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Quotenbericht: Halbzeit für "Enterprise" in Sat.1

Seit Mitte März läuft die neue "Star Trek"-Serie "Enterprise" nun schon bei Sat.1, vor kurzem lief die 13. Episode der 1. Staffel, die Halbzeit ist also geschafft. Für uns ein guter Grund noch einmal einen Blick auf die (erschreckende) Quotenentwicklung der vergangenen Monate zu werfen.

Vor gut drei Monaten, am 15. März, lief der langersehnte Pilotfilm der Serie, "Aufbruch ins Unbekannte", endlich in Sat.1 und "Enterprise" feierte Deutschlandpremiere im Free-TV. Schneiden sich die Geister der Fans bis heute noch, ob die Idee, die neue "Star Trek"-Serie im Jahr 2151, also noch vor Gründung der Föderation, zu platzieren, richtig war, oder nicht, konnte man quotentechnisch gesehen mit dem Einstand sehr zufrieden sein. Stolze 3,21 Millionen Zuschauer sahen die zweistündige Doppelfolge, was Sat.1 einen Marktanteil von 10,0% auf dem sehr umkämpften Sendeplatz am Samstagabend bescherte.

Gegen die Konkurrenz von "Wer wird Millionär?" und "Deutschland sucht den Superstar" bei RTL schaffte "Enterprise" ein geradezu sensationelles Ergebnis. Auch in der werberelevanten Zuschauergruppe sah es sehr gut aus: 2,39 Millionen Zuschauer und 19,1% Marktanteil. Damit erreichte "Enterprise" die beste Quote einer "Star Trek"-Serie seit dem Start von "Raumschiff Voyager" im Juni 1996. Dieses Ergebnis sollte auch für die Zukunft Gutes versprechen ... zunächst jedenfalls.

Wie geplant wurde die erste reguläre Episode "Freund oder Feind" am darauffolgenden Freitag um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Auf diesem Sendeplatz sollte "Enterprise" nun dauerhaft ausgestrahlt werden, wie es auch schon für die Vorgängerserie "Raumschiff Voyager" bestimmt worden war. Nach den "Neugierquoten" der Zuschauer zum Pilotfilm, gaben Zuschauerzahlen und Marktanteile natürlich deutlich nach, wenn auch nicht ganz so stark wie zunächst angenommen.

Die Serie musste jedoch auch gegen harte Konkurrenz, wie z.B. den wöchentlichen ZDF-Krimi oder wiederum "Wer wird Millionär?" bei RTL ankommen. Dennoch schaffte die Episode eine Zuschauerquote von 2,46 Millionen und einen Marktanteil von 7,4% insgesamt. Auch bei den wichtigen 14- bis 49-Jährigen bewies die Serie Standhaftigkeit und erreichte 1,67 Millionen bzw. 12,7% Marktanteil.

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: -24%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -24%

Die Premiere am Freitagabend war also gelungen, nun musste sich zeigen, ob "Enterprise" im Stande war, auch weiterhin hohe Ergebnisse zu präsentieren. Die Chance kam mit der folgenden Episode "Geistergeschichten". Hier waren noch 2,06 Millionen Zuschauer insgesamt (6,4% Marktanteil) bzw. bei den 14- bis 49-Jährigen 1,44 Millionen (11,8% Marktanteil) dabei. Diese Zahlen bedeuteten nichts Gutes: Schon bei der zweiten regulären Episode gaben die Quoten der Serie stark nach. Sollte dies bereits der Anfang vom Ende sein? Zwei Drittel Verlust der Zuschauerzahlen nach nur zwei Episoden? Nein, ganz so schlimm war es dann zunächst doch noch nicht.

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: -17%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -36%

Die Hoffnungen ruhten also auf der folgenden Episode, die zufälligerweise auch mit "In guter Hoffnung" betitelt war. Und die Wünsche der Programmplaner wurden erhört. Leicht bessere Quoten mit 2,10 Millionen Zuschauer insgesamt (6,6% Marktanteil) und weit bessere Zahlen in der werberelevanten Zuschauergruppe (1,58 Mio. & 13,2%) gaben "Enterprise" wieder Fahrtwind. Konnte sich dieser Trend fortsetzen?

