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US-Quoten von "Enterprise" im freien Fall

Nach fünf stabilen Wochen in Hinsicht auf die US-Quoten von "Enterprise" fielen diese am vergangenen Mittwoch-Abend mit der Episode "Exile" um satte 20%. Welche Ereignisse zu diesem erbärmlichen Ergebnis geführt haben und was das für die Serie bedeutet, lesen Sie in dieser ausführlichen US-Quotenbesprechung mit umfangreicher Analyse und Kommentar.

Die Zahlen

Die letzte "Enterprise"-Episode "Exile" erlangte am vergangenen Mittwoch-Abend ein äußerst schlechtes Fast-National-Rating von gerademal 2,2 bei 4% Marktanteil. Damit landete die Serie samt Sender UPN auf einem sechsten und letzten Platz im 20-Uhr-Sendeblock.

Den fünften Platz konnte sich abermals WB mit der Serie "Smallville" sichern. Die Serie hatte im Wettkampf zu "Enterprise" einmal mehr die Nase vorn. So erlangte sie ein gutes Fast-National-Rating von 3,8 bei 6% Marktanteil. Die Overnight-Ratings sind Vorabquoten, da sie nur die 55 wichtigsten TV-Märkte berücksichtigen und daher nur als Indiz für die finale Quote gewertet werden können - nicht mehr und nicht weniger. Dabei werden die Zahlen in Haushaltspunkten/Marktanteil angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte.

Ein Overnight-Rating von 3,6 Punkten entspricht also 3,6% der gesamten US-TV-Haushalte. Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 5% bedeutet also, dass 5% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender.

Fast-National-Ratings zeichnen sich dadurch aus, dass sie Auswertungen von Daten sind, die aus 5.000 Haushalten, verteilt über alle 210 US-TV-Märkte (Overnight-Ratings decken nur 55 TV-Märkte ab). Sie werden - analog zu den Overnight-Ratings - ebenfalls in Punkten angegeben. Fast-National-Ratings sind sehr viel genauer und entsprechen in den meisten Fällen den finalen Quoten.

Die finalen Einschaltquoten, sogenannte (Final-)National-Ratings, berücksichtigen alle TV-Märkte in den USA. Die Zahl wird in Haushaltspunkten angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte. Bei einer finalen Einschaltquote von 2,8 Punkten sahen also rund 2,8% der US-TV-Haushalte "Enterprise". Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 4% bedeutet also, dass 4% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender. Die Zuschauerzahl in Millionen gibt schließlich an, wieviele Zuschauer (nicht Haushalte) tatsächlich eingeschaltet haben.
Vierter Platz ging an NBC mit "Ed", während CBS mit der Serie "60 Minutes II" und einem Fast-National-Rating von 6,0 bei 10% Marktanteil den dritten Platz verbuchen konnte.

Zweiter wurde ABC mit seinen beiden Erfolgs-Comedies "My Wife and Kids" (7,2 bei 12% Marktanteil) und "It's All Relative" (6,9 bei 11% Marktanteil).

Sieger im 20-Uhr-Sendeblock wurde FOX mit dem "National League Championship Series"-Baseball-Finale und einem gigantischen Fast-National-Rating von 15,5 bei 24% Marktanteil.

Analyse

Aufgrund des Baseball-Finals blieb nicht viel für die anderen Sender übrig - nichtsdestotrotz geling es den meisten Sendern, ihre Zahlen zu halten, während lediglich WB und UPN Verluste hinnehmen mussten. Während "Smallville" im Vergleich zur Vorwoche um 0,4 Punkte sank, sind es bei "Enterprise" 0,5 Punkte - rund 20%.

In der werberelevanten Zuschauergruppe verlor "Smallville" im Vergleich zur Vorwoche aber nur 0,2 Punkte und kam auf ein gutes Fast-National-Rating von 2,7. "Enterprise" hingegen verlor abermals ganze 0,5 Punkte und kam auf ein eher bescheidenes Fast-National-Rating von nur 1,4.

Auch im Overnight-Sektor steht es schlecht um "Enterprise". Denn hier befinden sich die US-Quoten nachwievor im freien Fall. "Enterprise" verlor diese Woche abermals 0,3 Punkte und kam mit "Exile" nur noch auf ein Overnight-Rating von 3,6 bei 5% Marktanteil.

Damit nicht genug, betrachtet der Medien-Experte Marc Berman von "MediaWeek.com" "Enterprise" als einer der Anwärter für die Verlierer-Liste seiner renommierten TV-Kolumnen.

