Wie immer finden Sie vor der Ausstrahlung einer neuen "Enterprise"-Episode auf Sat.1 eine kurze Inhaltsbeschreibung und Kritik. Diese Woche: "Lieber Doktor". Lesen Sie, warum diese Folge "die beste Episode der gesamten Serie" ist.
Inhalt
Die Crew entdeckt eine außerirdische Rasse, die verzweifelt medizinische und wissenschaftliche Hilfe braucht. Jedoch bedeutet die Hilfe für diese Rasse die Auslöschung einer anderen Rasse auf demselben Planeten. Doktor Phlox ist sich unsicher, ob er helfen soll und auch Archer muss sich nun entscheiden, ob er bei der Lösung der Probleme zur Seite stehen wird...
Kurzkritik
Es ist schon merkwürdig, dass man gerade an einer perfekten "Enterprise"-Episode wie "Lieber Doktor" die Imperfektion der Serie erkennt. "Lieber Doktor" ist die beste Episode der gesamten Serie und das einzige "wirkliche" Hightlight der ersten und auch der zweiten Staffel. Verglichen mit "Lieber Doktor" sehen alle Episoden blass aus, an die Qualitäten dieser Episode kommt keine einzige Episode der Serie heran.
Es ist zwar erfreulich, dass so früh in der ersten Staffel ein solch brillantes Highlight auftaucht, doch zugleich ist man zutiefst betrübt, dass die Serie sogar bis Ende der zweiten Staffel niemals wieder zu dieser Höchstform läuft.
"Lieber Doktor" ist die erste von wenigen "Enterprise"-Episoden, die man als "Star Trek"-Episode reinsten Wassers betrachten kann. Sie ist die einzige Episode, in der sich "Enterprise" nicht schämt, verwandt mit "Star Trek" zu sein. Sie ist die einzige Episode, in der völlig auf banale Action verzichtet wird. Und nicht zuletzt ist "Lieber Doktor" die einzige "Enterprise"-Episode, die man als komplex und intelligent bezeichnen kann.
Die Episode ist also eine der wenigen "Enterprise meets Star Trek"-Episoden. Die Serie braucht ihren "Star Trek"-Part dringender denn je, um nicht in seichte Unterhaltung abzugleiten.
Hier zeigt es sich recht deutlich, wie schlimm es um die junge "Star Trek"-Serie steht, dass eine Episode wie "Lieber Doktor" einen solchen Seltenheitswert besitzt.
Wenn man "Enterprise" positiv in Erinnerung behalten möchte - zumindest für den Rest der ersten Staffel - sollte man nach "Lieber Doktor" gänzlich abschalten, denn diese Episode markiert nicht nur die Halbzeit der ersten Staffel, sondern auch einen qualitativen Wendepunkt der Serie. Die nach "Lieber Doktor" kommenden Episoden gehören zu den schlechtesten von ganz "Star Trek" und sind bis auf den Cliffhanger "Die Schockwelle" nicht der Rede wert. Wenn man also eine Episode wie "Lieber Doktor" verpasst, verpasst man absolut das Beste, was die Serie zu bieten hat.
Die Episode ist durch und durch gelungen. Das fesselnde moralische Dilemma wurde gekonnt und mitreißend inszeniert. Das Szenario wäre in keiner anderen "Star Trek"-Serie denkbar und nicht zuletzt vereint die Episode all die positiven Elemente der Serie und stellt ihr Potenzial deutlich heraus. Nie zuvor hat sich eine "Star Trek"-Serie getraut, ganze Passagen von Dialogen in einer Alien-Sprache stattfinden zu lassen.
Dies macht die Episode sehr realistisch, erfrischend anders und der Zuschauer kann schnell eine Verbindung zu ihr aufbauen. Unterstützt wird das Ganze durch das geschickt und passend eingesetzte Voice-Over des großartigen Doktors Phlox. "Lieber Doktor" ist daher die einzige "Enterprise"-Episode, die soetwas wie Wärme ausstrahlt und sich nicht so ganz kalt und abweisend gibt. Zum ersten Mal fühlt sich der Zuschauer wohl bei der Serie. Zum ersten Mal lernt auch der kritischste Zuschauer die Serie ein wenig zu schätzen.
Es sind die großartigen und hervorragend gespielten Charaktermomente, welche diese Episode auszeichnen. Dies zeigt klar: "Enterprise" ist dann am besten, wenn sie versucht, ein wenig mehr "Star Trek" zu sein. Dadurch wirkt die Serie aber nicht abgenutzt, ganz im Gegenteil, sie wirkt durch ihr Potenzial, ihre Charaktere und ihre Prämisse nachwievor frischer und eigenständiger als ihre beiden Vorgänger "Deep Space Nine" und "Raumschif Voyager". Dies zeigt klar: Traditionelles "Star Trek" ist noch lange nicht ermüdet, es kommt nachwievor auf die Geschichten und ihre Verpackung an. Und beides stimmt bei "Lieber Doktor". Die Geschichte ist spannend bis zur letzten Minute und die Umsetzung mit ihren originellen Einfällen kann besser nicht sein.
Endlich bekommen Hoshi und Doktor Phlox mehr zu tun. Die Darsteller der beiden heimlichen Stars der Serie laufen in dieser Episode zur Höchstform auf, vor allem Phlox wird mit viel Charme gespielt. Archer - der wohl schlechteste aller "Trek"-Captains - trifft zum ersten Mal in der Serie eine weise Entscheidung und kann Sympathiepunkte für sich verbuchen. Zum ersten Mal verdient Archer den Rang des Captains.
Die Produktion kann sich abermals sehen lassen. Der Planet ist wunderschön dargestellt und die Kulissen wirken durch das natürliche Licht sehr realistisch. Aber hohe Produktionsqualität ist man bei der Serie mittlerweise gewohnt. Daher ist es sehr erfreulich, was für eine inhaltlich wundervolle Episode "Lieber Doktor" geworden ist.
Fazit
Mit Episoden wie "Lieber Doktor" ist "Enterprise" definitiv auf dem richtigen Wege. Sie spielt geschickt mit dem Potenzial der Serie, verpackt dieses in eine fesselnde Geschichte mit großartigen Charaktermomenten.
Die Episode ist "Star Trek at its best" - und das bedeutet einiges in einer so mittelmäßigen Serie wie "Enterprise". Mehr kann man sich von 45 Minuten TV wirklich nicht erhoffen.
Schade nur, dass "Lieber Doktor" für eine sehr lange Zeit das einzige wahre Highlight der Serie bleiben wird. Note 1+
Sat.1 - 13.06.2003, 20:15 Uhr: "Lieber Doktor", 13. Episode (1. Staffel) der Serie "Enterprise", Sciencefiction, USA 2001.
(sl); STVC-Meldung vom 12.06.2003; Quelle:
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