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US-Quoten der Premiere der dritten "Enterprise"-Staffel katastrophal (Update)

Gestern ist die dritte und alles entscheidene Staffel von "Enterprise" in den USA gestartet. Nach zwei Jahren durchgehend sinkenden US-Quoten markiert diese Staffel den Wendepunkt und entscheidet über das Überleben von "Enterprise" und natürlich auch "Star Trek". Der großangekündigte Richtungswechsel der Serie soll insbesondere den angeschlagenen Quoten zu neuen Höhen verhelfen. Das Ergebnis ist jedoch eine Enttäuschung sondergleichen. Update: Finale US-Quoten verheißen ebenfalls nichts Gutes.

Titelgrafik zur News
"Enterprise"

Die Zahlen

"The Xindi", welche am Mittwoch-Abend um 20 Uhr auf dem US-Sender UPN ausgestrahlt wurde, erlangte ein Overnight-Rating von nur 4,4 bei 7% Marktanteil. Damit landete der Sender auf einem gewohnten vierten Platz.

Platz 5 belegte der Sender NBC mit einer Wiederholung von "Ed" und einem Overnight-Rating von 4,0 bei 6% Marktanteil. Die Overnight-Ratings sind Vorabquoten, da sie nur die 55 wichtigsten TV-Märkte berücksichtigen und daher nur als Indiz für die finale Quote gewertet werden können - nicht mehr und nicht weniger. Dabei werden die Zahlen in Haushaltspunkten/Marktanteil angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte.

Ein Overnight-Rating von 4,4 Punkten entspricht also 4,4% der gesamten US-TV-Haushalte. Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 7% bedeutet also, dass 7% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender.

Die finalen Einschaltquoten, sogenannte National-Ratings, berücksichtigen alle TV-Märkte in den USA. Die Zahl wird in Haushaltspunkten angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte. Bei einer finalen Einschaltquote von 2,8 Punkten sahen also rund 2,8% der US-TV-Haushalte "Enterprise". Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 4% bedeutet also, dass 4% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender. Die Zuschauerzahl in Millionen gibt schließlich an, wieviele Zuschauer (nicht Haushalte) tatsächlich eingeschaltet haben.
Platz 6 und damit Schlusslicht bildete der Sender WB mit einer Wiederholung von "Smallville".

Platz 3 ging an den Sender FOX mit den Wiederholungen der Serien "Die wilden 70er", "Die Simpsons" und "Paradise Hotel".

Platz 2 verbuchte ABC mit einer Wiederholung von "My Wife and Kids" und einem Overnight-Rating von 6,4 bei 11% Marktanteil.

Sieger des Abends wurde der Sender CBS mit "60 Minutes II" und einem Overnight-Rating von 7,7 bei 12% Marktanteil.

Die neue Serie "Jake 2.0", welche direkt nach "Enterprise" ausgestrahlt wird, erlangte ein Overnight-Rating von 4,2 bei 6% Marktanteil - 9% hinter der Premiere von "The Twilight Zone" (4,6 bei 7% Marktanteil) letztes Jahr.

Analyse und Vergleich

"The Xindi" legte den schlechtesten Staffelstart für eine "Star Trek"-Serie hin. Noch nie hatte eine Staffelpremiere in "Star Trek" so niedrige Quoten. Im Vergleich zum Vorjahr, wo "Die Schockwelle, Teil 2" (4,9 bei 8% Marktanteil) die zweite Staffel einleitete, verlor die Serie abermals 0,5 Punkte, was ein Verlust von rund 10% darstellt.

Im Vergleich zum Cliffhanger aus der zweiten Staffel, "The Expanse", konnte "The Xindi" keine Zuschauer dazugewinnen. So hatte "The Expanse" dasselbe Overnight-Rating, welches sich als ein National-Rating von 2,8 bei 4% Marktanteil und insgesamt 3,9 Millionen Zuschauer herausstellte. Ein ähnliches - miserables - Ergebnis ist auch für "The Xindi" zu erwarten.

Ein Overnight-Rating-Vergleich der "Star Trek"-Staffelpremieren der letzten Jahre ("Enterprise"-Pilotfilm "Aufbruch ins Unbekannte" nicht mitgezählt):

2002: Die Schockwelle, Teil 2 - 4,9 ("Enterprise")
2000: Unimatrix Zero, Teil 2 - 6,0 ("Raumschiff Voyager")
1999: Equinox, Teil 2 - 6,9 ("Raumschiff Voyager")

Interessantes

Der US-Sender UPN startete seine neue TV-Saison früher als alle anderen Sender, die noch mit Wiederholungen die Zuschauer über die Sommerpause zu vertrösten versuchen. Auf diese Weise erhofft sich UPN wohl mehr Zuschauer für seine Staffel- und Serienpremieren gewinnen zu können ...

