßig große Regionen mit Schatten ab, was zu immensen Temperatur-Schwankungen auf der Oberfläche führt.
Auf dem Saturn, einem der stürmischsten Planeten im Sonnensystem, hat sich das Wetter zur Überraschung der Astronomen dramatisch verändert. Die Winde in der Atmosphäre des Gasplaneten sind, wie ein Forscherteam in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature" berichtet, um 40 Prozent langsamer geworden.
Als die "Voyager"-Sonden den Ringplaneten zu Beginn der achtziger Jahre erreichten, tobten in der Äquatorregion noch Böen mit rund 1.700 Kilometern pro Stunde. Fotos des Weltraumteleskops "Hubble" zeigten jetzt, dass der Supersturm nur noch mit knapp 1.000 Kilometern pro Stunde wütet - damit ist er allerdings immer noch doppelt so schnell wie die heftigsten irdischen Winde, die in Tornados auftreten.
Die Forscher um Agustin Sánchez-Lavega von der spanischen Universität Bilbao werteten "Hubble"-Bilder aus den Jahren 1996 bis 2002 aus. Anhand der Fotos konnten sie verfolgen, wie sich die Wolkenformationen mit der Zeit veränderten - und daraus die Windgeschwindigkeit ableiten. Während der Äquatorsturm nachließ, blieben die Winde auf der südlichen Halbkugel relativ stabil.
Der unerwartete Wetterumschwung könnte, wie die Wissenschaftler vermuten, auf langwierige jahreszeitliche Veränderungen in der Atmosphäre zurückgehen - ein Saturnjahr dauert 29,4 Erdenjahre. Auch das Ringsystem, das seinen Schatten auf die Äquatorregion wirft, spielt möglicherweise eine Rolle. Bei der Entwicklung von Zirkulationsmodellen für den Gasriesen müssen diese Eigenheiten berücksichtigt werden, so die Forscher.
Im Vergleich zum näher gelegenen Jupiter erhält Saturn zwar weniger Sonnenenergie und erzeugt auch weniger Eigenwärme. Dafür ist jedoch seine Rotationsachse mit 26,7 Grad nicht nur stärker geneigt als die des Jupiters (3,1 Grad), sondern auch als die der Erde (23,5 Grad). Die Schräglage führt zu entsprechend großen Temperaturschwankungen - und damit heftigen Winden - in der Atmosphäre.

