In dieser neuen Artikel-Serie werden wir Ihnen vor der Ausstrahlung einer "Star Trek"-Klassikerepisode eine kurze Inhaltsbeschreibung und Kritik zu dieser präsentieren. Heute auf Sat.1: "Raumschiff Voyager" mit der Klassiker-Episode "Die Kooperative".
Inhalt
Chakotay und Fähnrich Kaplin sind auf einer Shuttle-Mission, auf der sie neues Territorium kartografieren sollen. Dabei empfangen die beiden ein Föderations-Notsignal von einem Planeten. Dort angekommen, werden sie zunächst angegriffen, werden aber von einer Frau namens Riley Frazier gerettet.
Es stellt sich heraus, dass der gesamte Planet von verschiedenen Rassen des Alpha-Quadranten bevölkert ist, die von den Borg assimiliert worden waren. Durch einen Unfall wurde ihre Verbindung zum Kollektiv getrennt, so dass alle ihre Individualität wiedererlangt haben. Leider führt dieser Umstand zu erheblicher Unruhe unter den verschiedenen Kulturen...
Kurzkritik
"Die Kooperative" ist eine mitreißende "Raumschiff Voyager"-Episode, in der es vor Tiefgang nur so sprüht. Endlich gelangen Janeway und Crew in den Borg-Raum und überraschen den Zuschauer mit einer Borg-Episode, die eigentlich keine ist. So bekommt der Zuschauer in dieser Episode keine banale Action oder atemberaubende Raumschlachten zu sehen, sondern eine liebevolle und sehr intelligente Charakter-Episode, die nicht die Nachteile, sondern die Vorteile eines Borg-Kollektivs aufzeigt und hieraus ihre Spannung zieht.
Die Borg sind die wohl gefährlichsten Gegner des "Star Trek"-Universums. Dieser Umstand entsteht nicht allein aus der Tatsache, dass die Borg der Föderation in technologischer Hinsicht weit überlegen sind, sondern es ist ihre gänzlich andere Ideologie. So hat das Individuum in "Star Trek" den höchsten Stellenwert. Da die Borg genau das Gegenteil verkörpern, nämlich die Hochschätzung der Masse, nicht des Individuums, wirken diese Gegner so gefährlich, weil sie die gesamte Grundlage der Föderation in Frage stellen und in Gefahr bringen.
Umso mutiger der Verstoß seitens der "Raumschiff Voyager"-Autoren, dass sie sich nicht davor scheuen, die Vorteile einer eben solchen Kooperative zu präsentieren. Man spürt, dass "Raumschiff Voyager" nicht einfach ein "Das nächste Jahrhundert"-Ableger ist, die Serie ist stets bemüht, das "Star Trek"-Universum mit neuen Elementen und Perspektiven zu bereichern und "Die Kooperative" trägt ihren Teil dazu bei.
Das Drehbuch spielt geschickt mit den Erwartungen der Zuschauer. Am Ende ist dieser verblüfft, dass letzten Endes der Aufbau eines neuen Kollektivs die Probleme auf dem Planeten beseitigt.
"Raumschiff Voyager" beweist sich hierbei einmal mehr als hochkarätige Sciencefiction-Serie, die weniger Wert auf Action als auf die Geschichte legt. Sicherlich gibt es einige brillante Specialeffects in der Folge, doch die Optik versteckt sich in der Serie stets hinter der Story. In einer Episode wie "Die Kooperative" stehen einzig und allein die Charaktere im Vordergrund. Das ist intelligente Unterhaltung, das zeichnet "Star Trek" aus.
Wie viele "Raumschiff Voyager"-Episoden lässt auch "Die Kooperative" die Zuschauer nicht einfach nach dem Ende abschalten. Ganz im Gegenteil, der Zuschauer denkt noch eine ganze Weile über die Bedeutung und Aussage der Episode nach. Hier stellt er sich die Frage, wielange eine solche Kooperative sich bewähren kann, wo genau wie bei den Borg das Individuum unterdrückt wird, wenn auch hier diese Unterdrückung die Kleinkriege auf dem Planeten beendet.
So hat die Kooperative sich nicht davor gescheut, Chakotay auszunutzen - wenn auch für einen guten Zweck, aber wer kann schon sagen, ob angesichts dieser gewaltigen Macht, die eine solche Kooperative bietet, das Individuum nicht auch für einen schlechten Zweck ausgenutzt oder gar vollständig unterdrückt werden kann? Wielange lassen sich angesichts solcher Macht die Ideale aufrecht erhalten? Macht ist stets gefährlich und viele Menschen, die damit in Berührung kommen, verfallen ihr. Wielange kann die Kooperative ihr widerstehen? Parallelen zu unserer Gegenwart können intelligenter und subtiler nicht sein.
"Die Kooperative" ist eine der außergewöhnlichsten und tiefgründigsten Borg-Episoden, die "Raumschiff Voyager" zu bieten hat. Wenn man bedenkt, dass die Borg mit dieser Episode erst zum ersten Mal in der Serie auftauchen (von der Episode "Pon Farr" einmal abgesehen), so kann man sich aufgrund ihrer Gelungenheit nur auf die kommenden Borg-Episoden freuen.
Angesichts solch einer komplexen Episode, die tiefgründiger als die gesamte erste Staffel der jungen "Star Trek"-Serie "Enterprise" zusammen ist, fragt man sich als Zuschauer wirklich, wie es bei "Enterprise" soweit kommen kann, dass dort banalste Episoden wie "Im Schatten von P'Jem" ausgestrahlt werden können. Ja, an einer Episode wie "Die Kooperative" erkennt der Zuschauer, dass "Star Trek" seit "Enterprise" deutlich nachgelassen hat.
Fazit
"Die Kooperative" ist die erste Borg-Episode in der "Raumschiff Voyager"-Serie. Die Borg passen zu der Serie, welche keineswegs alte Elemente wiederholt, sondern der interessantesten Rasse des "Star Trek"-Universums neue Aspekte abgewinnt.
Es handelt sich um eine äußerst tiefgründige Episode, bei der auf sehr intelligente Art und Weise die Vorteile des Borg-Kollektivs aufgezeigt werden.
"Die Kooperative" ist keine Charakter-Episode, sondern vielmehr eine Charakter-Studie über die Borg und auch über das, was die Föderation letzten Endes ausmacht. Ein großer Gewinn für die Serie und "Star Trek"! Note 1
Sat.1 - 24.08.2003, 17:00 Uhr: "Die Kooperative", 59. Episode (3. Staffel) der Serie "Raumschiff Voyager", Sciencefiction, USA 1997.
(sl); STVC-Meldung vom 24.08.2003; Quelle:
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