Die europäische Raumfahrtbehörde könnte demnächst zu einem gleichwertigen Konkurrenten der NASA werden, denn es mehren sich die Hinweise, dass Russland in Erwägung zieht, schon bald der ESA beizutreten.
Obwohl es offiziell noch kein Beitrittsangebot der ESA an Russland gibt, waren in den letzten Wochen mehrere Treffen unter hochrangigen Vertretern beider Seiten zu beobachten.
Die Offiziellen äußerten sich auffallend positiv zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen den beiden Raumfahrtorganisationen und einer möglichen Vollmitgliedschaft Russlands in der ESA.
Für eine Überraschung sorgte in dieser Hinsicht der Leiter der russischen Raumfahrtbehörde, Anatoli Perminov.
Er erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur "Itar-Tass", er könne sich eine Fusion mit der ESA prinzipiell vorstellen, unter der Bedingung, dass Russland ein vollwertiges Mitglied werde. Die Details seien sogar schon mit ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain besprochen worden.
Bisher hatte die europäische Raumfahrtbehörde Russland lediglich eine assoziierte Mitgliedschaft, ähnlich der von Kanada angeboten, bei der Russland zwar an Projekten und Entscheidungen der ESA beteiligt worden wäre, jedoch nicht vollständig deren Regeln unterlegen hätte.
Diese Regeln beinhalten unter anderem, dass die beteiligten Länder für ihre Mitgliedsbeiträge mit Aufträgen in entsprechender Höhe versorgt werden.
Dieser finanzielle Aspekt stellte bisher das Hauptproblem für die Integration Russlands als vollwertiges Mitglied in die ESA dar. Kritiker befürchten, die Russen könnten Schwierigkeiten bekommen, ihre Mitgliedsbeiträge zu bezahlen.
Eine Möglichkeit dieses Problem zu lösen, bestünde darin, die Regeln dahingehend zu verändern, dass die Mitgliedsbeiträge auch in Sach- und Dienstleistungen geleistet werden könnten.
Für Russland hieße dies, dass sie ihren Mitgliedsbeitrag begleichen könnten, indem sie mit Hilfe ihrer "Sojus"-Raketen europäische Sonden und Satelliten ins All transportieren.
Ein Beitritt Russlands in die europäische Raumfahrtbehörde wäre ein "enormer Erfolg", so Giovanni Bignami, Vorsitzender des "Space Science Advisory Committee" der ESA.
Die Europäer könnten von der zuverlässigen Technologie der Russen und ihrer Erfahrung profitieren, die zudem sehr billig ist gegenüber Konkurrenzprodukten aus den USA. Russland wiederum gewänne einen verlässlichen Kunden für seine Raumfahrtindustrie.
(ss); STVC-Meldung vom 21.05.2004; Quelle: Spiegel Online
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