Astronomen haben schon seit längerem die Vermutung, dass es durchaus vorkommen kann, dass eine große Galaxie eine winzige verschlingt. Nun gibt es zum ersten Mal einen photographischen Beweis für diese Art von galaktischem Kannibalismus, dank des "Hubble"-Weltraumteleskops.
Das Bild rechts zeigt die große Spiralgalaxie UGC 10214, die unter dem Namen "Kaulquappen"-Galaxie bekannt wurde, und eine Zwerggalaxie, die in die "Kaulquappe" eingedrungen ist und ihr diese charakteristische Form gab, der sie ihren Namen verdankt.
Dieses Foto ist eines der ersten, die vergangenes Jahr nach der Installation der neu entwickelten Kamera an "Hubble" veröffentlicht wurden.
In der linken oberen Ecke, an einem der Spiralarme sieht man das, was die Gravitationskräfte von UGC 10214, nach der Kollision der beiden Galaxien, von der in kosmischen Maßstäben winzigen Galaxie übrig gelassen haben. Doch diese Kräfte wirkten auch auf die "Kaulquappe". Ein Resultat daraus ist ihr "Schwanz", der aus Steren und leuchtendem Gas besteht und sich über 280.000 Lichtjahre erstreckt.
US-amerikanische und australische Astronomen waren fasziniert von diesem nicht zusammenpassenden kosmischen Pärchen, aber das "Hubble"-Bild allein reichte nicht aus, um zu bestätigen, dass in diesem Fall eine galaktische Mahlzeit vorlag; dass die viel kleinere Zwerggalaxie der dominanten Galaxie als Nahrung diente.
Um das festzustellen, nutzten sie das "Keck"-Teleskop in Hawaii, welches in der Lage war, zu zeigen, wie Sterne aus dem Herzen der Zwerggalaxie zur größeren Galaxie hinüberströmten, heißt es in einer Erklärung der Astronomen. Das galaktische Paar befindet sich etwa 2 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt, also sind die von "Hubble" aufgefangenen Bilder ganze 2 Milliarden Jahre alt.
Die Ergebnisse der Astronomen wurden vergangenen Dienstag im "Science Express" veröffentlicht. Die winzige Galaxie ist von den Gravitationskräften der größeren zerrissen wurden; es werden sich die gestohlenen Sterne der Zwerggalaxie auflösen und als Teil des sphärischen Halos die flache Scheibe der größeren Spiralgalaxie umgeben, meinten die Astronomen.
Die große Galaxie wird auch weiterhin, Milliarden von Jahren lang, ihren kleineren Begleiter deformieren, meinte der Astronom Duncan Forbes der "Swinburne University" in Hawthorn, Australien.
Es kann noch mehr Entdeckungen geben, da Forbes und sein Team planen, die "Hubble's Advanced Camera for Surveys" nächstes Jahr für Beobachtung von nahen Spiralgalaxien und alten Kugelsternhaufen zu nutzen.
Die Milchstraße, die die Erde beherbergt, steht in Wechselwirkung mit den beiden Magellanschen Wolken, zwei nahen Zwerggalaxien und Begleitern unserer Galaxie, die jedoch viel größer sind als der Zwerg, den Forbes und seine Kollegen untersucht haben.
Eine andere Galaxie, die Sagittarius-Zwerggalaxie, wurde im Jahr 1994 entdeckt, aber dieser Zwerg war schon vollkommen zerstört; die Astronomen konnten ihn nur anhand der Reste seiner Einfallsbahn ausfindig machen, so Forbes.

