Die Verantwortlichen des US-Senders UPN werfen derzeit wohl ein mehrfaches Auge auf die US-Quoten von "Enterprise", da diese anscheinend nicht voreilig über eine vierte Staffel entscheiden wollen. Von den letzten sechs Episoden, die vergangenen Mittwoch-Abend angelaufen sind, hängt wohl einiges ab. Umso enttäuschender, dass sich "Damage" auch auf die US-Quoten auswirkt.
Die Zahlen
"Enterprise" landete mit "Damage" und einem Fast-National-Rating von nur 2,2 bei 4% Marktanteil (Overnight-Rating: 3,1 bei 5% Marktanteil) auf einem miserablen letzten Platz am vergangenen Mittwoch-Abend um 20 Uhr.
"Smallville" auf dem US-Sender WB konnte sich den fünften Platz sichern und heimste dabei ein Fast-National-Rating von 2,8 bei 5% Marktanteil ein.
Der US-Sender ABC war Viertplatzierter - dank zwei Episoden seiner Serie "My Wife And Kids".
Ein Overnight-Rating von 3,1 Punkten entspricht also 3,1% der gesamten US-TV-Haushalte. Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 5% bedeutet also, dass 5% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender.
Fast-National-Ratings zeichnen sich dadurch aus, dass sie Auswertungen von Daten sind, die aus 5.000 Haushalten, verteilt über alle 210 US-TV-Märkte (Overnight-Ratings decken nur 55 TV-Märkte ab). Sie werden - analog zu den Overnight-Ratings - ebenfalls in Punkten angegeben. Fast-National-Ratings sind sehr viel genauer und entsprechen in den meisten Fällen den finalen Quoten.
Die finalen Einschaltquoten, sogenannte (Final-)National-Ratings, berücksichtigen alle TV-Märkte in den USA. Die Zahl wird in Haushaltspunkten angegeben, was nichts anderes bedeutet als die Prozentzahl aller US-TV-Haushalte. Bei einer finalen Einschaltquote von 2,2 Punkten sahen also rund 2,2% der US-TV-Haushalte "Enterprise". Der Marktanteil gibt an, wieviel Prozent von den gesamten Zuschauern, die zur Sendezeit den Fernseher eingeschaltet hatten, "Enterprise" sahen. 4% bedeutet also, dass 4% aller zur Sendezeit aktiven Zuschauer "Enterprise" eingeschaltet hatten, der Rest bevorzugte andere Sender. Die Zuschauerzahl in Millionen gibt schließlich an, wieviele Zuschauer (nicht Haushalte) tatsächlich eingeschaltet haben.
Glänzender war hingegen der Sender NBC mit der Sendung "The Most Outrageous Moments on Live TV".
Am glänzendsten schien der Sender FOX mit seiner bewährten Kombination aus den beiden Shows "That '70s Show" und "American Idol", welche eine Durchschnittsquote (Fast-National-Rating) von 9,2 bei 16% Marktanteil erlangen konnten und der Konkurrenz im 20-Uhr-Sendeblock nicht den Hauch einer Chance gaben.
Analyse
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass "Smallville" auch immer mehr an Boden verliert. Offenbar leiden sowohl "Smallville" als auch "Enterprise" an der übermächtigen "American Idol"-Konkurrenz (der amerikanischen Variante von "Deutschland sucht den Superstar").
Trotz langer Osterpause und großer Konkurrenz sind die US-Quoten von "Enterprise" zu niedrig, zumal frühere Episoden derselben Konkurrenzschaft ausgesetzt waren. Dies zeigt: Die US-Quoten von "Enterprise" sinken auch in der dritten Staffel kontinuierlich weiter.
Verglichen mit der Vorgänger-Episode "Azati Prime" verlor "Damage" 0,4 Punkte und stellte eines der schlechtesten Fast-National-Ratings der Staffel auf.
Im Overnight-Segment ist "Damage" sogar die schlechteste Episode ("Carpenter Street" nicht mitgezählt, weil diese Episode eine Thanksgiving-Episode war - am Vorabend vom Thanksgiving herrscht in den USA traditionell schlechte Quotenstimmung).
Alles in allem war "Damage" die denkbar schlechteste Möglichkeit, den UPN-Verantwortlichen deutlich zu machen, dass die Serie eine vierte Staffel wert ist.
Nicht umsonst setzte der renommierte Kolumnist Marc Berman "Enterprise" auf seine "Verlierer-Liste" für den Mittwoch-Abend. Marc Bermans Kolumne finden Sie unter diesem Link.
Kommentar
Eine vierte Staffel hängt wohl sehr von den US-Quoten der letzten sechs Episoden der aktuellen dritten Staffel ab. Umso enttäuschender der Start in diese letzte Phase. "Damage" verbuchte nicht nur das schlechteste Overnight-Rating, sondern auch eines der schlechtesten Fast-National-Ratings, die die Serie in dieser Staffel einheimsen konnte.
