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US-Quoten von "Enterprise" kränkeln

Nie zuvor befand sich eine "Star Trek"-Episode auf dem letzten Platz in der Quotenliste aller US-Network-Fernsehserien. "Enterprise" aber war in dieser Hinsicht besonders fleißig und schaffte diesen Rekord mit der Wiederholung der Episode "The Xindi". Aber auch die dieswöchige Episode "The Shipment" kommt nicht viel besser weg. Lesen Sie eine ausführliche US-Quotenbesprechung.

Früher als gewöhnlich sind die finalen US-Quoten zu der Episode "The Shipment" erschienen. Und diese sind weniger erfreulich. Zwar haben wir vor zwei Wochen über den herben Quotenverlust der Serie dank dem Baseball-Finale berichtet, doch jetzt, wo das Sport-Event vorüber ist, bleiben die Quoten niedrig und steigerten sich nur minimal.

Die Overnight-Ratings sind Vorabquoten, da sie nur die 55 wichtigsten TV-Märkte berücksichtigen und daher nur als Indiz für die finale Quote gewertet werden können - nicht mehr und nicht weniger. Dabei werden die Zahlen in Haushaltspunkten/Marktanteil angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte.

Ein Overnight-Rating von 3,9 Punkten entspricht also 3,9% der gesamten US-TV-Haushalte. Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 6% bedeutet also, dass 6% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender.

Fast-National-Ratings zeichnen sich dadurch aus, dass sie Auswertungen von Daten sind, die aus 5.000 Haushalten, verteilt über alle 210 US-TV-Märkte (Overnight-Ratings decken nur 55 TV-Märkte ab). Sie werden - analog zu den Overnight-Ratings - ebenfalls in Punkten angegeben. Fast-National-Ratings sind sehr viel genauer und entsprechen in den meisten Fällen den finalen Quoten.

Die finalen Einschaltquoten, sogenannte (Final-)National-Ratings, berücksichtigen alle TV-Märkte in den USA. Die Zahl wird in Haushaltspunkten angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte. Bei einer finalen Einschaltquote von 2,5 Punkten sahen also rund 2,5% der US-TV-Haushalte "Enterprise". Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 4% bedeutet also, dass 4% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender. Die Zuschauerzahl in Millionen gibt schließlich an, wieviele Zuschauer (nicht Haushalte) tatsächlich eingeschaltet haben.
Wie wir bereits in der letzten US-Quotenbesprechung analysiert haben, konnte der enorme Quotenverlust der Serie vor zwei Wochen nicht allein mit dem Baseball-Finale erklärt werden, ein wenig Eigenverschulden steckt sicherlich auch drin - und in der Tat, die US-Quoten von "Enterprise" befinden sich tendenziell auf einem sinkenden Flug und wenn es so weiter geht, wird die Serie keinen langen Bestand mehr haben.

Lediglich 3,7 Millionen Zuschauer wollten "The Shipment" sehen. Dies stellt ein Final-National-Rating von 2,5 bei 4% Marktanteil (Overnight-Rating: 3,9 bei 6% Marktanteil) dar. Dies ist eine Steigerung von nur 0,2 Punkten gegenüber "Exile", die 3,46 Millionen Zuschauer fesseln konnte.

"The Shipment" ist damit die zweitschlechteste Episode in Bezug auf die US-Quoten dieser dritten Staffel und somit ein weiteres Armutszeugnis für die Serie.

In der werberelevanten Zielgruppe der 14-49-Jährigen brachte es "Enterprise" auf ein Final-National-Rating von 1,6 bei 4% Marktanteil und damit nur 0,1 Punkte besser als "Exile".

Wenn man also bedenkt, dass "Exile" noch gegen das Baseball-Finale antreten musste und "The Shipment" es "nur" mit der üblichen Konkurrenz zu tun hatte, so ist die Quotenleistung der dieswöchigen "Enterprise"-Episode schlicht mangelhaft.

Der Medien-Experte Marc Berman von "MediaWeek.com" schreibt in seiner renommierten TV-Kolumne Folgendes über die fünfte "Star Trek"-Serie:

"Wenn [der US-Sender] UPN "Star Trek" wirklich am Leben erhalten möchte, dann muss er die Serie weg von "Smallville" holen. Die Tatsache, dass der Sender freitags immer fast ohne Zuschauer ist und an diesem Tage keine sonstigen Sciencefiction-Serien auf den Konkurrenz-Sendern laufen, könnte durchaus eine Option sein".

"Smallville" erholte sich recht schnell von dem Baseball-Finale und lief zu seiner alten Höchstform auf. So konnte die Serie 6,71 Millionen Zuschauer fesseln und brachte es auf ein Final-National-Rating von 4,2 bei 7% Marktanteil und ein 2,9 bei 8% Marktanteil bei den 14-49-Jährigen.

Ob der Freitag eine Option ist, ist zu bezweifeln, zumal die Zielgruppe an diesem Tage weiß Gott etwas Besseres zu tun hat, als das 22. Jahrhundert zu besuchen. Die "Enterprise"-Quoten auf Sat.1 freitags kränkeln ja ebenfalls. Und dass "Smallville" erfolgreicher ist, ist einfach damit zu begründen, dass die Serie besser ist. Es sollte Schluss sein mit Ausreden, da sind keine Sport-Events oder andere Serien, die "Enterprise" schaden - es liegt ganz einfach an der Qualität der Serie selbst. "Smallville" ist kein so großer Gegner: "Enterprise" erlangte mit "Rajiin" - trotz parallelem "Smallville"-Staffelauftakt - die besten US-Quoten der dritten Staffel. "Smallville" sollte man also nicht für die Misere von "Enterprise" verantwortlich machen - ganz gewiss nicht.

