Astronomen nahmen bisher an, dass sich die Atmosphäre des Pluto innerhalb der nächsten 10 Jahre auflösen würde. Neuesten Erkenntnissen zu Folge ist jedoch das Gegenteil der Fall: die Atmosphäre scheint seit 1988 dichter geworden zu sein.
Obwohl sich der äußerste Planet unseres Sonnensystems von der Sonne weg bewegt, wird seine Atmosphäre dichter. Dieser Vorgang gibt Astronomen Rätsel auf, die erwartet hatten, dass die Atmosphäre erkalten würde und in etwa 10 Jahren zusammenschrumpft.
Die vor kurzem stattgefundenen Veränderungen auf dem Pluto wurden aufgrund einer seltenen stellaren Konstellation im letzten Jahr entdeckt. Pluto zog an zwei schwach leuchtenden Sternen vorüber, deren eigene Reflektion der Sonne durch die Einwirkung von Pluto's Atmosphäre gedämpft wurde, bevor der Planet sich mit seiner gesamten Masse vor die Sterne schob.
Die Auswertung dieses Ereignis' zeigt, dass sich die dünne Atmosphäre des eisigen Planeten seit der letzten vergleichbaren Auswertung vor 14 Jahren aufgebläht hat.
Was genau auf dem am weitesten entfernten Planeten vor sich geht, wird vielleicht die Sonde "Pluto-Kuiper Express" klären können. Sie wird die erste Sonde sein, die dem Pluto einen Besuch abstattet. Ihr Start ist für 2006 vorgesehen, ihre Reise wird nahezu ein Jahrzehnt dauern.
Pluto wurde 1930 als Resultat einer "himmlischen" Detektivarbeit entdeckt. Er gilt seitdem als Mysterium. Sogar das große Hubble-Weltraumteleskop vermag nur verschwommene und unklare Details auf der eisigen Planetenoberfläche auszumachen.
Erste Beweise für die Pluto-Atmosphäre wurden erst 1985 erbracht, als ein Stern hinter Pluto vorbeizog. Von der Erde aus gesehen schien der Stern leicht zu schwanken, als er den Planeten passierte. Pluto's Atmosphäre ist im Vergleich zur Erde sehr dünn – sie macht nur etwa ein Millionstel der Dichte unserer Atmosphäre aus.
Untersuchungen und Berechnungen legen nahe, dass seine Atmosphäre aus Stickstoff besteht, welcher sich in einem empfindlichen Gleichgewicht zum Eis auf der Oberfläche befindet.
Der winzige Pluto, der sogar noch kleiner als unser Mond ist, benötigt 248 Jahre für einen Umlauf um die Sonne. Er ist der am weitesten von ihr entfernte Planet in unserem Sonnensystem, mit Ausnahme der beiden Zeitpunkte, wenn er in seiner Umlaufbahn die stärkste Annäherung an die Sonne erreicht, dann ist Neptun ein wenig weiter entfernt.
Diesen Punkt erreichte der kleine Planet zuletzt 1989, seitdem entfernt er sich auf seiner Umlaufbahn immer weiter von ihr und wird vermutlich immer kälter.
Das letzte Mal, dass ein Stern den Pluto passierte war in 1988, deshalb bereiteten sich Astronomen akribisch auf zwei Gelegenheiten im Juli und August 2002 vor, um den Planeten von Nord- und Südamerika, sowie Hawaii aus beobachten zu können.
Der erste Stern mit dem Namen "P126A" zog am 20. Juli 2002 an Pluto vorbei und bescherte den Wissenschaftlern die Erkenntnis, dass sich die Atmosphäre auf irgendeine Art und Weise verändert hatte. Die Qualität dieser Beobachtungen war jedoch nicht ausreichend, um genaue Aussagen über die Gründe treffen zu können.
Die Passage von "P131.1" am 21. August erbrachte bessere Resultate und legte nahe, dass die Atmosphäre seit 1988 anschwillt, während die Temperatur des Planeten scheinbar konstant geblieben ist.
Die Astronomen werden ihre Ergebnisse im "Nature Journal" publizieren.
Eine mögliche Erklärung für diese Entwicklung sehen die Forscher in der Wärmedifferenz. Pluto kühlt sich zwangsweise ab, während er sich auf seiner Umlaufbahn von der Sonne entfernt. Dennoch könnte es eine Verzögerung bei der Abstrahlung der Hitze geben, die sich ansammelt, wenn er der Sonne am nächsten ist.
Aufgrund des empfindlichen Gleichgewichts zwischen der Atmosphäre und der eisbedeckten Oberfläche erwarten die Forscher, dass sich die Atmosphäre bis 2015 vollständig aufgelöst hat, mit einer Abweichung von einigen Jahren.
Es ist deshalb notwendig, den Planeten vor diesem Zeitpunkt zu erreichen und Messungen durchzuführen, bevor die Atmosphäre kollabiert. "Pluto-Kuiper Express" ist somit zu einer dringenden Mission geworden.