Es ist interessant, wie - aus welchen Gründen auch immer - hartgesottene Fans sich die Situation der Serie noch schön reden können. Da kommen Fans mit "Steigerung der Quoten" an und dass sich die Quotensituation insgesamt angeblich "maßgeblich" verändert hätte. Nun ja - man muss nur einmal die US-Quoten miteinander vergleichen und feststellen, dass fast jede Episode der zweiten Staffel bessere US-Quoten aufweisen konnte als die Episoden der dritten Staffel. Wo ist da die Steigerung? Jedes Kind weiß, dass die Zahl 2,8 kleiner ist als 3,1 - hat das Zuschauen von "Enterprise" die mathematischen Fähigkeiten der Fans etwa nachhaltig zum Negativen hin beeinflusst? Sind etwa alle "Enterprise"-Fans unwiderruflich zu hirnlosen Action-Knaben mutiert? Anscheinend!
Die Rechnung von Rick Berman und Brannon Braga ist jedenfalls nicht aufgegangen. "Enterprise" hat ihre Qualität in der dritten Staffel endgültig verloren. Die Episoden haben keinen Aussagewert mehr, sondern sind nur Füllung für einen ach so tollen Kontinuitätsstrang, der nicht etwa für mehr Qualität sorgt, sondern den Machern lediglich kreative Pause erlaubt, da diese sich ja nicht mehr jede Woche neue, aufregende Geschichten einfallen lassen müssen, wie sie es bei "Das nächste Jahrhundert" oder "Raumschiff Voyager" taten. Das ist "Star Trek" goes "24" - eine furchtbar nichtssagende Serie; das ist "Star Trek" goes to hell.
Wo sind die Zeiten, wo es noch ruhige, gepflegte Sciencefiction gab, geblieben? Kunterbunte Action und massentaugliche Charaktere, das ist "Enterprise" im Augenblick. Aufregend? Auf die eine Art und Weise sicherlich - wer kann schon umwerfenden Effekten widerstehen? Wer würde sich da nicht die Handlung schön reden wollen? Qualitativ? Nein, sicherlich nicht - die Episoden handeln von nichts mehr. Mit welchem Thema setzt sich eine Episode heutzutage in "Enterprise" noch auseinander - vom Krieg mal abgesehen? Stellt man sich nicht zu oft die Frage: "Was will mir "Enterprise" eigentlich erzählen?" Wo bleibt der Sinn? Wo bleibt der Anspruch? Verwundert es da noch jemanden, dass es mit den US-Quoten von "Enterprise" abwärts geht? Der Zuschauer ist nicht blöd - warum sich mit Nonsense im TV aufhalten, wo doch soviel Nonsense im TV läuft? Kunterbunte Effekte und massentaugliche Charaktere - in welcher Sciencefiction-Serie bekomme ich das nicht?
Ob "Enterprise" mit diesen US-Quoten eine vierte Staffel bekommen wird, ist fraglich. Ob "Enterprise" mit diesen US-Quoten eine vierte Staffel überhaupt überleben kann, ist noch fraglicher und im Moment geradezu utopisch.
Man sollte vielleicht nicht nur Projekte starten, um eine Serie vor ihrer Absetzung zu bewahren, sondern auch Projekte, um die Macher auf den richtigen kreativen Kurs zu bringen. Im Falle von "Enterprise" wäre ein Projekt, das die Serie auf den Pfad der sinnvollen und abwechslungsreichen Einzelepisoden zurückbringt, sicherlich am angebrachtesten. Weniger "Deep Space Nine", dafür mehr "Raumschiff Voyager", dann klappt es auch mit den Quoten!
Und sollte "Enterprise" mal nicht mehr sein, so bleibt den Fans ja nachwievor die geschätzte "Vergewaltigungs-Trilogie" auf dieser Seite. Hier können sich diese dann ausführlichst darüber informieren, warum es mit ihrer ach so tollen Serie nicht geklappt hat, ganz nach dem Motto: "Hinterher ist man immer schlauer" ...
Unser Tipp: Vergessen Sie "Enterprise", kommen Sie zur besseren Serie, indem Sie Das erste DVD-Boxset von "Raumschiff Voyager" kaufen, das in nur 10 Tagen erscheint.
Hinweise
Bitte bedenken Sie, dass jeder Kommentar nur die Meinung des jeweiligen Redakteurs wiederspiegelt und nicht repräsentativ ist für die Website.
Bitte bedenken Sie auch, dass die Fast-National-Ratings Vorabquoten sind. Die endgültigen US-Quoten - die sogenannten National- oder Final-Ratings - können anders aussehen. Sobald die (Final-)National-Ratings zu "Damage" abrufbar sind, werden wir Sie darüber informieren.
Die US-Quotenbesprechung beruht auf Zahlen von "MediaWeek.com" und "Zap2it.com".
Linktipps
- Kolumne: "Enterprise - die Vergewaltigung von Star Trek"
- Kolumne: "Nemesis - die Vergewaltigung von Star Trek geht weiter"
- Kolumne: "Deep Space Nine(-Fans) - die Vergewaltigung von Star Trek hat einen Ursprung"
(sl); STVC-Meldung vom 23.04.2004; Quelle:
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