Die Vorgänger-Episode "Impulse" erlangte letzte Woche ein Staffelhoch in Form eines Final-National-Ratings von 2,8 bei 4% Marktanteil - und damit eine Steigerung von 0,1 Punkten gegenüber "Rajiin". In der werberelevanten Zuschauergruppe verlor die Folge nur 0,1 Punkte und kam - wie das Fast-National-Rating dieser Folge bereits exakt andeutete - auf ein Final-National-Rating von 1,9. Doch verlor die Episode Zuschauer im Vergleich zu "Rajiin" - nämlich ganze 350.000 - und kam auf ein Ergebnis von 4,17 Millionen.

Im Vergleich zum Vorjahr verlor "Enterprise" mit "Exile" ganze 29% - nochmals rund ein Drittel der Zuschauerschaft.

Scheinbar positive Nachricht: In der Woche vom 29.09. bis 05.10. war "Enterprise" wieder deutlich erfolgreicher als Vorwoche - so war "Enterprise" UPNs zweiterfolgreichste Serie, nur noch von "All Of Us" geschlagen - eine Woche zuvor befand sich "Enterprise" noch auf einem überaus erbärmlichen siebenten Platz.

Die erfolgreichsten Serien des US-Senders UPN nach Zuschauerzahlen (29.09. bis 05.10.2003):

1. "All Of Us" 4,7 Millionen
2. "Enterprise" 4,5 Millionen
3. "Half & Half" 4,5 Millionen
4. "Girlfriends" 4,4 Millionen
5. "Eve" 4,0 Millionen
...

Doch wenn man sich die Zahlen hierbei genauer anschaut (unten), erkennt man, dass die oben erwähnten Serien alle ein höheres Final-National-Rating haben und somit zu ihrer Ausstrahlungszeit erfolgreicher unterwegs waren. Auch sind diese in Sachen Zuschauerzahlen nicht mehr weit von "Enterprise" entfernt. Es sieht ganz danach aus, dass - sollten die US-Quoten von "Enterprise" nicht weiter steigen - es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die "Star Trek"-Serie endgültig eingeholt wird. Und eine so teure Serie darf sich keinen siebenten Platz von insgesamt elf Platzierungen leisten:

Die erfolgreichsten Serien des US-Senders UPN nach Final-National-Rating (29.09. bis 05.10.2003):

1. "Half & Half" 3,2 bei 5% Marktanteil
2. "All Of Us" 3,1 bei 5% Marktanteil
3. "Girlfriends" 3,1 bei 5% Marktanteil
4. "Eve" 3,0 bei 4% Marktanteil
5. "WWE Smackdown" 2,9 bei 4% Marktanteil
6. "Enterprise" 2,7 bei 4% Marktanteil
...

Man sieht also, dass "Enterprise" sich im Vergleich zur Vorwoche um praktisch nur einen Platz verbessert hat.

Vergleich der sechsten Episoden einer "Star Trek"-Staffel seit 1999 (Overnight-Ratings):

2003: "Exile" - 3,6 ("Star Trek: Enterprise")
2002: "Marauders" - 5,0 ("Star Trek: Enterprise")
2001: "Doppeltes Spiel" - 5,8 ("Star Trek: Enterprise")
2000: "Eingeschleust" - 4,2 ("Raumschiff Voyager")
1999: "Rätsel" - 4,6 ("Raumschiff Voyager")

Kommentar

Trotz des Baseball-Spiels muss man eins festhalten: Der Verlust ist zu hoch, als dass dieser vollständig auf das Sportevent zugeschoben werden kann. Ein wenig Eigenverlust steckt in den 0,5 Punkten sicherlich drin, was zeigt, dass die US-Quoten von "Enterprise" nach 5 Wochen Stabilität nun wieder begonnen haben, zu sinken. In der zweiten Staffel erreichten diese ihren Höhepunkt in Bezug auf die Zuschauerzahlen mit der Episode "Eine Nacht Krankenstation", in der dritten Staffel schien dies "Rajiin" gewesen zu sein. Doch gibt es einen kleinen Unterschied: Während "Eine Nacht Krankenstation" noch 6,3 Millionen Zuschauer fesseln konnte, schalteten bei "Rajiin" nur noch 4,52 Millionen ein - fast 2 Millionen weniger. Während "Enterprise" also bei "Eine Nacht Krankenstation" noch reichlich Freiraum hatte, ist dieser nun nicht mehr gegeben. Wenn die US-Quoten also weiter sinken, sieht es wirklich sehr sehr schlecht aus.

Ein Zahlenbeispiel: In der zweiten Staffel betrug der Unterschied zwischen der erfolgreichsten Episode ("Eine Nacht Krankenstation", 6,3 Millionen) und der erfolglosesten Episode in Bezug auf die Zuschauerzahlen ("The Breach", 3,2 Millionen) beinahe 50%.