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: +2%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -35%

Als sechste Episode stellte "Terra Nova" gleichzeitig das Ende des ersten "Ausstrahlungsteils" der ersten Staffel von "Enterprise" dar. Durch die Osterfeiertage und eine misslungene Comedy-Premiereneinsetzung seitens Sat.1 musste die Serie für zwei Wochen weichen, sehr zum Unmut der Fans. Zunächst gab es allerdings wieder sinkende Quoten mit 1,91 Millionen Zuschauer und 6,1% Marktanteil insgesamt und bei den 14- bis 49-Jährigen mit 1,34 Millionen Zuschauer und einem Marktanteil von 11,3%. Die Atempause war also schon vorbei.

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: -9%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -40%

Bekanntlich tun Unterbrechungen der Ausstrahlung einer Serie gar nicht gut, da muss man sich nur einmal die "Enterprise"-Quoten in den USA anschauen. Und so war es auch diesmal bei uns wieder zu spüren. Die Folge "Doppeltes Spiel" erreichte bei ihrer Ausstrahlung das bis dahin niedrigste Ergebnis bisher. 1,60 Millionen Zuschauer (5,5% Marktanteil) insgesamt und 1,19 Millionen Zuschauer bei 10,9% Marktanteil in der werberelevanten Zuschauergruppe zeigen das steigende Desinteresse an der Serie. Schon damals berichteten wir über den akuten Absturz der Serienquote. Jedoch wussten wir damals noch nicht, dass es fast nur schlimmer kommen sollte. Der Verlust von 50% der Zuschauerzahlen insgesamt war erreicht.

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: -16%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -50%

Weit weniger dramatisch ging es in der folgenden Woche weiter. "Das Eis bricht" stellte die zweite Kurzatempause für die "Enterprise"-Quoten dar. 1,62 Millionen Zuschauer waren dabei. Der Marktanteil betrug bei den Zuschauern ab 3 Jahren 5,6 %. In der werberelevanten Zuschauergruppe der 14- bis 49-Jährigen sahen noch 1,16 Millionen Zuschauer zu, das ist ein Marktanteil von 10,7 %. Manche sahen bei diesen Zahlen die Trendwende schon gekommen, doch sie sollten in den kommenden Wochen eines Besseren belehrt werden.

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: +1%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -50%

Eine leichte Verbesserung konnte auch die folgende Episode "Die Saat" verbuchen. Zwar fiel die Gesamtzuschauerzahl ein wenig ab, die Marktanteile und die Zuschauerzahl bei den 14- bis 49-Jährigen konnten mit 1,18 Millionen Zuschauern und 11,2% Marktanteil leicht verbessert werden. Damit lag "Enterprise" nun schon seit drei Folgen auf einem recht stabilen und auch respektablem Niveau, "Die Saat" war dabei am erfolgreichsten, sie konnte die besten Marktanteile (besonders in der Zielgruppe) seit der Episode "Terra Nova" für Sat.1 erzielen. Leider hielt dieser Trend nicht mehr lange an.

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: -2%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -51%

Die Folge "Familienbande" wollten noch 1,54 Millionen Zuschauer bewundern. Der Marktanteil konnte insgesamt zwar gehalten werden, jedoch gaben sie in der werberelevanten Zuschauergruppe wieder ab und erreichten mit 10,9% das zweitschlechteste Ergebnis für "Enterprise" bisher. Zwar war der Tiefpunkt hier noch nicht wieder erreicht, aber von einstigen 12,3% in der Zielgruppe ("In guter Hoffnung") ist hier nicht mehr viel zu spüren. Insgesamt hält die Serie noch 48% der Zuschauer vom Pilotfilm und 63% seit der ersten regulären Episode "Freund oder Feind" am Freitagabend. Ein äußerst mageres Ergebnis für die neue US-Serie. Die Hoffnung ruhte nun auf der Sommerpause von "Wer wird Millionär?" bei RTL. Man erhoffte sich höhere Quoten durch weniger Konkurrenz. Ging diese Strategie auf?

