Herzlich Willkommen im STVC!

Community-Menü

Brücke Chat Forum TrekBay Wer ist online?


Newsinhalt

Weekly Impression Of Australia, Part 1

Webmaster Shen Li ist in wenigen Wochen in Australien. Mit dem Abflug wird er seine Funktion als Webmaster und Chefredakteur des STVC aufgeben. Doch müssen Sie ihn nicht vermissen, da er Ihnen während seines voraussichtlich einjährigen Aufenthalts dort regelmäßig - möglichst wöchentlich - von seinen Australien-Impressionen berichten wird. Doch was wäre eine so große Reise ohne Vorbereitung? Die ersten Teile handeln denn auch davon. Der erste Teil erzählt von der Motivation, eine solche Unternehmung zu starten.

Australien. Dieses Wort ist nicht nur der Name eines Kontinents, es ist das Synonym für Freiheit, Abenteuer und Selbstfindung.

Abitur. Dieses Wort umschreibt nicht nur den Abschluss der Schullaufbahn, sondern markiert auch den Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Ich habe das Abitur und werde in weniger als drei Wochen in Australien sein.

Viele müssen nach ihrem Abitur Zivildienst leisten oder zur Bundeswehr gehen. Schon hier zeichnet sich der Ernst des neuen Lebens ab. Vorbei ist die alltägliche Schulroutine, vorbei das relative Naive eines umsorgten Alltags, bei dem die Schule im Mittelpunkt steht - überhaupt sind die Zeiten vorbei, in denen man als Schüler einen gewissen Unschuldigkeitsstatus in unserer Gesellschaft genießt. Das eigene Leben beginnt.

Was will ich werden? Wie soll mein Leben aussehen? Was will ich erreichen in meinem Leben? Das sind Fragen, die sich jeder Schulabgänger unweigerlich stellt. Die wenigsten haben bereits jetzt eine Antwort darauf. Auch Freunde von mir, die bereits jetzt ein Studium beginnen, haben darauf keine Antwort. Sie studieren in irgendeine Richtung, aber eine Richtung (noch) ohne Ziel.

Möchte ich denn studieren? Ist es heutzutage, vor allem bei der aktuellen Wirtschaftslage, nicht sinnvoller, eine Ausbildung anzufangen? Warum noch mal fünf bis zehn Jahre mit dem Lernen verbringen? Dann bin ich schon 30! Ein Drittel meines Lebens mit Lernen verbracht und das, obwohl ich nicht nur lernen, sondern vor allem erfahren möchte.

Kann ich überhaupt einen Beruf ein ganzes Leben lang ausüben? Will ich denn das? Und dann ist da noch die Familienplanung. Will ich Kinder? Will ich überhaupt heiraten? Was ist, wenn ich nach dem Studium keinen Job finde oder dieser mir nicht gefällt? Dann stehe ich da, mit 30!

Als all diese Fragen in meinem Kopf auftauchten und fast gleichzeitig nach Antworten verlangten, diese aber wiederum neue Fragen aufwarfen, wusste ich sofort: Ich kann mich nicht wieder einer Routine wie der des Studiums oder einer Ausbildung hingeben. Ich bin noch ziemlich planlos und in diesem Zustand möchte ich keine Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auf mein ganzes Leben haben könnten. Ich wusste sofort: Ich muss weg, weg vom Alltag, weg von Deutschland, mit dem Ziel, mich erst einmal selbst zu finden.

Ein Kumpel aus meiner Schule sprach mich vor ungefähr einem Jahr auf Australien an, dass er gern dieses Land nach seinem Abitur bereisen würde. Australien. Schon damals mutete mir das Wort abenteuerlich an. Und auch heute, kurz vor Abreise, hat das Wort nichts von seiner Abenteuerlichkeit eingebüßt.

Wo kann man besser zu sich finden, sich besser einschätzen lernen als auf einem Abenteuer? Wo kann man besser über sich selbst sinnieren als in einem fremden Land, wo man ein kompletter Außenseiter ist, der nicht dem Strom des Alltags folgt und sozusagen aus einer dritten Perspektive heraus auf das Leben blickt? Und selbst wenn der Selbstfindungsprozess scheitert - wo kann man besser Energie tanken als im Urlaub?

Einfach Lost In Translation sein, das brauche ich jetzt.

