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Mit Volldampf in den Tempel

Am 12. Januar startet die neue 'Deep Impact'-Mission der NASA. Dabei soll sich ein Raumfahrzeug in das Innere eines Kometen bohren. Damit könnte die NASA der europäischen Weltraumagentur ESA die Show stehlen, denn die 'Rosetta'-Mission wird ihr Ziel erst im Jahr 2014 erreichen.

Washington - Für den 12. Januar ist der Start der neuen NASA Mission 'Deep Impact' geplant. Dabei handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um einen tiefen Stoß, denn das projektilartige Raumfahrzeug Impactor soll mit 37.000 Stundenkilometern auf den Kometen 9P/Tempel 1 treffen und sich 28 Meter in dessen Inneres bohren. Der Krater, den das kupferbeschlagene Geschoss in die Kometenoberfläche reißen wird, wird einen Durchmesser von 100 Metern Durchmesser haben.

'Deep Impact' wird an Bord einer Trägerrakete vom Typ Delta II von der Raumbasis Cape Canaveral in Florida abheben. Am 4. Juli soll es zum Crash mit dem Kometen kommen. Der Komet umkreist die Sonne einmal in fünfeinhalb Jahren und nähert sich dabei der Erde bis auf 133 Millionen Kilometer.

Wenn diese Mission wie geplant sechs Monate nach dem Start gelingt, überholt die NASA die europäische 'Rosetta'-Mission um fast ein Jahrzehnt. Die ESA hat ihre Kometen-Mission zwar schon gestartet, doch 'Rosetta' wird den vier Kilometer großen Eiskometen Churyumov-Gerasimenko erst 2014 erreichen.

Doch die Mission der ESA ist ambitionierter: Der Lander Philae soll die Landung überstehen und den Kometen mit Hilfe eines mechanischen Greifers analysieren. Das Mutterschiff soll den Kometen umkreisen und mit ihm in Richtung Sonne reisen, damit der sich bildende Schweif untersuch werden kann.

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Das zweiteilige Raumfahrzeug 'Deep Impact' wird im Kennedy Space Center auf die sechs Monate lange Reise vorbereitet

Die 'Deep Impact'-Mission hingegen wird nur einen Monat dauern. 24 Stunden vor dem Aufprall wird das Mutterschiff den einen Quadratmeter großen und 372 Kilogramm schweren 'Impactor' abwerfen. Das Projektil wird den Aufprall auf den Kometen mit einer eingebauten Kamera filmen. "Diese Kamera wird uns die besten Bilder einer Kometenoberfläche liefern, die es bisher gibt", sagte Mike A'Hearn von der University of Maryland. Auf den Bildern sollen 20 Zentimeter große Details erkennbar sein; selbst wenn die Linse vor dem Aufprall durch Kometenstaub beschädigt wurde, erwarten die Forscher Bilder mit einer Genauigkeit von 3 Metern pro Bildpunkt.

Das Mutterschiff wird in 500 Kilometern sicher am Kometen vorbeifliegen und Infrarotbilder vom Krater und den Trümmer machen und zur Erde senden. Vier Wochen nach dem Crash beendet das Mutterschiff die Mission.

Der Aufprall des 'Impactor' wird sehr heftig sein: Man wird ihn von Neuseeland bis Arizona mit bloßem Auge beobachten können. Doch die Gefahr, dass der Komet dadurch aus seiner Bahn geworfen wird, sehen die Forscher nicht. Schließlich sei sein Kern sechs Kilometer breit - laut NASA-Wissenschaftler Don Yeomans "das astronomische Äquivalent von einer Boing 767, gegen die ein Moskito kracht".

Bisher hat noch kein Raumfahrzeug die Oberfläche eines Kometen berührt. Abeschlossene Missionen wie 1986 am Halleyschen Komet und 2001 am Kometen Borelli waren nur an den Kometen vorbeigeflogen.

Die NASA erhofft sich durch den Blick ins Innere eines Kometen neue Hinweise auf die Ursprünge des Universums. Kometenkerne bestehen aus viereinhalb Milliarden Jahre altem Gas, Eis und Staub. Die genaue Zusammensetzung und Struktur der Kerne ist bisher noch unbekannt, da Astronauten nur von den Beobachtungen der Oberflächen auf deren Inhalt geschlossen haben.

Die Mission wurde seit sechs Jahren von der NASA geplant und kostete etwa 330 Millionen Dollar. Der Start war ursprünglich schon im Dezember geplant, doch da Techniker bei einer Überprüfung Fehler fanden musste er verschoben werden. Bis zum 28. Januar lässt sich der Start noch verschieben, danach ist 'Temepl 1' wieder zu weit von der Erde entfernt.

(mb); STVC-Meldung vom 19.12.2004; Quelle: Spiegel-Online [1263 Aufrufe; 0 Kommentare]

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