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: -3%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -52%

"Der kalte Krieg" stellte nach dem Pilotfilm eigentlich das erste richtige Highlight der Serie dar, indem der Storybogen um den "Temporalen Kalten Krieg" endlich fortgsetzt wurde. Die Quoten konnten das jedoch nicht sonderlich beeindrucken. Insgesamt fielen die Zuschauerzahlen wieder, nur in der Zielgruppe gab es wieder positivere Tendenzen. Die Marktanteile machten im Vergleich zu den letzten Wochen einen Sprung. 6,7% bei den Zuschauern ab 3 Jahren bedeuten einen Prozentpunkt mehr als vergangene Woche. Mehr erreichte nur die erste reguläre Episode "Freund oder Feind" am Freitagabend (7,4%). Das gleiche, sogar noch bessere Bild in der werberelevanten Zuschauergruppe. Hier gingen die Marktanteile um 2,9%-Punkte nach oben, Rekord für die "Enterprise"-Episoden am Freitag bisher. Steigende Marktanteile also? Endlich die Trendwende erreicht? Programmstrategie aufgegangen? Noch scheint es so...

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: -3%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -53%

Als vorletzte Episode des ersten Staffelhalbjahres wurde die Folge "Lautloser Feind" ausgestrahlt. Ebenso sollte man auch besser Stillschweigen über die Quoten bewahren, was wir uns an dieser Stelle allerdings nicht leisten können. Die bittere Wahrheit war, dass mit der 12. Episode die bis dahin niedrigsten Zuschauerzahlen eingefahren wurden. Nur 1,34 Millionen insgesamt bedeuteten minus 150.000 Zuschauer im Vergleich zur letzten Woche. Bei den 14- bis 49-Jährigen musste "Enterprise" sogar 200.000 Zuschauer abgeben. Das war der zweitgrößte Verlust für die Serie seit dem Pilotfilm "Aufbruch ins Unbekannte".

Ebenso rutschten die Zuschauerzahlen in der werberelevanten Zuschauergruppe mit 0,95 Millionen erstmals unter die Eine-Million-Grenze. Auch hier ein neuer Negativrekord. Die Marktanteile in der Zielgruppe gaben daraufhin um 2%-Punkte nach. Ein schwarzer Tag für die "Enterprise"-Fangemeinde. Doch es sollte noch nicht ganz Schluss sein.

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: -10%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -58%

Das Schlusslicht bildet in unserem großen Quotenreport die geniale Episode "Lieber Doktor". Leider waren die Fans nicht sonderlich am "Alltag" von Dr. Phlox interessiert. Nochmals gab es herbe Verluste für die schon arg gebeutelte Serie "Enterprise". In allen Zuschauergruppen ging es sowohl bei den Marktanteilen als auch bei den Zuschauerzahlen drastisch nach unten. Das bedeutete ein neuer Negativ-Rekord, das schwächste "Enterprise"-Ergebnis überhaupt. Nochmals waren es 80.000 Zuschauer weniger als bei der vorherigen Folge, sogar minus 100.000 bei den 14- bis 49-Jährigen.

Auch bei den Marktanteilen sah es nicht gut aus. Minus 1,4%-Punkte in der Zielgruppe, das sind 12% weniger als bei "Lautloser Feind". Ein weiterer Negativ-Rekord. Auch bei den Zuschauern insgesamt sind 5,4% das schwächste Ergebnis bisher. Gerade mal noch 38% der Zuschauer insgesamt sind noch seit dem Pilotfilm bei "Enterprise" geblieben. Ein Absturz ohne Gleichen.