Sollte sich dieser Trend auch in der dritten Staffel fortsetzen, so würde die erfolgloseste Episode hier ungefähr nur 2,3 Millionen Zuschauer haben - da sieht man, dass wenn dieser schlimmste Fall eintritt - die Quoten sinken ja nicht von einem Tag auf den anderen - den UPN-Verantwortlichen nichts anderes bleibt, als "Enterprise" abzusetzen. Wie sollte sich eine Serie rentieren, die von der Produktion her so aufwändig ist, aber noch nicht einmal 3 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme locken kann? Doch das sind hypothetische Spiele, hoffen wir, dass die US-Quoten niemals auf dieses Niveau sinken werden - allerdings ist es kein Ding der Unmöglichkeit mehr.

Der Reiz des Neuen - sprich die "Delphic"-Ausdehnung - scheint verflogen zu sein. Was jetzt zählt, ist abermals Inhalt und nochmals Inhalt. Jetzt wird die Serie zeigen müssen, ob die Autoren aus ihren Fehlern gelernt haben. Jetzt, wo der Effekte-Schleier gefallen ist und man wieder verstärkt die eigentliche Serie in Augenschein nimmt, wird sich diese behaupten müssen - und es sieht den US-Quoten zufolge leider nicht sehr gut aus.

Kontinuität, Kontinuität und nochmals Kontinuität - viele Fans wollen nur das eine, ohne über den genauen Sinn darüber nachzudenken. Viele Fans scheinen nur das nachzuplappern, was andere von sich geben. Und die Macher scheinen leider auf diese falschen Fans zu hören. Denn wie wollen sie eine Serie vor dem Quotentod retten, wenn diese Gelegenheitszuschauer mit ihrem durchgehenden Handlungsbogen eher abschreckt? "Star Trek" verlor sein "Sense Of Wonder" mit der Einführung von eben solchen Handlungsbögen, da das Neue, Aufregende und Abwechslungsreiche - etwas, das man mit Erforschung, Pionierhaftigkeit und Weltraum verbindet und das nur Einzelepisoden vermitteln können - verloren gingen. "Deep Space Nine" hat eben aus diesem Grunde die Zuschauerschaft von "Das nächste Jahrhundert" nicht einmal im Ansatz halten können. Auch dort sanken die US-Quoten unaufhörlich weiter. Wird das bei "Enterprise" mit ihrem "Delphic"-Ausdehnung-Handlungsbogen anders sein?

Eine weitere sehr bedauerliche Nachricht ist, dass zum ersten Mal seit dem Ende von "Raumschiff Voyager" keine Top-Platzierung mehr für "Star Trek" auf dem US-Sender UPN erzielt werden kann. Während "Raumschiff Voyager" nie schlechter als den zweiten Platz in der Liste der erfolgreichsten Serien des Senders einnahm, ist dies bei "Enterprise" nun überhaupt nicht mehr der Fall. Die Serie ist auch hier ein klarer Abstiegskandidat. Fragt sich nur, ob UPN nächste TV-Saison nicht einfach eine weitere Comedy-Serie produziert, die viel billiger ist als "Enterprise" und auch noch bessere US-Quoten einfährt, denn zur Zeit scheint der Sender anständigen Erfolg mit ihren Comedy-Serien "Half And Half" und "Girlfriends" zu haben.

Fazit: Die Schon-Frist für die US-Quoten von "Enterprise" ist definitiv vorbei. Wenn die Serie nicht bessere US-Quoten einfährt, dann bleibt die "Delphic"-Ausdehnung definitiv die letzte Mission für die "NX-01"-Crew.

Bitte bedenken Sie, dass die Overnight-Ratings und Fast-National-Ratings nur Vorabquoten sind. Die endgültigen US-Quoten - die sogenannten National- oder Final-Ratings - können anders aussehen. Doch haben sich die Fast-National-Ratings bisher immer ganz gut bewährt und daher sollten die endgültigen US-Quoten nicht allzu sehr davon abweichen. Sobald die (Final-)National-Ratings zu "Exile" abrufbar sind, werden wir Sie darüber informieren.

Die US-Quotenbesprechung beruht auf Zahlen von "Zap2it.com", "TheFutonCritic.com" und "MediaWeek.com" und darf - wie jede andere News von "Star Trek Voyager Center" - in keiner Form kopiert oder vervielfältigt werden, besonders nicht in Foren - Ihrem Diskussionseifer in Ehren. Hierbei wird um vorherige Absprache mit dem Webmaster gebeten.

(sl); STVC-Meldung vom 17.10.2003; Quelle: [935 Aufrufe; 0 Kommentare]

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