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Mars-Gräben jenseits von Afrika

Die Bilder der europäischen Marssonde zeigen zerrissene Landschaften auf dem Wüstenplaneten. Die größte marsianische Vulkan-Provinz wird von Gräben und Rissen zerteilt. Die Forscher wollen selbst Marsbeben nicht ausschließen. Die entdeckten Strukturen kommen in ähnlicher Art in Kenia auf der Erde vor.

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Acheron-Fossae: Ein Horst-und-Graben-System?

Europas Mars-Orbiter ist mit einer hochauflösenden HRSC-Kamera aus Berlin ausgerüstet. Mit dieser Kamera wurde nun der nördliche Teil der vulkanischen "Tharsis"-Region ins Visier genommen. Es handelt sich dabei um ein komplexes Grabensystem, welches die Forscher "Acheron Fossae" nennen.

Die aktuellen Bilder des Orbiters sind wesentlich besser als das bisherige Fotomaterial.

"Die Bilder haben eine Auflösung von 25 Metern pro Bildpunkt. Wir können jetzt viele geologisch interessante Strukturen weiträumig studieren mit sehr guter Auflösung, farbig und in 3D",

meint der Berliner Geologe Ernst Hauber, welcher die HRSC-Fotos am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt auswertet.

Peter Kronberg von der Universität Clausthal Zellerfeld auch er untersucht die neuen Bilder erklärt, dass der Mars im Gegensatz zur Erde ein so genannter "Single Plate Planet" sei. Die Marsoberfläche besteht also aus einer einzigen Krustenplatte. Zu den Single-Plate-Planets gehören auch die Venus und der Erdmond.

Die Oberfläche der Erde hingegen ist in mehrere Kontinentalplatten zerbrochen. Diese Platten bewegen sich jährlich um einige Zentimeter. Die Kollisionsstellen sind geologische Krisenherde. Dort entladen sich Erdbeben und Vulkane oder türmen sich in Jahrmillionen gewaltige Gebirgsketten auf.

Im Vergleich zum Mond ist die Mars-Geologie jedoch komplexer. Kronberg dazu:

"Acheron Fossae zeigt Rift-ähnliche Strukturen".

Geologen kennen solche Grabensysteme als "kontinentale Rifts" von unserem tektonisch aktiven Heimatplaneten. Solche Strukturen werden mitunter auch Horst-und-Graben-System genannt: Durch Dehnung der Kruste rutschen große Blöcke nach unten und bilden Gräben zwischen den stehengebliebenen Bergrücken, den so genannten Horsten.

Das irdische Pendant des Acheron-Terrain ist der mit Vulkanen gesäumte ostafrikanische Graben in Kenia. Wenn sich auf einem Planeten mit Plattentektonik solche Rifte bilden, können sich die Gräben in Jahrmillionen zu Ozeanbecken auswachsen. Als Beispiel nennt Kronberg den Roten-Meer-Graben zwischen Afrika und Arabien.

Der Forscher geht davon aus, dass die Mars-Rifts vor Jahrmillionen entstanden sind. Vor Jahrmillionen als heißes Magma aus dem Planeteninneren aufstieg und die junge Marskruste so weit dehnte, bis schließlich Risse aufbrachen. Derartige Landschaftsformationen haben Planetologen schon an anderen Stellen auf dem Roten Planeten gefunden.

Die Frage, ob der Mars in einer ganz frühen Phase über eine Plattentektonik verfügte, ist noch nicht vollständig beantwortet. Der Planet scheint über ein frühes Stadium dieser Dynamik nicht hinausgekommen zu sein. Kronberg erklärt:

"Die Rift-Bildung ist die erste Stufe im sogenannten Wilson-Kreislauf, der die verscheidenen Stadien der Plattentektonik beschreibt".

Um den kompletten Zyklus driftende Kontinente inklusive zu durchlaufen, hatte der Mars, der nur halb so groß wie die Erde ist, in seinem Inneren wohl zu wenig Wärme gespeichert und kühlte so zu schnell ab.

Da es noch keinerlei Seismometer-Messungen gibt, ist noch vollkommen unklar, ob im Inneren des Roten Planeten Marsbeben die Ruhe stören oder nicht. Dies herauszufinden wird die Aufgabe der Landeroboter zukünftiger Generationen werden. Von Thorsten Dambeck

(mb); STVC-Meldung vom 09.05.2004; Quelle: Spiegel Online [1388 Aufrufe; 0 Kommentare]

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