Die Zahlen:
Zuschauerzahl im Vergleich zur letzten Episode: -9%
Zuschauerzahl im Vergleich insgesamt: -62%

Halbjahresfazit

Die Quoten von "Enterprise" legten in den vergangenen ersten 13 Folgen eine nahezu erschreckende Entwicklung hin. Glaubte man zu Beginn der Ausstrahlung noch, dass die Serie endlich wieder dem angeschlagenen Sendeplatz am Freitagabend in Sat.1 zu neuem Ruhm und Glanz verhelfen könne, so stellte sich schon bald heraus, dass in Zeiten von Krieg, Angst und Terror die Zuschauer nicht so recht für ein Raumschiff in den Tiefen des Alls zu begeistern ist. Auch der Verlust der Popularität von "Star Trek" spielt bei den Quoten sicherlich eine Rolle, ebenso wie die sehr verspätete Ausstrahlung von Sat.1 (gut 1 1/2 Jahre nach der US-Premiere und ein Jahr nach VHS-Veröffentlichung) und die Sendepolitik des Senders während der "Enterprise"-Ausstrahlung selbst.

Für die kommenden 13 Episoden bis zum Staffelfinale kann man der Serie nur wünschen, dass sich der aktuelle Quotentrend auf keinen Fall fortsetzt und sich am besten umkehrt. Doch so richtig glaubt da wohl niemand mehr dran. Derzeit ist höchstens eine kleine Quotenerholung in Sicht. "Enterprise" ist leider auf dem besten Wege dasselbe Schicksal zu erleiden wie in den USA, wo die Serie auch enorme Quoteneinbußen, schon während der ersten Staffel, hinnehmen musste (lesen Sie hierzu weiter unten). Und diese Einbußen sind keinesfalls zu übersehen. Die Verluste der Zuschauerzahlen sprechen eine deutliche Sprache:

nach der 6. Episode "Terra Nova" (11. April): -40%
nach der 10. Episode "Familienbande" (23. Mai): -52%
nach der 13. Episode "Lieber Doktor" (13. Juni): -62%

Innerhalb weniger Wochen (von "Freund oder Feind" bis "Lieber Doktor") hat "Enterprise" über 50% seiner Zuschauerschaft verloren, zum Vergleich zum Pilotfilm ganz zu schweigen. Kaum eine Serie, die eine solch vergleichbare Talfahrt hinlegt.

Vergleicht man die Einschaltquoten von "Raumschiff Voyager" bei ihrer Erstausstrahlung im Sommer 1996 in Sat.1, so muss man jedoch feststellen, dass auch der Vorgängerserie im Verlauf der 1. Staffel ganz schön die Puste ausging. Captain Janeway und ihre Crew verloren vom Pilotfilm bis Episode 13 "Bewusstseinsverlust" 56% der Zuschauer insgesamt. Das ist zwar nicht ganz so schlimm wie bei "Enterprise", dennoch ist der gleiche Trend eindeutig erkennbar. Bis zum Ende der 1. Staffel fing sich die Serie wieder etwas bis auf einen Verlust von 48% der Zuschauer (jedoch hatte die 1. Staffel auch nur insgesamt 16 Episoden). Ein exakter Vergleich hinkt also, auch weil man die Quotenmaßstäbe für eine Sciencefiction-Serie von damals nicht mehr unbedingt an die heutigen Maßstäbe ansetzen kann.

Wenn wir jedoch noch einen Blick auf die "Enterprise"-Quoten der 1. Staffel in den USA werfen, bemerken wir, dass es nicht nur in Deutschland eine Achterbahntalfahrt angesagt war. Gemessen an den Zuschauern in Millionen verlor die Serie dort nämlich auch bis zur 13. Episode ganze 55% der Fans. Und dieser Negativ-Trend setzte sich im zweiten Teil der Staffel sogar noch fort. Hoffen wir, dass Deutschland nicht einfach blindlinks den Vorgaben folgen wird.

Wir werden die Quotenentwicklung in den kommenden Wochen, zunächst bis zur "Enterprise"-Sommerpause, für Sie natürlich weiterhin genau verfolgen und wöchentlich darüber ausführlich berichten, wie Sie es gewohnt sind. Einen Überblick über die Quoten können Sie sich jederzeit natürlich auch in unserem Quotenarchiv verschaffen.

(ad); STVC-Meldung vom 27.06.2003; Quelle: [971 Aufrufe; 0 Kommentare]

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