Beginnend mit der Episode "Nacht" wird ab heute die fünfte Staffel von "Raumschiff Voyager" noch einmal wiederholt. Es handelt sich dabei nicht nur um die originellste Staffel der Serie, sondern auch um eine der besten von ganz "Star Trek". Warum Sie "Nacht" und folgende Episoden nicht verpassen dürfen, erklärt Ihnen dieser TV-Tipp.
Inhalt
Schon seit zwei Monaten fliegt die "Voyager" in einem Teil des Raums, in dem man, aufgrund der hohen Strahlungen im Hintergrund, keine Sterne sehen kann. Dies wirkt sich sehr auf die Moral der Crew aus ...
Kurzkritik
"Nacht" ist ein hervorragender Aufttakt in eine brillante fünfte Staffel von "Raumschiff Voyager". Während die Serie spätestens mit dem Cliffhanger "Skorpion" und der sehr guten vierten Staffel ihre Richtung gefunden hat und sich nicht mehr hinter ihren Vorgängern zu verstecken braucht, hebt "Nacht" das Niveau der Serie abermals gewaltig an.
Mit der fünften Staffel bleibt "Raumschiff Voyager" ihrem Einzelepisoden-Konzept treu und zeigt mit stolz, zu welchen Höhenflügen ein solches Konzept fähig ist und wie passend dieses zur Serienprämisse ist. Kontinuitätsfanatiker von "Deep Space Nine", die kein eigenes Leben haben, sondern im TV einen kontinuierlichen Ersatz dafür finden wollen, werden "Raumschiff Voyager" hassen, die sich so vehement gegen Kontinuität stellt.
"Das nächste Jahrhundert"-Fans, die wöchentlich eine intelligente Story sehen wollen und keine Handlungsbögen bis aufs Äußerste und Langweiligste ausgereizt haben wollen, werden anfangen, "Raumschiff Voyager" zu schätzen. Denn nur mit einem Einzelepisoden-Konzept sind so phänomenale Episoden wie "Nacht", "Temporale Paradoxie", "Kontrapunkt", "Verborgene Bilder" etc etc möglich. Jede Episode der fünften Staffel besitzt eine eigene Atmosphäre und wirkt wie ein eigener, in sich geschlossener Kinofilm. Statt einer einzigen Juwele - wie es der Dominionkrieg bei "Deep Space Nine" sein will - haben wir hier nun mehr als 20 Stück, denn jede Episode aus der fünften Staffel ist - bis auf wenige Ausnahmen - hervorragend.
Der Zuschauer weiß nun wirklich nicht mehr, was ihn Woche für Woche erwartet. Jede Episode unterscheidet sich gänzlich von der vorherigen und Abwechslung und Originalität zeichnen die gesamte fünfte Staffel aus. Spätestens hier kann "Raumschiff Voyager" nicht mehr vorgeworfen werden, ein "Das nächste Jahrhundert"-Plagiat zu sein. Ideen wie das Schwarz-Weiß-Holodeckprogramm um Captain Proton, die Ozeanwelt aus "Dreißig Tage" oder gar der Absturz der "Voyager" auf einem Eisplaneten - das ist Sciencefiction in ihrer Reinform und das sind gewagte Geschichten, die "Das nächste Jahrhundert" nicht bieten konnte.
Man merkt auch, dass den dummen "Raumschiff Voyager"-Bashern spätestens ab dieser Staffel die Argumente ausgegangen sind und diese nun mit akribischer Sucherei nach Logikfehlern die Serie irgendwie weiterhin schlecht machen und als die schlechteste Serie der TV-Geschichte hinstellen wollen - von Einsicht, dass "Raumschiff Voyager" doch nicht so schlecht sein kann, keine Spur.
Wenn schon von einem "Raumschiff Voyager"-Gegner der Kommentar kommt, er könne nicht glauben, dass die Serie ein solches Niveau, wie sie es in der fünften Staffel präsentiert, halten kann, dann ist das ein großes Kompliment und zeigt, wie gut die fünfte "Raumschiff Voyager"-Staffel wirklich ist (Der "Gegner" ist ein "TV Highlights"-Redakteur, der die fünfte "Raumschiff Voyager" unter die Lupe nahm und dabei zeigte, wie wenig er die Serie doch kennt).
"Raumschiff Voyager" zeigt es mit dieser Staffel, dass Sciencefiction-Serien nur mit einem Einzelepisoden-Konzept das "Sense Of Wonder" vermitteln können, da hier das Wunder nicht in Form eines Handlungsbogens endlos gestreckt wird, sondern der Zuschauer jede Woche neue Wunder zu sehen bekommt. Hier fliegt ein Raumschiff noch Woche für Woche zu fremden Welten und nimmt den Zuschauer auf eine fesselnde Reise mit. Hier kann sich der Zuschauer noch gemütlich zurücklehnen und die Episode genießen, ohne ständig irgendwelche Kriege zu sehen, die er auch täglich in den Nachrichten zu sehen bekommt. Bei "Raumschiff Voyager" dürfen die "Star Trek"-Zuschauer noch optimistisch sein.
