Kürzlich mit dem "Hubble"-Teleskop aufgenommene Bilder von entfernten explodierenden Sternen scheinen die Theorie zu bestätigen, dass eine geheimnisvolle, der Gravitationskraft entgegen wirkende Macht das Universum kontrolliert.
Obwohl die Wissenschaftler diesen Fall wohl noch lange nicht zu den Akten werden legen können, sind sie heute der Auffassung, dass diese "Dunkle Energie" genannte Macht eine dauerhafte Erscheinung im Kosmos darstellt.
Die Ergebnisse untermauern eine Theorie, die besagt, dass das Universum nicht in absehbarer Zeit enden wird. Aber sie lässt die Forscher trotz allem keine Erklärung finden, wie diese Dunkle Energie tatsächlich aussieht.
Die Theorie der Dunklen Energie wurde aufgestellt, um eine bemerkenswerte Entdeckung aus dem Jahre 1998 zu erklären: Beinahe sämtliche Galaxien des Universums entfernen sich mit stetig wachsender Geschwindigkeit voneinander.
Die Anziehungskraft verliere einen unbekannten Kampf, bekannten Astronomen. Sie spekulieren, dass etwa 70 Prozent des Universums aus dunkler Energie bestehe, während ein Großteil der restlichen 30 Prozent aus einem anderen geheimnisvollen Stoff gemacht seien, der "Dunkle Materie" genannt wird. Lediglich ein sehr kleiner Anteil bestehe aus "echter Materie", aus der auch unsere Sterne, Planeten und Lebewesen gemacht seien.
Als Edwin Hubble die Ausdehnung des Universums in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckte, nannte Albert Einstein seine Idee von einer kosmologischen Konstanz seinen größten Irrtum. Doch vielleicht hat sich dieser "Irrtum" Einsteins wiederum als Irrtum herausgestellt.
Mit der noch relativ neuen Erkenntnis, dass sich die Ausdehnung des Universums beschleunigt, wurde Einsteins Idee wiederentdeckt.
Die neuen Entdeckungen unterstützen Einsteins Idee einer kosmologischen Konstanz, die laut Forschern beinhalte, dass sich die dunkle Materie im Laufe der Zeit nicht wesentlich verändere.
Falls sich diese Theorie bewahrheitet, bedeutet dies, dass sich das Universum mit einer immer größer werdenden Beschleunigung unendlich lange ausdehnen würde. Bisher glaubte man, dass das Universum aufgrund der Anziehungskräfte, die zwischen jedem Körper und sogar jedem noch so kleinen Atom herrschen, zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder in sich zusammenfallen müsse.
Und auch wenn Einsteins Theorie falsch sein sollte, so wird nach den neuesten Forschungsergebnissen das Universum noch weitere 30 Milliarden Jahre lang bestehen.
Riess' Forschungsteam benutzt das "Hubble"- Teleskop, um Explosionen von Sternen zu finden, die stattfanden, als das Universum erst halb so alt war wie heute. Bei einem bestimmten Typ dieser Supernovae ist die Helligkeit ihrer Explosion bekannt. Wenn man diese Helligkeiten genauer untersucht und vergleicht, erkennt man wie weit der Stern zur Zeit seiner Explosion entfernt war und wie schnell sich das Universum damals ausdehnte.
Die stärkste und schnellste Ausdehnung fand demnach nach dem Urknall statt und wird Inflation genannt. Die Auswirkungen des Urknalls flauten jedoch mit der Zeit ab, bis es zu einer erneuten Beschleunigung der Ausdehnungsrate kam, die bis heute noch nicht geendet hat.
Es gibt zwei Theorien für den Ursprung dieser Dunklen Energie. Die erste, von Einstein formulierte Vermutung besagt, dass die Dunkle Energie aus dem leeren Raum durchsickert und somit eine unveränderliche und feststehende Größe darstellt. Die andere legt das Modell eines sich stetig verändernden, dem Magnetfeld der Erde vergleichbaren Kraftfeldes zugrunde, das "Quintessenz" genannt wird. Im letzteren Szenario verursacht dieses Energiefeld die beschleunigte Ausdehnung des Universums.
Falls Dunkle Energie jedoch veränderlich sei, so könnte sie eines Tages auch in die entgegengesetzte Richtung wirken und das Universum in einem sogenannten "Big Crunch" - das Gegenteil von Urknall - zusammenziehen. Zur Zeit sei dies jedoch das unwahrscheinlichste Szenario, laut Riess.
Die zwei Fragen, auf die Wissenschaftler eine Antwort suchen, lauten: Wie groß ist der Einfluss der Dunklen Energie heute? Und nimmt die Kraft der Dunklen Energie mit der Zeit zu oder ab?
Fest steht bislang nur, dass noch eine Menge Arbeit vor den Forschern liegt, bis sie ein grundsätzliches Verständnis für das Universum erlangen.
(ss); STVC-Meldung vom 22.02.2004; Quelle: Space.com
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