Sicher haben Sie bereits von dem sagenumwobenen Marsgesicht, Pyramiden und Kanalsystemen gehört, die sich alle auf dem Mars befinden sollen aus welchem Grund und von wem auch immer geschaffen. Nicht erst in den letzten Jahrzehnten beflügelte unser Nachbarplanet die Fantasie der Menschen. So geht es diesmal um die mythologische Bedeutung des Mars und Irrtümer im Allgemeinen.
Lange bevor der Mensch begann, Sonden ins All zu schicken, wurde der Sternenhimmel noch als etwas Magisches oder Göttliches angesehen. Von einigen Kulturen wurden die sogenannten "Wandelsterne" - dazu zählten nicht nur die bekannten Planeten, sondern auch Sonne und Mond - als "Sitz der Götter" betrachtet und verehrt.
Der Mars findet sich sowohl in der griechischen als auch in der römischen und sogar in der germanischen Mythologie wieder, in der er als Kriegsgott darstellt wurde. Vermutlich geht dies auf sein rötliches Leuchten am Himmel zurück, da die Farbe Rot oft mit "Kraft" oder "Gewalt" assoziiert wird.
Interessant ist, dass die Namen der Marsmonde auf die griechische Mythologie zurückgehen: Mars, der von den alten Griechen Ares genannt und später von den Römern mit ihrem Kriegsgott Mars gleichgesetzt wurde, hatte zwei ständige Begleiter, "Deimos" und "Phobos" - "Schrecken" und "Furcht". Man kann davon ausgehen, dass die Griechen damals nichts von den winzigen Marsmonden wussten, und so erst in späterer Zeit dieser Zufall zur Namensgebung genutzt wurde.
Im alten Rom zählte Mars zu den bedeutendsten Gottheiten: Er ist der Sohn des Götterkönigs Jupiter und dessen Frau Juno und außerdem der Vater der Gründer Roms: Romulus und Remus. Auch wurde nach ihm der erste Monat im römischen Kalender benannt. In unserem Sprachgebrauch wandelte sich die Bezeichnung später in "März".
Das Interesse am Mars findet man in so ziemlich jedem Kulturkreis. Im Mittelalter kam er vor allem durch die Astrologie (wieder) in Mode, da die damaligen Horoskope nicht auf dem Stand der Sonne bestimmten Sternbildern basierten, sondern auf den Stand eines Planeten zu einer bestimmten Stunde.
Zu dieser Zeit beschäftigten sich Gelehrte ernsthaft mit den Planeten und langsam setzte sich das Weltbild durch, wie wir es heute kennen. Dazu gehörte, dass der Mars ein Planet wie die Erde war. Der Gedanke an Leben ähnlich dem unsrigen lag nicht fern.
Nicht zuletzt durch die Entdeckung der sogenannten "Canali", Gräben auf dem Mars, 1877, kam es zu einer Flut an Sciencefiction-Romanen, welche die Möglichkeit umsetzten: Kontakte mit einer außerirdischen Zivilisation vom Mars oder der Venus, mehr oder weniger friedlich. Heute wissen wir, wie absurd die Vorstellung ist, dort gäbe es intelligentes Leben. Damals jedoch wusste es die Öffentlichkeit nicht.
So geschah es, dass die Radiofassung von H.G. Wells "Krieg der Welten" (1898) in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts eine wahre Hysterie unter der amerikanischen Bevölkerung auslöste. Das Hörspiel wirkte so überzeugend, dass viele Menschen tatsächlich glaubten, die Erde würde von marsianischen Invasoren angegriffen.
Im Jahr 1975 wurden schließlich die ersten Sonden zum Mars geschickt: "Viking" 1 und 2, die den Planeten im Juli 1976 erreichten und Fotos schossen. Auf einem davon war eine Gesteinsformation zu erkennen, die an ein menschliches Gesicht erinnert (Titelbild). Nun glaubten Verfechter der Idee einer Marszivilisation den Beweis für ihre Theorien gefunden zu haben.
Jedoch wurden sie wenige Stunden später ernüchtert, als "Viking" 2 erneut Bilder der Cydonia-Region schoss und sich zeigte, dass dieses angebliche Gesicht nur ein ganz gewöhnlicher, mit Kratern übersäter, einige Kilometer großer Berg war, dem ein Spiel aus Licht und Schatten menschliche Züge verlieh.
Doch wie es bei einfachen und logischen Erklärungen stets der Fall ist, rief sie Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Unter anderem wird behauptet, dieses zweite Bild habe nie existiert, sondern wäre eine Manipulation der NASA, die verschleiern wollte, dass sie die Überreste einer Marszivilisation gefunden habe. Angeblich lies sie sogar die Marsmissionen in den letzten Jahren mit Absicht fehlschlagen, eben zu Vertuschungszwecken.
In der Nähe des "Gesichts" fanden sich weitere ungewöhnliche geologische Formationen, zum Beispiel regelmäßige fünfseitige Pyramiden und Kilometer lange, röhrenförmige Gebilde, die den oben erwähnten Leuten neuen Zündstoff gaben. Bald hieß es, diese Röhren wären nicht natürlich entstanden, sondern ein Transportsystem in der Art einer gigantischen Ruhrpost.
Weitere Spekulationen wurden angestellt. Was wäre, wenn dies die Relikte einer untergegangenen Zivilisation wären, wenn sich dort unten eine riesige Stadt erstrecken würde, die nun im roten Wüstenstaub versunken wäre? Einige Menschen sprachen sogar vom verlorenen Atlantis.
Aber warum sollte die NASA so etwas vertuschen? Ja, genau, die Menschheit ist bekanntlich noch nicht reif für das Wissen um oder gar den Kontakt mit außerirdischem Leben...

