Wie immer finden Sie vor der Ausstrahlung einer neuen "Enterprise"-Episode auf Sat.1 eine kurze Inhaltsbeschreibung und Kritik. Diese Woche: "Gefallene Heldin". Lesen Sie, warum die Serie mit dieser Folge selbst eine gefallene Heldin ist.
Inhalt
Als die vulkanische Botschafterin V'Lar wegen kriminellen Fehlverhaltens angeklagt wird, wird die "Enterprise" gebeten, sie zurück nach Vulkan zu bringen. Als das Schiff jedoch von einer außerirdischen Rasse angegriffen wird, welche die Auslieferung von V'Lar verlangt, verteidigt T'Pol die Botschafterin und bittet, zum ersten Mal, Archer um Hilfe. Währenddessen wird durch die Angriffe des feindlichen Schiffes das Leben der Crew gefährdet...
Kurzkritik
Nach den letzten beiden, durchaus gelungenen Episoden "In sicherem Gewahrsam" und "Vox Sola" kehrt die Serie mit "Gefallene Heldin" zu ihren alten Gewohnheiten zurück: völlig belanglose Unterhaltung mit Action als Füllmaterial.
Wie "Im Schatten von P'Jem" fragt man sich auch bei "Gefallene Heldin", wo denn nun eigentlich die Story ist. Ist sie bei der Handlung mit der vulkanischen Botschafterin, die nicht weiter charakterisiert wird? Oder findet sich diese bei den Action-Szenen, wo krampfhaft bemüht wird, soetwas wie Spannung aufzubauen? Nein, die Definition des Wortes "Story" will ganz und gar nicht zu "Gefallene Heldin" passen, viel mehr handelt es sich hierbei um ein Hintereinanderstapeln von - zugegeben - teils gelungenen Szenen.
Doch vermag die Serie auf lange Sicht damit Erfolg zu haben? Wie wir bereits festgestellt haben, ganz und gar nicht. Die Quoten sind zu diesem Zeitpunkt bereits im Keller. Warum wird dann so eine Episode herausgebracht? Weil die Produzenten noch immer im irrtümlichen Glauben sind, "Star Trek" reduzieren zu müssen, um ein Flair des Neuen zu erzeugen - leider Pech gehabt, denn das Ergebnis ist eine der - in Bezug auf die Story - dünnsten Episoden von ganz "Star Trek".
Zugegeben, dank teils sehr gelungener Szenen mag "Gefallene Heldin" durchaus unterhalten, trotzdem fühlt jeder Zuschauer, der nicht nur eine "Star Trek"-Episode gesehen hat, eine Leere, eine nie dagewesene Oberflächlichkeit in einer "Star Trek"-Episode und fühlt sich beleidigt, dass die Macher ihm nicht mehr Intelligenz zutrauen.
So gibt es in "Gefallene Heldin" abermals gradlinige Unterhaltung, ohne spannende Wendungen und Tiefgang, aber dafür mit reichlich verschenktem Potenzial und reichlich verjagten Fans. Die Macher bemühen sich noch nicht einmal um soetwas wie Tiefe und das ist das Ärgerliche. Die Story plätschert von A nach B. Der Zuschauer sieht lediglich eine Vulkanierin, die ein wenig menschliche Züge hat und amüsiert sich entsprechend zu Beginn. Doch nach und nach stellt er fest, dass es absolut gar nichts interessantes am Charakter V'Lar gibt und langweilt sich. Garniert wird das Ganze ein wenig mit der unmotiviert wirkenden T'Pol, die enttäuscht von ihrem Idol, der Botschafterin, ist, und zum Schluss hin wird das Ganze mit ein wenig Action abgerundet und schon kommt der Abspann. Alle drei Story-Elemente wirken lustlos und sinnfrei. Keins der Story-Elemente beschäftigt sich tiefer mit der Materie. Was will die Episode nur aussagen, fragt sich jeder Zuschauer unweigerlich.
Diese absichtliche Oberflächlichkeit führt auch dazu, dass die Archer/T'Pol-Szenen nicht so recht überzeugen. So trägt der vulkanische Sub-Commander Archer zum ersten Mal eine Bitte vor, doch fesselt dies den Zuschauer nicht so recht, weil die Umstände, unter denen sie diese Bitte vorträgt, nicht fesselnd sind. So ist dies ein weiteres unnötiges "NX-01"-Abenteuer, an das sich kein Zuschauer mehr erinnert, über das kein Zuschauer mehr spricht und das in der Vielzahl der Episoden untergeht wie eine Bleikugel im Wasser. Durchschnittlichkeit wird auf der Archer-"Enterprise" einmal mehr groß geschrieben - sehr zum Leid der ansonsten so von "Star Trek" verwöhnten Zuschauer.
Fazit
"Gefallene Heldin" ist nach den letzten beiden gelungenen Episoden eine herbe Enttäuschung. Die Episode ist nach "Im Schatten von P'Jem" die von der Story her dünnste Episode in der "Star Trek"-Geschichte - und das ist wahrlich keine Übertreibung, sondern Tatsache. Vor dem totalen Absturz bewahren lediglich einige sehr kurzweilige Charakterszenen, die vieles wieder wett machen. Mit Oberflächlichkeit und Durchschnittlichkeit versuchen die Macher abermals, auf Zuschauerfang zu gehen - ein Ziel, das angesichts solch miserabler Episodenqualität von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Wenn es so weiter geht, ist die Serie "Enterprise" die gefallene Heldin... Note 4-
Linktipp
- Unsere sehr populäre Kolumne "Enterprise - die Vergewaltigung von Star Trek"
Sat.1 - 23.08.2003, 19:15 Uhr: "Gefallene Heldin", 23. Episode (1. Staffel) der Serie "Enterprise", Sciencefiction, USA 2002.
(sl); STVC-Meldung vom 23.08.2003; Quelle:
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