Letzte Woche berichteten wir bereits über die miserablen US-Quoten der dritten Staffel von "Enterprise". Diese Woche wurde die Episode "Anomaly" ausgestrahlt und auch diesmal gilt: Keine Erholung in Sicht. Lesen Sie eine ausführliche US-Quotenbesprechung mit Analyse und ausführlichem Kommentar.
Die Zahlen
Die zweite Episode der dritten Staffel, "Anomaly", verbuchte ein erbärmliches Overnight-Rating von nur 4,2 bei 7% Marktanteil Damit landete der US-Sender UPN auf einem fünften Platz.
Schlechter war da nur der WB-Sender, der mit einer Wiederholung von "Smallville" ein Overnight-Rating von 3,0 bei 5% Marktanteil erlangte.
Mit dem vierten Platz mussten sich der Sender FOX und seinen Wiederholungen der Serien "Die wilden 70er" und "Die Simpsons" begnügen.
Ein Overnight-Rating von 4,2 Punkten entspricht also 4,2% der gesamten US-TV-Haushalte. Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 7% bedeutet also, dass 7% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender.
Die finalen Einschaltquoten, sogenannte National-Ratings, berücksichtigen alle TV-Märkte in den USA. Die Zahl wird in Haushaltspunkten angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte. Bei einer finalen Einschaltquote von 2,6 Punkten sahen also rund 2,6% der US-TV-Haushalte "Enterprise". Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 5% bedeutet also, dass 5% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender. Die Zuschauerzahl in Millionen gibt schließlich an, wieviele Zuschauer (nicht Haushalte) tatsächlich eingeschaltet haben.
Silber ging an den Sender ABC mit einer Wiederholung von "My Wife & Kids" und einem Overnight-Rating von 7,0 bei 12% Marktanteil.
Sieger im 20-Uhr-Sendeblock wurde der Sender CBS mit "60 Minutes II" und einem Overnight-Rating von 7,2 bei 12% Marktanteil.
Die neue UPN-Serie "Jake 2.0", die immer im Anschluss an "Enterprise" ausgestahlt wird, verlor gegenüber Serienpremiere letzte Woche 21% und kam auf ein Overnight-Rating von nur 3,3 bei 5% Marktanteil.
"The Xindi", Analyse und Vergleich
Im Vergleich zur Vorwoche verlor "Enterprise" nochmals 0,2 Punkte. Im Vergleich zur zweiten Episode der zweiten Staffel, "Carbon Creek", ist dies sogar ein Verlust von 0,6 Punkte.
Dies ist umso erbärmlicher, wenn man sich vorstellt, dass auf den anderen US-Sendern weiterhin nur Wiederholungen ausgestrahlt werden.
Währenddessen ist das National-Rating zu "The Xindi" abrufbar und dieses ist alles andere als erfreulich. So konnte die Staffelpremiere ein National-Rating von nur 2,6 bei 5% Marktanteil erzielen und verlor gegen "The Expanse", dem Cliffhanger der zweiten Staffel, rund 0,2 Punkte.
Vergleich des Overnight-Ratings der zweiten Episode einer "Star Trek"-Staffel seit 1999:
2003: Anomaly - 4,2 ("Enterprise")
2002: "Carbon Creek" - 4,8 ("Enterprise")
2001: "Freund oder Feind" - 7,2 ("Enterprise")
2000: "Unvollkommenheit" - 5,2 ("Raumschiff Voyager")
1999: "Überlebensinstinkt" - 5,5 ("Raumschiff Voyager")
Kommentar
<Ironiemodus an> Was für eine Überraschung. "Enterprise" konnte einmal mehr phänomenale US-Quoten erlangen. Die Serie belebt "Star Trek" wie kein "Das nächste Jahrhundert"-Ableger zuvor. Endlich ist das "Star Trek"-Franchise wieder zu seiner alten Größe zurückgekehrt. Mit diesen unglaublichen US-Quoten schafft es die Serie erneut, Rekorde aufzustellen. Rick Berman und Brannon Braga haben bei der Serie alles richtig gemacht, nein, mehr noch, wie durch einen Geniestreich haben die beiden "Star Trek" verzaubert, denn bloß beim Anblick dieser US-Quoten möchte der Fan dahinschmelzen.
Die spannenden Abenteuer von Captain Archer und Crew, die neue Maßstäbe im TV setzen und "Star Trek" sowie das gesamte Sciencefiction-Genre in eine neue Ära führen, scheinen auch Nicht-Sciencefiction-Fans zu begeistern - ohne Ausnahme. Diese hochinnovativen Sciencefiction-Geschichten sorgen für US-Quoten, die die Studiobosse vor Entzückung in die Luft springen lassen.
Während andere Serien Jahre brauchen, um populär zu werden, schafft es "Enterprise" in nur zwei Jahren. Da möchte man fragen, wie es nach der dritten Staffel weitergehen soll. Denn die Serie wird so oder so bald Opfer ihres nicht mehr zu übertreffenden Niveaus werden. Dann möchte man fragen, können die Autoren noch? Dürften Ihnen nicht bald die Ideen ausgehen? Wie wollen sie weitere vier Staffeln lang die Zuschauer mit so hochkarätiger Sciencefiction-Kost begeistern?