Zurück zu "The Xindi" - diese Episode hat - wie in der Einleitung erwähnt - den letzten Platz in der Quotenliste aller US-Network-Fernsehserien erlangt. Dies ist ein neuer Rekord. Denn auch wenn die Folge nur eine Wiederholung war, ist diese Leistung mehr als erbärmlich, zumal auch keine "Star Trek"-Wiederholung zuvor jemals so schlecht abschnitt. Die Quotenleistung von "The Xindi" zeigt also recht deutlich, welchen Stand "Star Trek" zur Zeit hat und ist eine wahre Blamage für das gesamte Franchise. Man sieht ganz deutlich, dass "Enterprise" eher für das US-Syndication-Fernsehen geeignet ist als für das US-Network-Fernsehen.

Natürlich entging diese Peinlichkeit der Presse nicht. "E! Online" berichtet zum Beispiel, dass die Wiederholung von "The Xindi" auf dem 116. Platz - und damit letzten Platz - der Quotenliste gelandet war und nur 2,6 Millionen Zuschauer fesseln konnte. Ein UPN-Verantwortlicher antwortete auf eine Anfrage der Seite, dass die "Star Trek"-Fans den Sender weiterhin "definitiv unterstützen" würden:

"Zu Beginn der Staffelpremiere und in den folgenden Wochen sahen wir wöchentlichen Quotenzuwachs. Ich denke, dass das Baseball-Spiel uns sehr geschadet hat. Aber jetzt, wo die Spiele vorüber sind, werden wir wieder zum richtigen Weg zurückfinden".

Nun, dieser "richtige Weg" scheint mit "The Shipment" jedenfalls noch nicht gefunden worden zu sein.

Wiederholungen geben eigentlich immer Auskunft über die Beliebtheit oder Unbeliebtheit einer Serie. Die beliebten Serien "Law & Order" oder "The West Wing" beispielsweise können zum Beispiel auch in ihren Wiederholungen für Spitzenquoten sorgen. Das zeigt, dass die entsprechenden Episoden so gut waren, dass sich die Zuschauer diese auch ein zweites Mal anschauen möchten. Wie die Situation bei "Enterprise" aussieht, kann sich jeder denken.

Damit nicht genug: "Enterprise" war mit "Exile" (in der Woche 13.10.2003 - 19.10.2003) abermals auf dem 7. Platz der erfolgreichsten Serien des US-Senders UPN. Auf dem 7. Platz von 11 Platzierungen wohlgemerkt. Für eine so teure Serie ist dies nicht nur mangelhaft, sondern auch absetzungsreif:

1. WWE Smackdown - 5,0 Millionen, 3,3 bei 5% Marktanteil
2. Eve - 4,4 Millionen, 3,2 bei 5% Marktanteil
3. Girlfriends - 4,4 Millionen, 3,3 bei 5% Marktanteil
4. Half & Half - 3,9 Millionen, 2,9 bei 4% Marktanteil
5. The Parkers - 3,8 million, 2,8 bei 4% Marktanteil
6. All Of Us - 3,7 million, 2,6 bei 4% Marktanteil
7. Enterprise - 3,5 Millionen, 2,3 bei 4% Marktanteil

"Enterprise" kann noch so schlechte US-Quoten haben, solange die Serie die erfolgreichste oder zweiterfolgreichste des angeschlagenen Senders UPN bleibt, muss sie keine Angst auf Absetzung haben. Doch was, wenn dieser Fall nicht mehr gegeben ist? Was, wenn eine so teure Serie wie "Enterprise" von von der Produktion her viel billigeren Comedy-Serien geschlagen wird und nun nur noch auf einem lächerlichen 7. Platz von 11 Platzierungen dümpelt? Würde man selbst als rationaler Sender-Chef nicht eine weitere Comedy-Serie produzieren und diese auf dem Sendeplatz von "Enterprise" ausstrahlen? Man wird! Denn eine vierte "Enterprise"-Staffel wäre unter den aktuellen Bedingungen schlicht und ergreifend Unsinn.

Der "Raumschiff Enterprise"-Autor David Gerrold, der die Drehbücher zu so beliebten Episoden wie "Kennen Sie Tribbles?", "Der dressierte Herrscher" und "Die Wolkenstadt" schrieb, kritisierte vor kurzem die aktuelle "Star Trek"-Führung, namentlich Rick Berman und Brannon Braga:

"Es gibt einige sehr talentierte Mitarbeiter bei "Star Trek" - Herman Zimmerman, Mike Okuda, Chris Black und andere zum Beispiel. Aber ich bin besorgt über die derzeitige Führung und deren Entscheidungen, die nicht den ursprünglichen Geist von "Star Trek" berücksichtigen".

"Wie ich bereits einmal gesagt habe, bestand die ursprüngliche Mission darin, "neues Leben und neue Zivilisationen zu entdecken und dabei in Galaxien vorzudringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat". Genau das hat die Zuschauer inspiriert, das ist der wesentliche Grund, warum diese sich in "Star Trek" verliebt haben - die außergewöhnlichen Entdeckungen".

"Das ursprüngliche "Star Trek" war eine visuelle und inhaltliche Extrapolation des klassischen Sciencefiction-Genres. Das aktuelle "Star Trek" gibt sich zu schnell mit dem Schauwert zufrieden, unternimmt jedoch keine tiefergehenden Bemühungen, die Vorstellungskraft zu sprengen".


Nun, das ist nicht ganz richtig. "Enterprise" hat in einem Punkt die Vorstellungskraft gesprengt - nämlich die Vorstellungskraft der schlechten US-Quoten.

(sl); STVC-Meldung vom 02.11.2003; Quelle: [896 Aufrufe; 0 Kommentare]

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