Kommentar

... und diese Strategie ist einmal mehr nicht aufgegangen. "Enterprise" ist nach wie vor auf dem Todesflug. Wenn die US-Quoten sich in dieser Staffel nicht drastisch erholen werden, dann wird die dritte Staffel definitiv die letzte sein. Ich bin in meinen letzten US-Quotenbesprechungen öfters auf die Gründe eingegangen und habe des Öfteren darauf hingewiesen, dass die Serie mit dem Ende ihrer dritten Staffel das Zeitliche segnen könnte. "The Xindi" unterstreicht diese Prognosen und versucht noch nicht einmal mit ein bisschen Kraft, das Gegenteilige unter Beweis zu stellen.

Ich fühle keinerlei Genugtuung, denn mit dem Ende von "Enterprise" wird auch das TV-Franchise von "Star Trek" eine Pause einlegen müssen - genau wie mit "Nemesis" das Kino-Franchise nun still liegt. Und das sind wahrlich keine guten Nachrichten für einen "Star Trek"-Fan. So schlecht "Enterprise" auch ist, das Ende von "Star Trek" möchte man aber dann doch nicht kommen sehen, auch wenn es nur zu seinem Vorteil wäre, wenn man sich die aktuellen miserablen "Enterprise"-Episoden anschaut.

Die Gründe für das Scheitern sind dieselben geblieben. Wie ich oft genug bereits angesprochen und in meiner äußerst populären Kolumne "Enterprise - die Vergewaltigung von Star Trek" zusammengefasst und weitergehend analysiert habe, ist der Markt mit dem Konzept einer Action-Sciencefiction-Serie übersättigt. Wir alle leben in einer düsteren Zeit des Terrorismus und des Kriegs, da möchte man keine Serien sehen, die von Krieg und Tod handeln. Und genau darum geht es nun in "Enterprise". Mit dem Richtungswechsel der Serie wird diese noch action-betonter, noch kriegerischer und nicht zuletzt düsterer - etwas, das im derzeitigen TV absolut "out" und auch altbacken ist.

Genau die Elemente, wegen der man als "Star Trek"-Fan bei "Enterprise" die Flucht ergriff, werden noch einmal aufgewärmt und sogar in den Mittelpunkt gestellt. Die Macher scheinen auch mit der dritten Staffel nichts dazugelernt zu haben.

Was die "Enterprise"-Aus-Prinzip-Fans gern bestreiten, aber auf der Hand liegt, ist, dass die alten "Star Trek"-Fans die Lust an Archer und Crew schon längst verloren haben. Diese "Enterprise"-Serie verkörpert soviel amerikanisch durchschnittliches und so wenig "Star Trek"-typisches, dass kein "Das nächste Jahrhundert"-, "Raumschiff Voyager"- und meinetwegen auch "Deep Space Nine"-verwöhnter Fan sich diesen Durchschnittsbrei mehr länger antun möchte. Der Reiz an einer optimistischen Welt, an der weiterentwickelten Moral und an der komfortablen Technologie - alles wurde von "Enterprise" über den Haufen geworden und durch Durchschnittskram, der längst alter Hut im restlichen TV ist, ersetzt. Es gibt so gut wie kein "Star Trek" mehr in "Enterprise" - und da diese ebenfalls nichts neues bietet, sondern nur Durchschnittsware - schalten auch die restlichen Zuschauer in Scharen ab, was die sinkenden US-Quoten erklärt.

Nicht umsonst heißt "Enterprise" in den Promotion-Trailern nun "Star Trek Enterprise". Denn die Macher haben endlich eingesehen, dass ohne die alten verschreckten "Star Trek"-Zuschauer "Enterprise" nicht überleben kann, und versuchen, diese nun zurückzugewinnen. Auch hier fühle ich keinerlei Genugtuung, so Recht in meiner Kolumne gehabt zu haben, denn als "Star Trek"-Fan möchte man trotz allem "Star Trek" im TV sehen und wenn das Ende von "Enterprise" auch das Ende von "Star Trek" im TV bedeutet, dann ist dies keinesfalls ein Grund zum Jubeln.

Immer und immer wieder taucht derselbe Kritikpunkt in allen Reviews auf: Durchschnittlichkeit, auf die ich in meiner erwähnten Kolumne ausführlichst einging. "Enterprise" ist mit der konsequenten Reduzierung von "Star Trek"-Elementen nichts außergewöhnliches mehr im derzeit höchst innovativen, experimentierfreudigen und provokanten US-TV-Markt (Man denke nur an Serien wie "24", "The West Wing", "Six Feet Under" oder "Sex And The City"). Das ist mitunter einer der Gründe, warum die Serie keine Zuschauer dazugewinnen kann - diese werden woanders besser und innovativer unterhalten.

