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Feuerberge auf dem Mars: Eiszeit im vulkanischen Trümmerfeld

Die neuesten hochauflösenden Bilder der "Mars Express"-Sonde der europäischen Raumfahrtagentur ESA zeigen bizarre Landschaften, voll von obskuren Gräben, im Nichts endenden Kanälen und lange Reihen von Einsturzkesseln, welche einst von Feuer speienden Mars-Vulkanen geformt wurden.

Titelgrafik zur News
"Viking 1"-Bild von der vulkanischen Unruheprovinz

Die größte vulkanische Unruheregion auf dem Mars ist die Tharsis. Dort befindet sich der höchste Berg unseres Sonnensystems, der Olympus Mons. Er ist 22 Kilometer hoch. Der zweithöchste marsianische Vulkan, Ascraeus Mons, wird jetzt von der deutschen Bordkamera der "Mars Express"-Sonde aufgenommen.

Ascraeus Mons ist rund 1.500 Kilometer von Olympus Mons entfernt und liegt in einer dreieckigen Vulkanformation zwischen zwei weiteren großen Bergen. Die Südflanke des 18,2 Kilometer hohen Berges wurde jetzt aus einer Höhe von 271 Kilometern mit der Stereokamera des ESA-Orbiters aufgenommen. Deutliche Spuren der heißen Vergangenheit sind auf dem hochauflösenden Bild des in eisige Starre verfallenen Wüstenplaneten zu erkennen.

Planetologen erkennen auf den Bildern seltsame Gräben, welche ihnen auch bei anderen irdischen oder marsianischen Vulkanen auffallen:

"Diese Strukturen beobachten wir zwar auch auf der Erde, aber nicht in dieser Größenordnung. Sie entstehen, wenn sich heiße, glutflüssige Lava in Kanälen durch die Landschaft gräbt. Sobald die Lava von oben erkaltet, bildet sich eine feste Gesteinsdecke. Endet die Lavaförderung, leert sich die Tunnelröhre und das Gesteinsdach stürzt ein",

erklärt Ulrich Köhler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Laut Köhler sind die tieferen Einbrüche auf der Ascraeus-Südflanke 100 bis 200 Meter tief. Der Plantenforscher hat ähnliche Strukturen schon in den US-Bundestaaten New Mexico und Washington gesehen.

Da die Kruste des Roten Planten nicht wie die der Erde ständig durch Plattentektonik in Bewegung gehalten wird, können Vulkane dort über Milliarden Jahre hinweg in immer neuen Aktivitätsphasen wachsen, wenn sie sich erst einmal über einem aktiven Lavaschlot gebildet haben. Die Marskruste ist außerdem dicker als die der Erde. Wäre der größte Vulkan der Erde Mauna Kea auf Hawaii so groß wie Olympus Mons, so würde er sich bis in den Erdmantel bohren.

Da bisher keine Raumsonde einen Ausbruch eines Vulkans auf dem Mars live beobachten konnte, ist unklar, ob sie erloschen sind oder nicht.

"Wir gehen davon aus, dass die Caldera von Ascreus Mons rund 100 Millionen Jahre alt ist. Zwar gibt es in der Tharsis-Region auch ältere Vulkankrater, jedoch werden auch jüngere Lavaströme in den Flanken mancher Berge entdeckt",

erklärt der Projektleiter der "Mars-Express" Kamera Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin, welcher als Experte für die Alterbestimmung von Planetenoberflächen gilt. Die vorläufigen Daten werden zur Zeit mit den aktuellen Fotos von "Mars Express" überprüft.

Die Tatsache, dass ältere Oberflächen einige Narben von Einschlagkratern zeigen, von welchen jüngere dagegen noch weitgehend verschont sind, macht sich Neukum für die Altersbestimmung zunutze. So kann im Prinzip anhand der Kraterzahlen mit der richtigen Statistik das Alter der Oberfläche bestimmt werden:

"Hundert Millionen Jahre sind für irdische Verhältnisse sehr alt, für den Mars, dessen Vulkane seit Milliarden Jahren Aktivität zeigen, dagegen jung", meint Neukum.

Ebenso wie irdische Vulkane haben Mars-Vulkane abwechselnd Ruhe- und Aktivitätsphasen. Während die Ruhephasen der irdischen Vulkane nur ein paar Tausend Jahre dauern, können die der Mars-Vulkane Millionen Jahre dauern.

Für weitere Informationen zur Mars-Mission klicken Sie bitte http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltraum/0,1518,k-4891,00.html.

(mb); STVC-Meldung vom 24.03.2004; Quelle: Spiegel Online [1075 Aufrufe; 0 Kommentare]

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