Doch man hat mittlerweile Vertrauen in die Autoren. Denn was diese in den ersten zwei Staffeln geleistet haben, das ist kaum mehr in Worte zu fassen. Ihr Verdienst ist schlicht überwältigend. Nicht nur, dass sie aus allen Fehlern der Vergangenheit gelernt haben, nein, sie haben diese komplett ausmerzen können!
Als erstes sei da diese lästige Janeway erwähnt, eine Frau in "Star Trek", wenn das nicht der größte Fehler des Franchise ist ...
Als zweites müsste man diese Seven-Of-Nine erwähnen. Warum konnte man nicht mehr von ihr zeigen? "Raumschiff Voyager" ist ja sowas von prüde. Bei "Enterprise" machen die Produzenten das gleich von Anfang an richtig - sie servieren uns Zuschauern gleich die nackten Brüste von T'Pol. Ja, so muss es sein, Frauen haben in "Star Trek" kein Recht zu existieren außer die Männer(blicke) zu befriedigen. Ja, das ist "Enterprise", das ist das neue "Star Trek"!
Als drittes sollte man den Action-Faktor erwähnen. Endlich darf geballert werden. Dieser dämliche Picard, der immer nur einen auf diplomatisch tut, der hat ja echt was an der Birne. Bei "Enterprise", das ist doch alles voll der Realismus schlechthin. Hier gibt es dolle Action. Hier wird der Captain sogar auch einmal gefangen. Sowas gab es noch nie zuvor in "Star Trek". Und hier ist der Captain wenigstens ein richtiger Mann, der weiß, was er tut. Nicht so ein Picard-Schlappschwanz oder eine Janeway-Lesbe.
Als viertes darf man natürlich nicht Kontinuität vergessen. Wo gibt es heutzutage noch Serien ohne Kontinuität? Kontinuität muss jede Serie haben! Denn so ergeben die Episoden doch erst einen Sinn und man wird gerade gezwungen, einzuschalten. Nicht diese langweiligen Einzel-Abenteuer von Kirk oder Picard, die alle nur gleich aufgebaut sind. Bei Kontinuität ist richtig Intelligenz angesagt und Kontinuität hebt den Wert einer Episode sowas von ins Unermessliche. Wozu also Episoden, die in sich abgeschlossen sind? Wozu Einzel-Episoden, die eine eigene Atmosphäre besitzen, der die ganze Geschichte und Produktion gehört? Wozu kleine unvergessliche Meisterwerke? Auf das Ganze kommt es eben an. Wozu Abwechslung durch Einzelepisoden, die Forschergeist und Pionier-Feeling vermitteln? Hauptsache düsterer epischer Krieg, der sich über mehrere Staffeln zieht - so hat Scienceficition zu sein und nicht anders. Hauptsache Kontinuität und düster, dann ist alles gut. Bei "Enterprise" haben die Autoren sich geradezu geniales einfallen lassen mit der "Delphic-Ausdehnung". Das ist Kontinuität in Reinkultur, das lädt zum Zuschauen, das bietet Abwechslung, das ist realistisch! Hurra!
Und dieses dämliche Philosophie-Gelabere in "Star Trek" - endlich weg! Endlich kommen Soldaten an Bord der "Enterprise", die nur eins drauf haben: Schießen. Die labern zum Glück nicht soviel wie Data oder Neelix. Sie wissen wann sie die Klappe halten. "Star Trek" entwickelt sich halt immer weiter. Sowas gab es noch nie zuvor im TV.
Bei all diesen ausgemerzten Fehlern ist es da natürlich kein Wunder, dass die US-Quoten so wunderprächtig, so atemberaubend, so grandios, so unbeschreiblich astronomisch sind. Da fragt man sich, wie hoch können diese noch steigen? Ja, mit diesen US-Quoten könnte "Enterprise" die erste "Star Trek"-Serie werden, die wie "Die Simpsons" mehr als 14 Staffeln sein Eigen nennen darf. Mit diesen US-Quoten hat "Star Trek" gezeigt, dass Action und Sex eine sowohl inhaltlich als auch kommerziell höchst erfolgreiche und vor allem extrem einzigartige Mischung sind!
Wozu andere US-Sender, auf denen zur Zeit eh nur Wiederholungen laufen? Wozu die Serie "Smallville", gegen die "Enterprise" bald antreten wird? "Enterprise" besiegt sie alle. "Enterprise" wird in Sachen Quoten alle in den Schatten stellen!
Ein Hoch auf die dritte Staffel! Ein Hoch auf die Macher! Ein Hoch auf "Enterprise"! <Ironiemodus aus>
Hinweis
Bitte bedenken Sie, dass die Zahlen Overnight-Ratings sind. Diese sind nur Vorabzahlen und daher nur ein Indiz für die finalen Quoten (mehr Informationen dazu finden Sie in der Info-Box). Die finalen US-Quoten zu "Anomaly", die allerdings ebenso mager aussehen dürften, finden Sie in den kommenden Tagen.
Alle Zahlen stammen von "MediaWeek.com".
Linktipps
- Unser Review zu "Anomaly"
- News (11.09.2003): "US-Quoten der Premiere der dritten "Enterprise"-Staffel katastrophal"
(sl); STVC-Meldung vom 18.09.2003; Quelle:
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