Daher ist es sehr verständlich, dass der Richtungswechsel in "Enterprise" keine Zustimmung findet. Denn alles hat man bisher schon einmal gesehen. Sei es in der herausragenden "Farscape"-Serie, die die Messlatte für außergewöhnliche Sciencefiction um einiges höher legte, oder in der extrem mäßigen Serie "Stargate" - "Enterprise" bietet dem Fan nichts neues und durch das Experimentieren mit Soldaten an Bord und T'Pols Brüsten wirkt sie verzweifelt und lächerlich. Wo ist das Einmalige an "Star Trek" geblieben? In der "Delphic"-Ausdehnung scheint man dies nicht zu finden.

"The Xindi" legte den schlechtesten Staffelstart der "Star Trek"-Geschichte hin. Ein wahres Armutszeugnis wohl auch deshalb, weil auf den restlichen Sendern nur Wiederholungen liefen. Es wird interessant sein, den Verlauf der dritten Staffel zu beobachten. Doch wie hoch sind die Chancen - bleiben wir realistisch - dass die Quoten plötzlich in die Höhe schießen? Das Konzept ist nachwievor nicht stimmig, verfehlt den Zeitgeist aufs Neue und ist diesem auch nicht wirklich voraus. Wie hoch waren denn überhaupt die Chancen - für alle, die der dritten Staffel extrem enthusiastisch gegenüber standen - dass die Episoden plötzlich mit einem Schlage besser werden und Berman und Braga aus all ihren Fehlern gelernt haben?

Eins ist sicher: Noch nie war eine "Star Trek"-Serie in dieser frühen Phase bereits vom Flair des nahenden Ende gekennzeichnet. Und wer weiß, vielleicht wird die "Enterprise" gegen Ende der dritten Staffel in der "Delphic"-Ausdehnung zerstört und die Serie beendet werden - dann könnte man all die Schand-Episoden, all die peinlichen US-Quoten und all die vernichtenden Kritiken vergessen. Doch wird man von neuem anfangen wollen? Eins ist auch sicher: Die nächste Serie - sollte es diese geben - findet mit Sicherheit nicht mehr im 22. Jahrhundert statt...

Hinweis

Bitte bedenken Sie, dass die Zahlen Overnight-Ratings sind. Diese sind nur Vorabzahlen und daher nur ein Indiz für die finalen Quoten (mehr Informationen dazu finden Sie in der Info-Box). Die finalen US-Quoten zu "The Xindi", die allerdings ebenso mager aussehen dürften, finden Sie in den kommenden Tagen.

Da nun die dritte Staffel von "Enterprise" in den USA gestartet ist, werden wir Ihnen wieder jeden Donnerstag eine US-Quotenbesprechung präsentieren. Nächste Woche: "Anomaly". Ob es der Serie gelingt, aus dem Quotensumpf der Premiere herauszukommen?

Alle Zahlen stammen von "MediaWeek.com".

Update 12.09.2003, 13:03 Uhr

Das reonommierte Handelsblatt "Variety" hat die finalen US-Quoten zu der "Enterprise"-Staffelpremiere "The Xindi" veröffentlicht. Diese sind - wie die Overnight-Ratings bereits zeigten - schwach und einem Staffelstart nicht würdig.

Die Episode wurde von nur 4,07 Millionen Zuschauern betrachtet, etwas höher als das Ergebnis vom Cliffhanger "The Expanse" im Mai (3,88 Millionen), aber trotzdem 17% Verlust gegenüber der Premiere der zweiten Staffel, "Die Schockwelle, Teil 2" (4,89 Millionen). Dies ist das beste Ergebnis für die Serie seit der Borg-Folge "Regeneration" (4,12 Millionen). Das National-Rating hierzu ist noch nicht abrufbar, sollte sich aber als ähnliches wie das von "The Expanse" (2,8 bei 4% Marktanteil) herausstellen. "The Xindi" ist mit diesen Zahlen nachwievor die "Star Trek"-Staffelpremiere mit den niedrigsten US-Quoten.

Als ob diese Zahlen für eine Staffelpremiere nicht miserabel genug wären, sanken die Zuschauerzahlen in der werberelevanten Zielgruppe der 14-49-jährigen Erwachsenen um 11% im Vergleich zu "The Expanse" und sogar 30% im Vergleich zu "Die Schockwelle, Teil 2". Die Serie brachte es in dieser Zielgruppe auf ein erbärmliches National-Rating von nur 1,6 bei 6% Marktanteil. In der Zielgruppe der 18-34-jährigen Erwachsenen verlor "The Xindi" sogar 39% im Vergleich zu "Die Schockwelle, Teil 2" - ein wahres Armutszeugnis.

Alle Zahlen stammen von diesem Artikel, den Sie nur als registrierter "Variety"-User einsehen können.

(sl); STVC-Meldung vom 11.09.2003; Quelle: [1079 Aufrufe; 0 Kommentare]

Vorherige News: [Erste Informationen zu der kommenden "Enterprise"-Episode "North Star"]

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