Die fünfte "Raumschiff Voyager"-Staffel ist nach der starken siebten Staffel die zweitbeste der Serie und die originellste von ganz "Star Trek". In keiner anderen "Star Trek"-Staffel gab es dermaßen atmosphärisch dichte, optisch originelle und inhaltlich komplexe Episoden. Das ist eine unbestreitbare Tatsache, der jeder "Star Trek"-Kenner zustimmen würde.
Mit der fünften "Raumschiff Voyager"-Staffel hat die Serie dann auch endgültig ihre Richtung gefestigt. Sie ist eine lebhafte Weltraumabenteuer-Serie mit Tiefgang. Jede "Raumschiff Voyager"-Episode wird von nun an mehr oder weniger von dieser Staffel geprägt sein. Jede gute "Raumschiff Voyager"-Episode ist nachwievor ein starkes Charakterdrama im Vordergrund eines spannenden Weltraumabenteuers - sinnbildlich hierfür ist die ausgezeichnete Episode "Fair Haven".
Der Vorwurf, "Raumschiff Voyager" hätte nur eindimensionale Charaktere zu bieten, kann spätestens ab dieser Staffel nicht mehr aufrecht erhalten werden. Ohne mehrdimensionale Charaktere würden Glanzepisoden wie "Kontrapunkt", "Verborgene Bilder", "Endstation - Vergessenheit" oder "Liebe inmitten der Sterne" überhaupt nicht funktionieren. Ferner konzentriert sich keine andere "Raumschiff Voyager"-Staffel zuvor so sehr auf ihre Charaktere und zeigt, wieviel Spaß die "Raumschiff Voyager"-Charaktere machen. Auf der "Voyager" geht es etwas lockerer und spaßiger und mit einem leichten Touch an Ironie zu - vielleicht ist dies genau das, was die humorlosen "Raumschiff Voyager"-Basher so verwirrt, weil diese sich vor den Kopf gestoßen fühlen, da sie mit Humor und Ironie - etwas "hellerer" Sciencefiction - nichts anfangen können.
Brannon Braga hat mit "Nacht" die Führung im "Raumschiff Voyager"-Autorenstab übernommen. Hier musste er noch nicht mit Rick Berman zusammenarbeiten und konnte seine ganze Kreativität ausleben. Das Ergebnis zeigt sich in allen kommenden Episoden, die dem langweiligen "Enterprise (NX-01)"-Stuss um Lichtjahre überlegen sind. Hier war Brannon Braga noch er selbst und das war gut so für die Serie.
"Nacht" an sich zeigt mit Bravour, wieviel Story und Abwechslung man in 45 Minuten TV stecken kann. Nicht nur die Grundidee mit dem leeren Raum ist neu in "Star Trek", auch das Schwarz-Weiß-Holodeckprogramm um Captain Proton. Schon zu Beginn ist man über die Originalität erstaunt und bereits die ersten Minuten im Captain-Proton-Programm führt zu einigen Lachern. Stark ist das Charakterdrama um Captain Janeway, die sich Gedanken über ihre "Fürsorger-Entscheidung" macht. Aber auch die restlichen Charaktere kommen nicht zu kurz. All das verpackt in eine typische "Star Trek"-Story ergibt einen rasanten Start in die aufregendste "Raumschiff Voyager"-Staffel.
"Nacht" thematisiert geschickt nochmals die Fürsorger-Entscheidung - das ist Kontinuität in "Raumschiff Voyager": Augenzwinkernd, nie dazu da, um Ideenarmut zu übertünchen und etwas Altes ewig in die Länge zu ziehen, denn "Nacht" ist nicht nur Rückblick, sondern auch Ausblick zugleich. Und auch das ist Kontinuität in "Raumschiff Voyager": Die natürliche Entwicklung der Charaktere. Die Janeway-Figur, so merkt man sehr deutlich in "Nacht", ist nicht mehr dieselbe wie in der ersten Staffel und doch teilt sie all die Eigenschaften von der Janeway aus der ersten Staffel. Was kann man sich also mehr von einer Sciencefiction-Serie wünschen? Jede Woche neue, faszinierende Stories, zusammengehalten von glaubwürdigen und liebenswerten Charakteren. Das ist "Raumschiff Voyager"! Wie kann man die Serie nur nicht mögen?
Fazit
"Nacht" ist ein hervorragender Start in die fünfte und aufregendste "Raumschiff Voyager"-Staffel. Sie verkörpert alles, was eine gute "Raumschiff Voyager"-Episode ausmacht: ein spannendes Charakterdrama mit einem spannenden Weltraumabenteuer. Außerdem hält "Nacht" eine Menge an originellen Ideen parat. Spätestens jetzt sollten Sie ein Mitglied der "Voyager" werden! Note 1+
Sat.1 - 03.01.2004, 17:00 Uhr: Wiederholung von "Nacht", 95. Episode (5. Staffel) der Serie "Raumschiff Voyager", Sciencefiction, USA 1998
(sl); STVC-Meldung vom 03.01.2004; Quelle:
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