Abenteuer und Urlaub. Das ist Australien und das verspricht das Work-And-Holiday-Visum. Australiens Wirtschaft ist auf Rucksacktouristen ausgelegt, so dass diese überall eine Arbeit finden. Man finanziert sich sozusagen selbst seinen Urlaub, indem man hin und wieder irgendwo arbeitet. Maximaler Aufenthalt beträgt dabei ein Jahr.

Und dieses eine Jahr brauche ich wirklich.

Es gibt nichts Schöneres, als vom Urlaub zurückzukommen, getankt mit neuen Erfahrungen und Energien, bereit, den Alltag mit mehr Freude entgegenzutreten. Wenn ich das nicht mache und sofort ein Studium beginne - wann werde ich jemals wieder die Gelegenheit dazu erhalten? Das Leben ist wirklich kurz. Man selbst ist jung und voller Neugierde. Man möchte einfach leben und erfahren! Die Schule ist vorbei, verdammt!

Einfach leben, nicht wissen, wie der Tag endet - das brauche ich dringend.

Ich bin schon immer ein Mensch gewesen, der nicht durchschnittlich sein möchte. Nun ja, wer möchte das schon. Aber warum muss das Leben immer so gradlinig ablaufen: Geburt - Schule - Studium - Beruf - Heirat - Kinder - Rente - Tod. Warum sollte man die Stadien nicht mit viel mehr Zwischenstadien auffüllen? Vielleicht lebt man nur einmal, ist es da nicht geradezu unsere Pflicht, unser aller Leben maximal auszunutzen, jede Gelegenheit zu ergreifen, die sich bietet, stets spontan und auf der Lauer vor Neuem zu sein? Mag irgendwie kitschig klingen, keine Frage, doch ist es nicht so? Ich sehe es zumindest so.

Reich an Erfahrungen möchte ich sterben und nicht nur mit dem Gedanken, dass ich eine glückliche Familie habe, die mich liebt. Was bringt es mir, dass Menschen mich lieben, ich aber dennoch kein ereignisreiches Leben geführt habe? Nicht das Maximale daraus geschöpft habe? Nein, so möchte ich nicht in den Tod gehen. So soll mein Leben nicht ablaufen. Ich hoffe, dass mein Leben nicht so abläuft! Ich hoffe, dass ich bei meinem Tod nicht nur von Leuten umgeben sein werde, die mich lieben, sondern vor allem, dass ich mich selbst und mein eigenes Leben liebe.

Der Gedanke an das Great Barrier Reef mit seiner bunten Korallenwelt, an das Ayers Rock getaucht im romantischen Sonnenuntergangslicht, an eine sternenklare Zeltnacht im Outback, an Kängurus und Koalas, an Sydney... Dann der Gedanke an den tristen grauen Alltag. An die tägliche Fahrt mit der überfüllten U-Bahn zur Uni. An das neue alte Büffeln, und das, obwohl man gerade mit dem Büffeln aufgehört hat. An die strengen Lehrer und die schwierigen Klausuren...

Nein, ich habe für mich selbst die richtige Entscheidung getroffen. Der Entdeckergeist in mir hat sich lange genug unterdrücken lassen! Der Abenteuer-Rebell in mir hat sich lange genug unterdrücken lassen! Den Drang nach stets Neuem habe ich lange genug unterdrücken müssen!

Australien. Das ist nicht nur Freiheit, Abenteuer und Selbstfindung. Es ist auch Flucht vor dem langweilig gewordenen Alltag, vor einem Durchschnittsleben und vor sich selbst zu sich selbst.

Erklärung:

Webmaster Shen Li ist ab Mitte Januar 2005 in Australien. Falls Sie in seinem Mailverteiler aufgenommen werden möchten, über den er nicht nur die 'Weekly'-Kolumnen, sondern auch kurze Erlebnisbeschreibungen und ggf. Fotos verschickt, schreiben Sie bitte eine kurze E-Mail an Shen.Li@voyager-center.de.

Der neue STVC-Webmaster wird der bisherige stellvertretende Chefredakteur Alexander Dennebaum werden.

Sie können über die 'Weekly'-Kolumnen und Reisen allgemein unter diesem Link in unserem Forum diskutieren.

(sl); STVC-Meldung vom 17.12.2004; Quelle: STVC [1105 Aufrufe; 0 Kommentare]

Vorherige News: [Erneute Panne bei US-Raketenabwehrsystem]

Nächste News: [Erste offizielle Informationen zur 'Star Trek: Enterprise'-Episode 'Affliction']


Newsarchiv

Grafik: Abschnitt: Newsarchiv





Copyright