Inmitten der schweren Raumfahrt-Krise ist am Sonntag ein russischer "Progress"-Raumfrachter planmäßig mit Wasser, Lebensmitteln und Musik zur Internationalen Raumstation ISS gestartet. Die unbemannte Kapsel hob pünktlich um 12.34 Uhr MESZ vom Weltraumbahnhof Baikonur in der kasachischen Steppe ab.
Seit dem Unglück des US-Shuttles "Columbia" im Februar sind die russischen Raumschiffe die einzige Verbindung zur ISS. Sowohl die amerikanische als auch die russische Weltraumindustrie stecken in Finanznöten.
Am Mittwoch werden der russische Kosmonaut Juri Malentschenko und sein US-Kollege Edward Lu auf der ISS die zwei Tonnen Fracht in Empfang nehmen. Mit an Bord der "Progress" sind neben kulinarischen Extravaganzen wie italienischem Parmesan-Hartkäse auch CDs mit sanften Naturgeräuschen. Bei ihrem bis Oktober geplanten Aufenthalt auf der ISS kann das Astronauten-Duo dann bei Vogelgezwitscher oder Wellenrauschen seiner Arbeit in der Schwerelosigkeit nachgehen. Da seit dem Shuttle-Unglück Transportkapazitäten fehlen, sind die Langzeitmissionen von drei auf zwei Astronauten reduziert worden.
Seit der "Columbia"-Tragödie liegt die Gesamtlast der Flüge zur ISS auf den Schultern der schwächelnden russischen Raumfahrt. Die USA hatten zwar angekündigt, den Bau zusätzlicher russischer Raumschiffe zu finanzieren, doch konkrete Abmachungen blieben bislang aus. US- Präsident George W. Bush und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin unterstrichen bei ihrem jüngsten Treffen Anfang Juni in der russischen Stadt St. Petersburg öffentlich lediglich die "Bedeutung der Zusammenarbeit im Bereich der Weltraumtechnologie".
Insgesamt sollen in diesem Jahr vier russische Versorgungsflüge die ISS erreichen, einer mehr als ursprünglich geplant. "Für diese Extra-Finanzierung musste unser Konzern Geld bei der Bank aufnehmen", sagte der stellvertretende Chefkonstrukteur des russischen Raketenkonzerns "Energija", Nikolaj Selenschtschikow, der Agentur Itar-Tass.
Die Internationale Raumstation ist mit geschätzten Gesamtkosten von 200 Milliarden Euro das teuerste Projekt der Raumfahrtgeschichte. Die Station hatte Ende 2000 mit der Ankunft der ersten Langzeitbesatzung ihre Arbeit aufgenommen. Beteiligt sind 16 Länder, darunter auch Deutschland. Ursprünglich sollte die ISS bis zum Jahr 2004 fertig gestellt werden. Wegen der "Columbia"-Katastrophe verzögert sich der Aufbau der Station aber deutlich.

