Am ersten Weihnachsfeiertag tritt die europäisch-amerikanische Weltraummission Cassini-Huygens eine entscheidende Phase: Die Abtrennung des Landers Huygens vom Mutterschiff Cassini. Mitte Januar soll dann der Lander auf der bisher kaum erforschten Oberfläche des Saturnmondes Titan landen.
Bonn - Am 25. Dezember 2004 beginnt bei der europäisch-amerikanischen Weltraummission Cassini-Huygens eine entscheidende Phase: Um 4:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) soll die Abtrennung der europäischen Forschungssonde Huygens vom Saturn-Orbiter Cassini erfolgen. Ohne eigenen Antrieb, auf einer sogenannten freien ballistischen Flugbahn, wird sich 'Huygens' bis Mitte Januar dem Saturnmond Titan nähern. Am 14. Januar 2005 soll die Sonde dann in die dichte Atmosphäre des größten Saturnmondes eintauchen, um schließlich um 11:30 Uhr MEZ auf der Oberfläche des Mondes zu landen. Es wird das erste Landemanöver in der Geschichte der Raumfahrt auf einem Körper des äußeren Sonnensystems sein.
Während die NASA für das Mutterschiff zuständig ist, kümmert sich die ESA um den Huygens-Lander. Deutsche Wissenschaftler und Ingenieure haben für das Projekt Huygens eine Vielzahl von Messinstrumenten und -komponenten geliefert. Außerdem arbeiten sie an vielen Experimenten mit. So sind das DLR, Institut der Max-Planck-Gesellschaft, mehrere Universitäten und die deutsche Raumfahrtindustrie an dieser Mission beteiligt.
Die europäischen Gesamtkosten belaufen sich auf ca. 400 Millionen Euro, Deutschland zahlt davon 115 Millionen Euro. Die gesamte Mission kostet 3,3 Milliarden Dollar. In Europa ist neben Deutschland noch Italien stark beteiligt, zumindest was den finanziellen und wissenschaftlichen Anteil angeht.
Der Saturnmond Titan ähnelt in vielerlei Hinsicht eher einem Planeten als einem Mond. Als einzigster Mond unseres Sonnensystems verfügt er über eine dichte Atmosphäre. Wie die Lufthülle der Erde besteht diese hauptsächlich aus dem Element Stickstoff. Hinzu kommen etwa drei Prozent Methan und ein Prozent Argon. Bereits 1980 und 1982 hatten die beiden amerikanischen Voyager-Sonden mit Methan verwandte Kohlenwasserstoffe nachgewiesen.
Der Titan ist einer der wenigen Orte im Sonnensystem, an dem sich primitives Leben entwickelt haben könnte. Aufgrund der dichten Atmosphäre konnte die Oberfläche Titans von den Voyager-Sonden nicht abgebildet werden. Das europäische Infrarot-Teleskop ISO spürte im April 1998 erstmals Wasser auf. Forscher erwarten wegen jüngster Messungen (von zwei Nahvorbeiflügen am 26. Oktober und 16. Dezember 2004), dass die Titanatmosphäre eine vielfältige Mischung von organischen Molekülen, ähnlich der Erdatmosphäre in einem sehr frühen Stadium, enthält.
Die sechs europäischen Instrumente an Bord der Huygens-Sonde dienen im Wesentlichen der Messung von Temperatur, Druck sowie Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen in der Titanatmosphäre. Proben der Atmosphäre sollen mit Hilfe eines Gas-Chromatographen chemisch und physikalisch auf ihre Zusammensetzung hin analysiert werden.
Während des 90-minütigen Abstieges soll das 'Huygens Atmospheric Structure Instrument' (HASI) die physikalischen und elektrischen Eigenschaften der Titanatmosphäre untersuchen. Instrumente des 'Surface Science Package' (SSP) werden physikalische Eigenschaften der Mondoberfläche messen. Darunter auch die Wucht beim Aufschlag auf der Oberfläche, die Neigung der Sonde gegen die Normalrichtung sowie die optischen Eigenschaften, Temperatur und Wärmekapazität der Oberfläche.
Der Cassini-Orbiter wird während der vierjährigen Mission 45 mal nah am Titan vorbeifliegen. Die Sonde hatte nach siebenjährigem Flug das Saturnsystem am 1. Juli 2004 erreicht. Die bisherigen Untersuchungen zeigen bereits verschiedene Strukturen auf der Oberfläche des Titans.
(mb); STVC-Meldung vom 23.12.2004; Quelle: DLR Web Portal
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